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Krise in der Ukraine Neue Gewalt überschattet Geiselfreilassung

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„Das ist Krieg“
Schock und Verzweiflung: Ein Anwohner von Odessa trauert vor Einsatzkräften der ukrainischen Polizei. Quelle: dpa

Schock und Verzweiflung: Ein Anwohner von Odessa trauert vor Einsatzkräften der ukrainischen Polizei.

(Foto: dpa)

Der polnische Regierungschef Donald Tusk hat Russland vorgeworfen, gegen die Ukraine einen unerklärten Krieg zu führen. „In der Ukraine haben wir es de fakto mit einem Krieg zu tun. Aber es ist eine neue Art von Krieg. Ein Krieg, der nicht erklärt wurde“, erklärte Tusk am Samstag als Reaktion auf die gewaltsamen Zusammenstöße in Odessa und der Ostukraine. „Wenn die Opferzahlen in die Dutzende gehen, Schusswaffen im Einsatz sind und Hubschrauber abgeschossen werden, dann ist das eine bewaffnete Konfrontation, die nicht von Demonstranten, sondern von einem Staat, nämlich Russland, organisiert wird.“

Seit den ersten Toten des Konflikts im Januar reißt die Gewalt nicht ab: „Die Blutspur zieht sich immer weiter durchs Land“, sagt der ukrainische Politologe Wladimir Fessenko. „Es scheint, als ob der Widerstand gegen die Regierung mit jedem Toten größer wird - auch bei Bürgern, die bisher eher unpolitisch waren“, meint er.

Immer mehr Menschen in der krisengeschüttelten Ukraine fragen sich, wie in dieser Atmosphäre der allgemeinen Verunsicherung am 25. Mai eine Präsidentenwahl stattfinden soll. Im Osten von Europas zweitgrößtem Flächenland halten schwer bewaffnete Separatisten zahlreiche Verwaltungsgebäude besetzt, zudem hat sich die völkerrechtlich zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim nach einem umstrittenen Referendum Russland angeschlossen. Und an der Grenze stehen Zehntausende russische Soldaten. „Die Katastrophe von Odessa hat die Gefahr des Ausnahmezustands näher rücken lassen“, kommentiert die Kiewer Zeitung „Serkali Nedeli“.

Kremlkritiker werfen Putin vor, dass der Präsident genau dies wolle. Offiziell verurteile Russland die Exzesse zwar, aber im Hintergrund dienten sie Moskaus Interessen: Die Gewalt diskreditiere die prowestliche Führung in Kiew zunehmend. Bereits Anfang März hatte sich Putin die parlamentarische Vollmacht zu einem Truppeneinsatz in der Ukraine geben lassen, sollten dort russische Bürger bedroht sein.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sieht seine Regierung in einer Falle. „Einerseits drängt die Mehrheit der Bevölkerung (...) auf die 'Anti-Terror-Operation'“, sagt er der Zeitung „Financial Times“. Andererseits führe eine Militäraktion unweigerlich zu Opfern - und dies sei ein „idealer Vorwand“ für Russland, zum Schutz seiner Bürger in den Konflikt einzugreifen.

Russland erhalte „Tausende Hilferufe“ aus dem krisengeschüttelten Osten des Nachbarlandes, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Es ist der Schrei der Verzweiflung und die Bitte um Hilfe.“ Putin lasse sich „rund um die Uhr“ über das Geschehen informieren. „Noch wissen wir nicht, wie wir reagieren werden. Es ist für uns eine neue Situation“, sagt Peskow. Es klingt vieldeutig in diesen aufgeheizten Tagen.

  • afp
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