Krise in der Ukraine Die Geisterstadt

Leerstehende Wohnungen, schlechte Versorgung: Seit einem Jahr ist die Stadt Donezk besetzt. Für die, die nicht geflohen sind, ist das Leben beschwerlich. Doch einige haben sich mit der Situation arrangiert. Eine Bilanz.
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Seit einem Jahr ist die ukrainische Stadt besetzt. Seitdem hat sich viel geändert. Quelle: dpa
Zerstörtes Donezk

Seit einem Jahr ist die ukrainische Stadt besetzt. Seitdem hat sich viel geändert.

(Foto: dpa)

KiewDmitri Makarenko ist wehmütig. Vor zwölf Monaten noch hatte der Doktorand Hoffnung. Hoffnung darauf, dass die Demokratie in der Ukraine gesiegt hätte. Dass die Euro-Maidan-Proteste in Kiew etwas losgetreten hätten. Dass es ganz schnell gehen würde mit der Veränderung in der Ukraine.

Ein Jahr danach weiß der 23-Jährige: „Es wird noch viele Jahre dauern, bis die Ukraine ein europäisches Land ist – wenn wir Leute das nicht selber machen, wird es gar nichts.“ Ein Jahr danach weiß Dmitri Makarenko auch: Die Stadt Donezk, seine Heimatstadt, ist für die Ukraine verloren. Denn nun trägt sie einen neuen Namen: „Volksrepublik Donezk“.

Rückblick: In der Nacht vom 6. auf den 7. April 2014 besetzten maskierte und bewaffnete Männer den Regierungssitz des Gouverneurs und die Geheimdienstzentrale in der Millionenstadt Donezk. In der Übergangsregierung bracht Hektik aus. Gerade in paar Tage war sie im Amt.

Der Airport des Todes
Alte Pracht
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Der Flughafen von Donezk im Osten der Ukraine zu Zeiten der Fußball-Europameisterschaft 2012: Der Airport war der modernste seiner Art in der Ukraine. Ein Prunkstück aus Glas und Beton, bezahlt vom Geld der Oligarchen. Doch selbst die konnten das schmucke Flughafengebäude nicht schützen...

In Schutt und Asche
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Davon ist nichts übriggeblieben: Offene Leitungen und Rohre liegen zwischen Schutt und Asche im zerstörten Terminalgebäude des Donezker Airports. Die Szenerie zeugt von schwerem Beschuss und Luftangriffen. Im und um den Flughafen starben besonders viele Menschen. Als strategisches Ziel wurden die Kämpfe zwischen ukrainischem Militär und prorussischen Separatisten hier besonders erbittert geführt.

Sperrgebiet Touristeninformation
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Das Innere des Flughafens: Im Airport selbst kam es zum Häuserkampf zwischen den Separatisten und von Kiew entsandten Soldaten. Das Bild beweist: Die Kämpfer machten vor nichts halt. Die Zerstörung ist absolut. Auch die Touristeninformation im Terminal liegt in Trümmern.

Tower am Flughafen Donezk
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Der Kontrollturm des Flughafens war ebenfalls der modernste seiner Art im Land. Der Flughafen war für internationale Flüge ausgelegt und beförderte zu Zeiten der EM 2012 regelmäßig Fußballfans aus ganz Europa und die einheimischen Fans stets zu den Auswärtsspielen ihrer Mannschaft, dem Donezker Klub Schachtjor.

Komplette Zerstörung
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Vom Tower ist heute kaum etwas übrig: Ein Satellitenbild des ukrainischen Militärs offenbart die massive Zerstörung des Kontrollturms vor den Toren der Industriestadt.

Zerschossenes Hinweissschild
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Englische Verkehrsschilder erinnern an die Zeit, als der Flughafen nicht immer Kriegsgebiet war: Der Flughafen wurde nach dem Komponisten Sergei Prokofjew benannt und beförderte pro Stunde 700 Passagiere. Das Liniennetz umfasste Destinationen hauptsächlich in den Staaten der GUS, in Mitteleuropa, in Ferienregionen in Übersee und im Nahen Osten...

Flugzeuge in Donezk
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Bild aus besseren Zeiten: Der Flughafen spielte bis zu Beginn des Krieges eine wichtige Rolle im zivilen Luftverkehr des Landes. Fluglinien wie Aerosvit, Armavia, Austrian Airlines, Donbassaero, Lufthansa, Pegasus Airlines, Transaero, Turkish Airlines, Ukraine International Airlines, Wizzair (unter anderem nach Dortmund) sowie UTAir flogen den Flughafen an.

Übergangspräsident Alexander Turtschinow und Übergangsregierungschef Arsenij Jazenjuk ahnten, dass kein Geringerer als die russische Regierung hinter dem Coup stand. Kiew zögerte, einzig der Oligarch Rinat Achmetow, reichster Mann des Landes und Haupteigentümer der Schwerindustrie in der Ost-Ukraine, trat mit den Besatzern in nächtliche Verhandlungen. Er ließ die Scheinwerfer seiner Mercedes-Limousine und der Begleitfahrzeuge abschalten und fuhr in die Puschkinstrasse, ließ sich in den zwölften Stock führen und traf die Anführer der Besatzer.

Einer, der damals dabei war, ist Alexander Chodakowski. Der russischen Ausgabe des Magazins „Forbes“ hat er nun erzählt, dass Achmetow alleine seiner Gruppe sechs Millionen Dollar an Unterstützung bezahlt habe. Chodakowski gehört zu den Anführern der selbsternannten „Volksrepublik“ Donzek, seine Leute hätten neben Achmetows Anwesen in Donezk auch die Donbass-Arena, das Stadion des Fußball-Vereins Schachtjar Donezk sowie eine Reihe von Bürogebäuden bewacht, alles im Besitz Achmetows.

Die Rolle der Oligarchen in dem Konflikt ist intransparent. Während Achmetow sich auf eigene Faust absicherte, ließ der Anfang März 2014 ins Amt berufene Igor Kolomoiskij in Dnipropetrowsk eine Privatarmee aufbauen: Der Region sollte nicht das gleiche Schicksal widerfahren wie Donezk und Lugansk. Der Milliardär Kolomoiskij hatte Erfolg, geriet aber mit Präsident Poroschenko in Streit und wurde vor drei Wochen entlassen.

„Wir gehen jetzt unseren Weg und Kiew geht seinen“
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11 Kommentare zu "Krise in der Ukraine: Die Geisterstadt"

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  • Beim Lesen mancher Kommentare hier fragen sich meine Kollegen und ich gerade, ich welchem Interesse der eine oder andere Kommentator hier seine propagandistischen Thesen verbreitet.

  • @Herr mathias müller
    Neben spekulativen Leerverkäufen, um Platz für billigeres Gas zu haben.
    Wie Sie schon richtig anmerken, wurden die Gasläger abverkauft, um das teuer eingekaufte Gas an den Verbraucher zu bekommen.
    Wie weit diese Taktik bei der derzeitigen Entkoppelung vom Ölpreis funktioniert, ist nicht vorhersehbar. Trotzdem wollte man auf der sichern Seite sein und nicht in späteren Jahren Verluste zu realisiern, wenn der Gaspreis fällt.

    Der Nachweis, daß Gas verschenkt wurde ist Herr Queri auch im 2. Anlauf schuldig geblieben.

    Schönen Tag noch.

  • @ Herr Thomas Podgacki
    >> Das mit den Steuergelder und der Lieferung unseren Lebensstandard ist mir nicht bekannt. >>

    Dass es Ihnen nicht bekannt ist, heißt ja auch nicht, dass es nicht stimmen würde.

    Wenn Sie alleine den Besuch des Scientology-Jüngers Jatzenjuk vor paar Tagen verfolgt haben, müssen Sie doch mitbekommen haben, wie viele Gelder Merkel an die Ukraine verschoben hat ( hier hilft manchmal das einfache googeln ). Und das sind erst mal alles Steuergelder, die wir vom Pleute-Schurkenstaat Ukraine NIE zurückerhalten werden.
    Um diese verschobenen Summen sinkt auch unser Lebensstandard. So einfach ist das.

    >> Eine Allimentierung mit unseren Gasvorkommen ist unrichtig. Siehe Artikel in der Welt über Verbleib des deutschen Speichergases. >>
    Zitat aus der Welt :

    >> Ein Teil der Mengen wurde zum Beispiel vom Energiekonzern RWE direkt in die Ukraine umgeleitet, die sich aus politischen Gründen innerhalb kürzester Zeit von ihrem bisherigen Hauptlieferanten Russland unabhängig machen wollte >>
    http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article138981493/Das-Raetsel-um-die-verschwundenen-Gas-Reserven.html
    Was soll denn dabei UNRICHTIG sein ? Ich habe mich doch auf den gleichen Artikel der Welt bezogen.
    RWE hat den ganzen Winter unsere Gasimporte aus Russland im Reverse-Betrieb Richtung Ukraine verschoben. Und Sie glauben doch nicht im Ernst, dass RWE das auf EIGENE Rechnung gemacht hat...?

    Nein ! Die Rechnung hat Merkel bezahlt, bzw. der Deutsche Steuerzahler.

    Deutschland liefert sein Gas KOSTENLOS an die Ukraine......deswegen sind die unterirdischen Speicher nicht gefüllt worden, trotz des milden Winters.
    Das ist ein Betrug gegenüber der Gasprom und vor allem gegenüber der eigenen Steuerzahler !

    Auch hier wird der Lebensstandard entsprechend abgesenkt.

    Schönen Tag noch.

  • Sehr geehrter Herr Podgacki,
    Der Bericht in WO bestätigt die Aussage von Herrn Queri.
    Neben spekulativen Leerverkäufen, um Platz für billigeres Gas zu haben.

    Ob diese Spekulation aufgeht, wird sich zeigen.

    Dieser Doktorant ist das beste Beispiel mangelnder Gehirnfunktion bei Jugendlichen.
    Man hat Ihnen eine Ausbildung/Studium ermöglicht womit Sie letztlich unzufrieden
    nach besserem gesucht haben. Und dabei verbrante Erde hinterlassen.

  • @Herr Vittorio Queri

    Und die Ukraine wird heute von unseren Steuergeldern, mit unseren Gasvorräten und mittels unseren Lebensstandards alimentiert

    Das mit den Steuergelder und der Lieferung unseren Lebensstandard ist mir nicht bekannt. Eine Allimentierung mit unseren Gasvorkommen ist unrichtig. Siehe Artikel in der Welt über Verbleib des deutschen Speichergases.

    Schönen Tag noch.

  • Von EU unterstützte und dessen Freilassung aus dem Gefängnis wehenhemmend gefordert haben, entpuppt sich Frau Julia Timoschenko als die "Größte Diebin aller Zeiten"!
    Ihr Vermögen wird auf 55 Milliarden Dollar geschätzt. Für 1 Woche Urlaub hat Sie 120.000 EUR ausgegeben.
    Jetzt kommt auch Herr Jazenjuk unter verdacht 35 Millionen Dollat aus der Staatskasse gestohlen zu haben.
    Das sind wahre Freunde des Westens!

  • „Während Achmetow sich auf eigene Faust absicherte, ließ der Anfang März 2014 ins Amt berufene Igor Kolomoiskij in Dnipropetrowsk eine Privatarmee aufbauen: Der Region sollte nicht das gleiche Schicksal widerfahren wie Donezk und Lugansk.“

    Dieses Narrativ braucht Korrektur. Die Regionen Donezk und Lugansk wurden durch die ukrainischen Streitkräfte und Bataillone mit z.T. Nazi-Hintergrund zerstört. Die Einwohner der beiden Gebiete folgten nur dem Beispiel der Majdan-Revolutionäre, die sich zunächst bewaffneten und als erste Gewalt anwendeten. So konnten sie die Macht in Kiew und dann auch in der Mittel- und Westukraine ergreifen. Dabei genossen die Meuterer volle Unterstützung der westlichen Politik, die Janukowitsch gegen den Einsatz der Armee eindringlich warnte. Zunächst hofften die Menschen im Südosten der damaligen Ukraine, dass der bewaffnete Wiederstand als auch der Rückhalt an Russland sie in eine Position bringen würde, aus der heraus sie auf der gleichen Augenhöhe mit Kiew verhandeln konnten. Viele Aktivisten bezeichneten damals ihre Bewegung als Gegenrevolution, die den Majdan-Revolutionären Paroli bieten sollte. Statt Unterhändler aber schickte die neue Macht zunächst Schlägertrupps (es war vermutlich Kolomojskijs [...], die die prorussischen Aktivisten im Gewerkschaftshaus in Odessa bei lebendigem Leib verbrannte) und dann die regulären Truppen samt den [...] Privatbataillonen nach Osten. Das war die Ursache der jetzigen Zerstörung. Denn die Menschen im Südosten hatten keine besonders große Wahl: Entweder sich von den prowestlichen Schlägertrupps verprügeln und ermorden lassen oder sich zu Wehr zu setzen, und zwar mit Hilfe von Freiwilligen aus Russland.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Eine "Lehrreiche" Lektüre über Ergebnisse der Annäherung des Schurkenstaates Ukraine an die EUtopia mittels Assoziierungsabkommen :

    http://www.tagesspiegel.de/politik/mafia-in-der-ukraine-als-erstes-vergiften-wir-deine-hunde/11604150.html

  • @ Nina Jeglinski

    >> Seit einem Jahr ist die Stadt Donezk besetzt. >>

    Wie kann denn eine Stadt von der dort wohnenden Bevölkerung besetzt sein ?

    Sind alle Städte Deutschlands von ihren Bewohnern auch besetzt ?

    Was für Schreiberlinge engagiert denn das HB ?


  • >> Übergangspräsident Alexander Turtschinow und Übergangsregierungschef Arsenij Jazenjuk ahnten, dass kein Geringerer als die russische Regierung hinter dem Coup stand. >>

    Was für eine verlogene Verdrehung der Tatsachen. Die Russische Regierung war an den Geschehnissen in Donetzk in keinerlei Verbindung.

    Die Kriminellen Oligarchen Turtschinov und Jatzenjuk haben aber mittels Maidan-Verblödung des Volkes in Kiew den Coup mit dem Putsch organisiert und die Regierungsgebäuden und Verwaltungseinrichtungen besetzt.

    Die Menschen in der Region Donetzk und Lugansk haben die Putschisten nicht akzeptiert und ihrerseits die Abspaltungsbewegung in Gang gesetzt !

    Bei der Wahrheit bleiben, Lügenpresse !

    Und die Ukraine wird heute von unseren Steuergeldern, mit unseren Gasvorräten und mittels unseren Lebensstandards alimentiert.

    Trotzdem hat sich der Schurkenstaat zum europäischen Kongo entwickelt :

    mit Gehältern um die 100 $, Renten um die 30 $, Preisen doppelt so hoch wie in Westeuropa.

    Das ist das Ergebnis der Bemühungen der Politoligarchie der EUtopia und der Neonazi-Junta in Kiew ! Nach einem Jahr Maidan !

    Abgesehen von 50.000 Opfern in der Ostukraine, überwiegend Zivilisten, die die Junta abgeschlachtet hat.




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