Krise In Griechenland kommt die Rente mit 67

Es ist ein Schritt, der Milliarden einsparen soll: Griechenland setzt das Renteneintrittsalter auf 67 hoch - und passt sich damit zahlreichen Geberländern an. Es ist ein symbolischer Schritt für das Krisenland.
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Athen passt das Renteneintrittsalter an das Niveau in zahlreichen der Geberländer an. Quelle: dapd

Athen passt das Renteneintrittsalter an das Niveau in zahlreichen der Geberländer an.

(Foto: dapd)

AthenDie griechische Regierung hat sich nach Angaben aus Regierungskreisen im Zuge der Verhandlungen mit den internationalen Kreditgebern darauf verständigt, das Renteneintrittsalter um zwei Jahre auf 67 heraufzusetzen. Das Finanzministerium habe sich mit der Troika aus Europäischer Zentralbank, Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds auf diesen symbolischen Schritt verständigt, verlautete aus den Kreisen. Damit würde das Renteneintrittsalter an das Niveau in zahlreichen der Geberländer, darunter Deutschland, angepasst werden. Das Einsparvolumen der Maßnahme soll als Teil der Reformauflagen 1,1 Milliarden Euro betragen.

Auch in einigen anderen Bereichen habe es Fortschritte gegeben. Eine Verständigung darauf, wie das Gesamtpaket aus Einsparungen in der angestrebten Höhe von 11,5 Milliarden Euro aussehen solle, stehe aber noch aus. "Es gab Fortschritte und neue Ideen, wie die bestehende Lücke zu schließen ist", sagte ein Regierungsvertreter. Griechischen Angaben zufolge gibt es Einigkeit darüber, wie 9,5 der angestrebten 11,5 Milliarden eingespart werden sollen.

Vor dem Hintergrund der neuen Sparverhandlungen hat die griechische Finanzpolizei Ermittlungen gegen 32 Politiker wegen Korruptionsverdachts aufgenommen. Die Ermittlungen sollen klären, wie die Verdächtigen zu ihren Vermögen kamen, hieß es am Freitag aus dem Finanzministerium. Die Einheit für Finanzvergehen werde die Vermögensverhältnisse von „aktiven und ehemaligen Politikern sowie Bürgermeistern und Beamten“ prüfen und dies mit dem versteuerten Einkommen vergleichen, sagte ein Beamter.

Das griechische Finanzministerium hatte mehrmals in den vergangenen Monaten versprochen, schärfer gegen Steuerhinterziehung vorgehen zu wollen. Vor allem Selbstständige wie Ärzte oder Rechtsanwälte stehen im Verdacht, zu wenig Steuern zu bezahlen. Der Staat verliert dadurch jedes Jahr Milliarden an Steuereinnahmen. Finanzminister Yannis Stournaras informierte am Donnerstag das Parlament über die Ermittlungen. Die Tageszeitung „Kathimerini“ berichtete, ein für Partei- und Politikerfinanzen zuständiger Parlamentsausschuss werde sich in den kommenden Tagen mit den Ermittlungen beschäftigen.

Die Regierung des konservativen Regierungschefs Antonis Samaras verhandelt seit Tagen mit Troika-Experten darüber, mit welchen konkreten Maßnahmen sich die angestrebte Einsparsumme erreichen lässt. Eine Einigung dazu ist die Voraussetzung, damit dringend benötigte Milliardenhilfen von rund 31 Milliarden Euro freigegeben werden.

In der Gesprächsrunde der Troika-Experten mit der Regierung kam es nach Angaben eines Regierungsvertreters hitzige Diskussionen. "Es gibt Meinungsverschiedenheiten über die Effektivität der Maßnahmen zur Umstrukturierung des öffentlichen Sektors." Ein anderer Top-Beamter fügte aber hinzu, diese Spannungen hätten gegen Ende des Treffens abgebaut werden können. Vor diesem Gespräch hatte die griechische Seite Hoffnungen genährt, dass eine Einigung auf konkrete Einsparungen von 9,5 Milliarden Euro der notwendigen Gesamtsumme von 11,7 Milliarden Euro bevorstehe. Die Gespräche sollten am Donnerstag fortgeführt werden.

Aber auch innerhalb seiner eigenen Koalitionsregierung hat Samaras Probleme, volle Unterstützung für seine Sparvorschläge zu gewinnen. Ein weiteres Gespräch der Chefs der Koalitionsparteien soll dabei helfen. Zudem sieht sich die Regierung massiven Protesten ausgesetzt. Am Donnerstag war der U- und Stadtbahnverkehr in Athen durch einen 24-Stunden-Streik der Beschäftigten zeitweise stark beeinträchtigt. Zudem steht die Ankündigung eines Generalstreiks für nächste Woche im Raum.

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49 Kommentare zu "Krise: In Griechenland kommt die Rente mit 67 "

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  • Natürlich sind Arme nicht immer gute Menschen, aber in Griechenland ist das Hauptproblem nun mal nicht die paar Milliarden Betrug durch Einkommensschwächere, sondern die Steuerhinterziehungen der Besser-verdienenden. Würden die 50 Milliarden Steuerhinterziehungen jährlich der Besserverdienenden eingesammelt, wäre nicht nur der griechische Haushalt ausgeglichen, sondern es bliebe massig Geld für dringend notwendige Investitionen in die griechische
    Infrastruktur und ähnliches. Das wäre ein Konjunkturprogramm für Arbeit und Wachstum! Stattdessen kürzt man aber bei den Ärmeren und zerstört Wachstumsperspektiven und sozialen Frieden. Ein Desaster, aber eines, das jemand mit vermutlich neoliberalen Instinkten wie Sie wohl nicht so schlecht findet. Hauptsache das obere griechische Einkommens-drittel wird verschont.
    Steuerhinterziehungen jährlich

  • @Ihr
    apropos "blöde Kommentare":
    Schon mal darüber nachgedacht, daß man Qualität nicht mit Quantität ersetzen kann, oder glauben Sie daran, daß Ihr(e) Verschwörungstheorien über die vermeintlich von Systemhand geplanten Gemeinheiten griechischen und auch deutschen Senioren wie Ihnen gegenüber nur durch gebetsmühlenartige Wiederholungen verfangen?

  • Dieses Griechen-bashing ist so niveaulos und dumm. Die Griechen haben nicht unser Geld. Das haben die internationalen Banken/deren Eigner & die Rücstungsindustrie.

    Hey... und wer glaubt, dass wir auch nur 1 Cent der Gelder wiedersehen, dem ist sowieso nicht zu helfen.

    Heute werden die Griechen zu Schuldsklaven, morgen wir.

  • 'Zecke' sagt
    -------------
    ...muss es nur noch was zu arbeiten geben, - gibt´s aber nicht !
    -------------

    Wenn die Griechen in 10 Jahren ihre Lohneinkommen um 49,8% erhöhen dann sich sie eben nicht mehr wettbewerbsfähig.

    Die griechischen Löhne müssen um etwa 20% runter, dann gibt's auf auch wieder Arbeit.

    Dauert nur leider ein paar Jahre.

    Märkte zurückzugewinnen dauert genauso lange wie sie zu verlieren.

  • O-Ton 'ihr'
    ------------------
    Glauben sie wirklich, daß die Deutschen für die Griechen arbeiten? ------------------

    Ja - glaube ich.

    Denn die Griechen haben sich in den letzten 10 Jahren insgesamt etwa 300 Milliarden In Form von Darlehen, die sie offenbar nicht zurückzahlen wollen, Haushaltszuschüssen der "Hilfsprogramme" und EU-Strukturhilfen für nichtexistente Olivenhaine haben sie sich in den letzten 10 Jahren um etwa 300 Milliarden bereichert.

    Das sind 27.889 Euro pro Einwohner. Oder 111.556 Euro für jede vierköpfige Familie.

    Die Banken haben davon bis jetzt schon 100 Milliarden davon in den Wind geschrieben (Schuldenschnitt = Schuldenverzicht).

    Den für den Rest darf wohl der guteuropäische Steuerzahler aufkommen.

    Der deutsche Steuerzahler ist mit etwa 2300 Euro pro Nase dabei.

    +++

    O-Ton 'ihr'
    ------------------
    Die 30Mrd für die griechischen Gläubiger relativieren sich sehr, ------------------

    Was für "30Mrd für die griechischen Gläubiger" ? Falls sie die nächste Tranche aus dem Gilfsprogramm meinen, so sind das 32 Milliarden, wovon etwa 8 Milliarden auf Deutschland entfallen. Oder 200 Euro pro Steuerzahler.

    +++

    O-Ton 'ihr'
    ------------------
    wenn man sieht dass die deutschen Firmeneigner und der Staat mehr als 150Mrd Euro an der Griechenlandkrise verdient haben.
    ------------------

    Und wie haben Sie sich diese 150 Milliarden "Verdienst" zusammenphantasiert?

    Bisher haben deutsche Banken etwa 20 Milliarden an ihren Griechenlandkrediten VERLOREN.

  • Die Rente mit 67 ist in Griechenland genau so falsch wie in Deutschland. Bei der hohen Jugendarbeitslosigkeit in der EU sollen die Alten arbeiten und die Jungen haben keine Perspecktive. Die Staaten machen noch so lage bis die heutige Jugend den Solitarpackt aufkündigt, dann können wir vom Fabriktor uns gleich auf den Friedhof schaffen lassen. Schöne neue bunte Welt. Und wir lassen uns dies gefallen und wählen bei der nächsten Bundestagswahl die gleichen Lügner und Betrüger.

  • Interessante Zahlen: was ich noch suche sind - auch in der Breite verlässliche Zahlen zu den Altersbezügen- auch der Beamten in GR. Wieviel Leute beomme jeweils was? Wir kriegen hier nur Sesnsationsmeldungen, aber keiner bemüht sich mal um verlässliche Angaben zu den VERTEILUNGEN. Durschnitts- und Spitzenwerte sagen wenig aus.

    Den auch in DE gibt es Netto-Pensionen, davon kann ein 40 Jahre lang schuftender Arbeiter nur träumen. Und die Summe sid keiwneig unbeeindruckend.

    Dazu kommen die steuerfreien Auszahlungen privat angesparter RV u. LV Versicherungen (bis 2004 möglich abzuschließen). Nach meiner Kenntnis konnten die Einzahlungen auch noche von der Steuer abgsetzt werden.


  • Um Gottes Willen; Die armen Reichen! Die können sie doch nicht besteuern!
    Haben sie einen Vorschlag der deutschen Regierung gehört, der in diese Richtig geht? Wohl kaum. Man will ja auch die kleinen Leute abziehen, nicht die Reichen.

    Ist wie bei uns!

  • @ Novaris
    Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen! Es geht um die spätere Rentenzahlung für die Rentner, nicht ums länger arbeiten: Wer stellt schon einen 65jährigen ein.
    Die Beiträge zur Rentenkasse werden ja auch (noch) von den Arbeitgebern bezahlt, und dieser Beitrag soll sinken, um die Gewinne weiter zu steigern. Und nur deshalb bekommen wir die Rente später und in geringerer Höhe.

    Da sind wir wieder bei den Griechen. Die Älteren sieht man dort viel mehr arbeiten, als bei uns: meist in ihren Gärten, aber nicht zum Spaß wie in Deutschland, sondern um sich ihr Gemüse anzubauen, das sie sich sonst nicht leisten können. Als Turi kriegt man das wenig mit, deshalb auch die vielen blöden Kommentare.

  • Dämlich ist, wer nicht differenzieren kann und allen in einen Topf, meist seinen eigenen politischen Gesinnungstopf wirft. Arme sind gut und immer unschuldig, Reiche schlecht und an allem schuld !
    Es gibt Armut und Reichtum und natürlich Ungerechtigkeit in Griechenland und auf der ganzen Welt.... und aus verschiedenen berechtigten und ungerechtfertigten Gründen.

    Sehr speziell für Griechenland ist aber die staatliche Inkompetenz, Selbstbedienermentalität, Korruption, Laissez-Faire .... einfach ein durch und durch morbides und verfaultes Behördenwesen, daß nicht als "Staatsdiener" dem Volk "dient" (= Service erbringt), es vielfach noch nicht einmal versucht,sondern überwiegend auf seine Kosten daherschmarotzt und dem Bürger gegenüber die Hand aufhält.

    Griechenland hat eine der höchsten Staatsquoten (Staatsausgaben/BIP) und Staatslohnquote (staatliche Gehaltsssumme/BIP) und einen der schlechtesten CPI (Korruption Perception Index).

    Eigentlich müßten die Griechen für den Beratungs-Service der Troika noch zusätzlich bezahlen, daß diese Lösungen und Verbesserungsvorschläge für diesen völlig desolaten Staat erbringt.
    Optimal wäre es, die griechische Regierung gleich komplett outzusourcen, z.B. an Goldman Sachs, via so eine Art Monti-Nr.2, die haben Erfahrung mit gefälschten griechischen EU-Statistiken und drastischen Personalredutierungsmaßnahmen.
    Quatsch? Nein, funktioniert schon in Italien...

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