Krisenmanager gesucht Junckers Abschied setzt Euro-Retter unter Druck

Eurogruppenchef Juncker zwingt die Euro-Zone mit seinem angekündigten Rückzug in eine neue Personaldebatte. Schon werden mögliche Nachfolger in Stellung gebracht. Auch Schäuble. Damit ist Streit programmiert.
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Sagt Auf Wiedersehen: Jean-Claude Juncker Quelle: AFP

Sagt Auf Wiedersehen: Jean-Claude Juncker

(Foto: AFP)

BerlinNach der Rücktrittsankündigung von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker steht der Eurozone erneut eine schwierige Personaldebatte über die Nachfolge bevor. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wollte sich am Dienstag in Brüssel nicht zu der Personalfrage äußern. Medienberichten zufolge sollen Deutschland und Frankreich aber schon Gespräche darüber geführt haben.

Juncker hatte am Montagabend seinen Rückzug vom Posten des Eurogruppen-Chefs angekündigt. "Ich gehöre zu denen, die diese Entscheidung bedauern", sagte Schäuble lediglich. Die Personalie müsse nun von den Mitgliedstaaten erörtert werden. Der Vorsitz der Eurogruppe ist ein einflussreicher Posten, der in der Krise noch an Bedeutung gewonnen hat. Die Besetzung des Amtes ist somit jedoch auch eine politische Frage. Der Eurozone droht nun erneut eine schwierige Personaldiskussion.

Nachdem ein zu Beginn des Jahres gesundheitlich angeschlagener Juncker im ersten Halbjahr deutliche Zeichen vom Amtsmüdigkeit gezeigt und die Aufgabe seines arbeitsreichen Postens im Sommer angekündigt hatte, brachte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Schäuble als Nachfolger ins Gespräch. Nach dem Regierungswechsel in Frankreich bekam Schäuble jedoch Gegenwind von der neuen sozialistischen Regierung unter Staatschef François Hollande - Juncker erklärte sich daraufhin bereit, sein Amt noch bis zum Jahresende weiterzuführen.

Der "Financial Times Deutschland" zufolge verständigten sich Merkel und Hollande nun bereits darauf, dass der Eurogruppen-Vorsitz in den kommenden Jahren von Deutschland und Frankreich im Wechsel besetzt werden solle. Erster Kandidat sei Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici, da in Deutschland im kommenden September gewählt wird und somit unsicher ist, ob Schäuble im Amt bleibt. Moscovici zeigte sich "überrascht" über den Bericht: "Ich weiß nicht, woher das kommt."

Im politischen Berlin ist man uneins darüber, ob Schäuble wirklich ein möglicher Kandidat wäre. Die FDP hält wenig davon. Die Grünen haben ganz andere Vorstellungen. Nur die Union und Teile der SPD zeigten sich nicht abgeneigt. „Es spricht vieles dafür, als Nachfolger einen Finanzminister zu wählen und dann ist auch der deutsche Finanzminister immer ein geeigneter Kandidat“, sagte der rheinland-pfälzische Finanzministers Carsten Kühl (SPD) Handelsblatt Online. Er fügte allerdings hinzu, dass Juncker den Posten des Euro-Gruppenchefs „exzellent“ ausgefüllt habe und es daher „die optimalste Lösung“ gewesen wäre, wenn er das Amt weitergeführt hätte. 

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23 Kommentare zu "Krisenmanager gesucht: Junckers Abschied setzt Euro-Retter unter Druck"

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  • Der Mann versucht uns durch seine Handhaltung einen Hinweis auf seine Gesinnung zu geben...

  • Durch "Diskussionen" wird die Euro-Zone nicht kollabieren, sondern anhand der ihr innewohnenden Schwächen und Unzulänglichkeiten. Sie wird noch nicht einmal scheitern an der Staatsschuldenkrise einiger Mitgliedsländer sondern weil sie eine suboptimale Währungszone ist, die bestimmten Ländern die Möglichkeit von Währungsabwertung genommen hat und durch innere Abwertung, also einer "Agenda"-Politik wie sie in Deutschland gefahren wurde, das Problem nicht beseitigt wird.
    Das sind die eigentlichen Ursachen, warum die Aussichten für die Euro-Zone nicht gut sind.

  • "... was man sich früher mit dem Panzer zu holen pflegte...."

    Wären Ihnen die Panzer lieber?

  • Diese Personaldiskussion haben wir schon gehabt, sie wird jetzt nicht anders und nicht besser werden als vorher. Deshalb interessiert sie mich auch nicht (mehr) sonderlich. Das ewige Gejammer hier im Kommentarbereich gegen den Euro und die EU insgesamt habe ich schon oft genug kommentiert, mir reicht es jetzt. Die Leute, die's nicht begreifen wollen, die werden's nicht begreifen, egal wie oft man was wie erklärt.

    Es gab deshalb nur einen informationsstrang hier der mich interessiert, der aber dafür sehr: Irland. Irland ist das Land mit dem höchsten Haushaltsdefizit dieses Jahr udn der dritthöchsten Gesamtschuld im Euroraum. War mir vorher schon bekannt. Der Grund dafür ist nicht mangelende Haushaltsdisziplin, sondern die enormen Belastungen des Bankenbailouts in der Subprimecrisis. Auch schon bekannt. Man liest auch schon seit Längerem, das Irland über eine weitere Inanspruchnahme von EU-Rettungsinstrumenten nachdenkt. Gleichzeitig lese ich seit Monaten, dass Irland das leuchtende Beispiel dafür ist, wie man durch plötzliche Haushaltsdisziplin für schnelle und nachhaltige Erholung im Krisenstaat sorgt. Kann ja wohl nicht so ganz sein. Ist aber ein schönes beispiel dafür, dass die ganze Euro-Diskussion in erster Linie Affekt- und Vorurteilsbasiert ist, nicht sachbezogen. Aber ich fürchte, das ändert sich auch nicht mehr, bis die EU zu Grunde gerichtet ist. Man wird erst merken, was man an ihr gehabt hat, wenn man sie gehabt hat.

  • Was für ein Druck! Ich spür's schon.

    Ich empfinde es als Erleichterung.

    Aber mal ehrlich. Abgearbeitet sieht der aber nicht aus. Da gibt es aber jüngere, die älter aussehen und bis 67 arbeiten sollen.

    Bringen wir es auf den Punkt. Er erkennt, dass der Euro gescheitert ist und tritt den Rückzug an. Andererseits darf man nicht verkennen, was er denn mit einem Anteil von 0,17 % überhaupt ausrichten konnte.
    Mersch hat er einen Posten bei der EZB verschafft, mehr als genug ist's. Der darf jetzt dort für ihn "wie ein Stier kämpfen".

    Das Ganze erscheint eher als Posse, denn als eine ehrliche, sozialverantwortliche Politik. Hoffen wir, dass es einen würdigen Nachfolger gibt. An Wolfgang Schäuble denke ich dabei aber nicht, ich schrieb von einem "würdigen" Nachfolger!

  • Brüderle: Besser sei es, "einem kleinen Mitgliedsland wie etwa Finnland den Vortritt zu lassen"

    Hallo Herr Brüderle, worauf liegt die Betonung? Auf "kleinem Mitgliedsland" oder auf "Finnland"?
    Finnland halte ich für eine gute Lösung, nur ist fraglich, ob die Finnen dies überhaupt wollen. Sie haben ja schon gesagt, dass sie den Euro nicht um jeden Preis halten wollen, und schon Strategien/Pläne für den Austrittsfall ausgearbeitet haben.

    Die Schuldenländer und die, die es der nächsten Zeit noch werden, und das ist die Mehrzahl, wählen dann vielleicht ein anderes kleines Land, z. B. Zypern. Und dann?

    In jedem Fall werden die Schuldenländer einen der ihre Interessen angemessen vertritt versuchen auf diesen Posten zu setzen.

  • Endlich geht dieser Juncker. Super! Ich weine ihm keine Träne nach, weil er mitschuldig ist am Euro und seiner Fehlkonstruktion. Heutzutage hat dieser Mann noch die Frechheit und will den deutschen Steuerzahler für seine Fehler aufkommen lassen.

  • Soll´s doch das Grünen-Großmaul Schick machen von der radikal-Fraktion der Eurologen. Der will die deutsche Einlagesicherung der Sparkassen und Raiffeisenbanken den südeuropäische Pleitestaaten zugänglich machen und wäre insoweit ein geeigneter Kandidat dafür, die kläglichen Restbestände an Vertrauen der deutschen Sparen in diese Unsinns-Währung vollends zu ruinieren.

  • Ein Lügner und Diktaturförderer tritt ab. Und das ist zunächst mal gut so. Ob eine neue Person dem Lügengebilde Einhalt gebietet, ist völlig offen. Der Griechenlandirrsinn belegt doch die Unfähigkeit des künstlichen Gebildes EU und die Bürgerferne zu den Menschen. Das muss scheitern.

  • Die Französlinge werden den alten und kranken Schäuble dranlassen. Das schadet denen nichts.

    Als Gegenleistung lassen sie sich alles andere aushändigen.

    Hat es schon mal solchen Verrat gegeben? Ich meine, nein.

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