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Krisenstrategien Isabel Diáz Ayuso hat in Madrid die Gastronomie offen gelassen – und so die Regionalwahl gewonnen

Madrids Regionalchefin Isabel Díaz Ayuso hat nie einen Lockdown verhängt. Ihre Strategie hat zwar der Wirtschaft geholfen, nicht aber dem Kampf gegen die Pandemie.
05.05.2021 - 12:04 Uhr 1 Kommentar
Madrids Regionalfürstin hat bei der Neuwahl doppelt so viele Stimmen erhalten wie vor zwei Jahren. Quelle: dpa
Isabel Díaz Ayuso

Madrids Regionalfürstin hat bei der Neuwahl doppelt so viele Stimmen erhalten wie vor zwei Jahren.

(Foto: dpa)

Madrid Als Isabel Díaz Ayuso am Dienstagabend nach ihrem fulminanten Sieg bei den Madrider Regionalwahlen vor ihre Anhänger tritt, klingt es, als wäre sie gerade zur spanischen Ministerpräsidentin gewählt worden. „Heute fängt ein neues Kapital in der spanischen Geschichte an“, proklamierte die Konservative.

Es sind große Töne, aber es ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Ayuso hat in ihren zwei Jahren im Amt bei den von ihr vorgezogenen Neuwahlen das Ergebnis ihrer Partei auf 45 Prozent der Stimmen verdoppelt. Die 42-Jährige kann in der reichsten und wirtschaftlich wie politisch wichtigsten Region Spaniens nun mit Unterstützung der rechtsradikalen Partei Vox regieren. Mit dem Ergebnis empfiehlt sie sich für Spitzenpositionen auf nationaler Ebene in ihrer Partido Popular (PP).

Zu den Gründen für ihren fulminanten Sieg gehört nicht nur das verheerende Ergebnis der liberalen Ciudadanos. Die bis vor wenigen Jahren noch völlig unbekannte Politikerin ist vor allem ein Beispiel dafür, wie sich mit einem populären Corona-Management Stimmen gewinnen lassen. Die Wahlbeteiligung war mit 76 Prozent die höchste, die jemals in der Region erreicht wurde.

Seit dem vergangenen Sommer hat Ayuso Bars und Restaurants, Kinos und Theater stets offengehalten. Die Wirtschaft in der Region Madrid ist dadurch Ende vergangenen Jahres stark gewachsen, während sie landesweit stagnierte.

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    Gleichzeitig ist die Inzidenz in Madrid immer noch fast doppelt so hoch wie im Rest des Landes, nirgendwo im Land ist die Lage auf den Intensivstationen so angespannt. Es ist die Bilanz eines gewagten Experiments.

    Wirtschaftlicher Erfolg für die Region

    Während alle großen Länder Europas in den vergangenen Monaten im Lockdown waren, blieb die spanische Hauptstadt stets geöffnet. Zu den wenigen Einschränkungen gehörten eine Ausgangssperre, die derzeit um 23 Uhr beginnt, sowie Abstandsregeln und beschränkte Kapazitäten in Bars und Restaurants. Das tägliche Leben war in Madrid weitgehend normal.

    Und das just in der Stadt, die seit Beginn der Pandemie zu den am meisten betroffenen Orten in Spanien und zweitweise in ganz Europa gehörte. Doch Ayuso argumentiert in einem Interview mit „La Vanguardia, der Lockdown in Städten wie Paris, London und Barcelona „hat die Werte in der Mehrheit dieser Städte nicht stark verändert und war der Ruin für die Leute“. Die 42-Jährige mit einem starken Hang zum Populismus bringt es im Wahlkampf auf eine einfache Formel: „Madrid ist Freiheit.“

    Zu den wenigen Einschränkungen gehörten eine Ausgangssperre, die derzeit um 23 Uhr beginnt. Quelle: Bloomberg
    Madrid

    Zu den wenigen Einschränkungen gehörten eine Ausgangssperre, die derzeit um 23 Uhr beginnt.

    (Foto: Bloomberg)

    Wirtschaftlich hat ihre Öffnungspolitik für mehr Wachstum und Arbeitsplätze gesorgt. Zwar ist die Wirtschaftsleistung in der Hauptstadtregion im vergangenen Jahr um 10,3 Prozent gesunken und damit nur leicht weniger als in Spanien insgesamt mit minus 10,8 Prozent.

    Doch das lag vor allem am heftigen Einbruch im zweiten Quartal, als in ganz Spanien sieben Wochen lang eine strikte Ausgangssperre herrschte. Nach diesem harten Lockdown, bei dem noch nicht einmal Spaziergänge erlaubt waren, lag die Hoheit über die Covid-Maßnahmen seit dem vergangenen Juni weitgehend bei den einzelnen Regionen. Madrid ist von Oktober bis Dezember um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gewachsen, während Spanien insgesamt stagnierte.

    In der zweitgrößten Metropolregion, Katalonien, wo Restaurants, Bars und Einkaufszentren lange geschlossen blieben, sank die Wirtschaftsleistung in dem Zeitraum um 0,5 Prozent. „Das starke Madrider Wachstum ist zum großen Teil auf die laxere Corona-Politik zurückzuführen“, sagt Raymond Torres, Chef für Konjunkturanalyse bei der Stiftung der spanischen Sparkassen, Funcas.

    Die Bilanz der Pandemiebekämpfung ist klar negativ

    Sein Institut hat die Bereiche addiert, die von Restriktionen in der Pandemie besonders betroffen waren – Bars und Restaurants, Hotels, Einzelhandel und Kultureinrichtungen. Sie machen rund 29 Prozent der Wirtschaftsleistung aus – sowohl in Spanien insgesamt als auch in der Region Madrid mit ihren 6,6 Millionen Einwohnern. Die Entscheidung, diese Bereiche zu öffnen oder zu schließen, macht für das Wachstum einen großen Unterschied.

    Das gilt auch auf dem Arbeitsmarkt: Im ersten Quartal dieses Jahres war Madrid die Region, die die Arbeitslosigkeit am stärksten gesenkt und die meisten neuen Jobs geschaffen hat. Für die Gastwirte in Madrid ist klar: Ayuso hat sie gerettet. Auf der Ausgehmeile Calle Ponzano hängen in einigen Bars Schilder mit der Aufschrift „Wir sind alle Ayuso. Danke, dass Sie sich um uns kümmern.“

    Grafik

    Die Bilanz von Ayusos Pandemiebekämpfung sieht dagegen anders aus. „Sie ist klar negativ“, urteilt der Epidemiologe und Sprecher des Madrider Verbands für das öffentliche Gesundheitswesen, Fernando García. „Madrid gehört zu den Regionen mit der höchsten Todesrate des Landes“, sagt er.

    Die stamme vor allem aus der ersten Welle, als Ayuso die Altersheime vernachlässigt habe, wo besonders viele Menschen gestorben sind. „Auch in den Madrider Krankenhäusern hat es nach Jahren der Kürzungen und Unterfinanzierung in der öffentlichen Gesundheit an Personal und Kapazitäten gefehlt“, sagt Ökonom Torres. „In der Pandemie hat Ayuso die Finanzhilfen nicht dazu genutzt, das Personal nachhaltig aufzustocken.“

    Während die Zahl der Todesfälle in Madrid in der zweiten und dritten Viruswelle auf oder unter dem Durchschnitt lag, überstieg die Inzidenz in Madrid stets die der meisten übrigen Regionen des Landes. Am vergangenen Montag registrierte die Region 168 Fälle pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen. In ganz Spanien waren es 100 Fälle.

    Allerdings: Selbst mit seinen höheren Werten ist Madrid nicht allzu weit von den deutschen Daten entfernt. Hier lag die Inzidenz am vergangenen Dienstag bei 141 Fällen – und das trotz Lockdowns seit dem vergangenen November.

    Madrilenen haben Eigenverantwortung gezeigt

    Eine von vielen Erklärungen für den vergleichsweise geringen Unterschied dürfte in der selbst auferlegten Vorsicht der Madrilenen liegen. Wer in den vergangenen Monaten einen Tisch im Restaurant reservieren wollte, bekam oft zu hören: „Drinnen geht es, aber die Terrasse ist schon voll.“

    Madrid hat – ähnliche wie viele Städte in Europa – Parkbuchten zu Terrassen umfunktioniert, die Wirte haben in Heizpilze investiert. Und so saßen viele Madrilenen fast das ganze Jahr über bei Tapas und Vino im Freien.

    Aber die Restaurants waren auch drinnen oft voll. Die gigantische erste Welle in Madrid dürfte dazu beigetragen haben, dass zahlreiche Madrilenen bereits immun waren und die Verbreitung des Virus zumindest etwas verlangsamt haben.

    Ökonom Torres hält die Öffnung der Innenräume in den Madrider Bars für einen Fehler. „Aber draußen ist die Ansteckungsgefahr deutlich geringer. Da hätten auch andere Länder die Terrassen öffnen können, statt das gesamte Gastgewerbe lahmzulegen. Da gab es in vielen europäischen Städten einige Exzesse.“

    Mehr: London impft, Paris zaudert, Rom schließt – Europa verheddert sich im Krisenmanagement.

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    1 Kommentar zu "Krisenstrategien: Isabel Diáz Ayuso hat in Madrid die Gastronomie offen gelassen – und so die Regionalwahl gewonnen"

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    • Alles richtig gemacht. Bravo, Isabel Diáz Ayuso!

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