Kritik an US-Präsident Trump gerät nach Putin-Gipfel unter Rechtfertigungsdruck

Während Putin in Moskau Respekt gezollt wird, muss Donald Trump nach dem Helsinki-Gipfel harsche Kritik einstecken – auch aus den eigenen Reihen.
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„Eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten.“ Quelle: dpa
Helsinki-Gipfel

„Eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten.“

(Foto: dpa)

Berlin, Helsinki, WashingtonDonald Trump hat die Welt verändert – sagt Donald Trump. Das Eigenlob des US-Präsidenten kennt keine Grenzen. Im rechten TV-Sender Fox prahlt er im Gespräch mit seinem Lieblingsmoderator Sean Hannity: „Bis heute war das Verhältnis zu Russland schrecklich, ich würde sogar sagen, ein Albtraum – wir waren in einer gefährlichen Situation. Aber heute ist alles perfekt gelaufen.“

Das Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin als Erfolg für Amerika – mit dieser Sicht stand Trump allein. Der oft aggressive Amerikaner erwies sich in Helsinki als merkwürdig konfliktscheu. Von Klartext keine Spur.

In Russland hatte man befürchtet, Trump würde die Gelegenheit nutzen, um zur Attacke überzugehen. Entsprechend groß war die Erleichterung. Vor allem die Kritik des US-Präsidenten an der Haltung seiner eigenen Regierung gegenüber Russland wurde wohlwollend registriert. Wie das Treffen gelaufen sei, wurde Sergej Lawrow, der russische Außenminister, gefragt. „Fantastisch, mehr als super“, antwortete er.

Doch Triumphgeschrei gab es in Moskau nicht. „Man will Trump nicht schwächen“, sagte Maxim Sutschkow vom angesehen Rat für Außenpolitik. Wie die meisten Staatsmedien sah auch der Experte Putin als überlegen an: „In der Frage der nuklearen Nichtverbreitung hat Putin, wie auch in vielen anderen Bereichen, eine größere Kompetenz und Kenntnis der Details gezeigt“, so Sutschkow.

Das beste Ergebnis des Gipfels sei, dass wenig passiert sei, bilanzierte die Moskauer Analystin Lidia Schwezowa. Bei heftigen Anwürfen Trumps hätte Putin sonst wohl gegensteuern müssen und „seinen Glanz als Imperator verloren“.

Trump mache es bei Verhandlungen immer gleich, sagt Shlomo Weber, Rektor der Russischen Wirtschaftsschule: Am Ende „verkündet er den Sieg der Vereinigten Staaten, auch wenn es keine tatsächlichen Ergebnisse gab und alles nur auf den PR-Effekt beschränkt war“.

Den eigenen Leuten in den Rücken gefallen

Ganz anders die Reaktionen in den USA: Dort herrscht Empörung, weil Trump im goldverzierten Staatssaal im Palast des finnischen Präsidenten – vor Finnlands Unabhängigkeit Residenz des russischen Zaren – den eigenen Leuten in den Rücken fiel.

Die Schuld an den Spannungen zwischen beiden Ländern schrieb der US-Präsident vor allem den Amerikanern zu: „Ich glaube, die Vereinigten Staaten waren töricht. Wir waren alle töricht.“ Trump kaufte Putin sogar dessen Beteuerung ab, mit den Hackerattacken auf die demokratische Partei nichts zu tun zu haben.

Dass die US-Geheimdienste mit aller Vehemenz das Gegenteil versichern, dass sie es für erwiesen halten, dass Putin persönlich die Angriffe in Auftrag gab? Mag sein, gab Trump zurück. Aber: Putin habe alles abgestritten, „stark und kraftvoll“ sei sein Dementi gewesen.

Kurz: Der amerikanische Präsident glaubt dem Ex-KGB-Agenten Putin mehr als den eigenen Diensten. „Entweder Trump ist ein informeller Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes – oder er ist wirklich gut darin, im Fernsehen einen solchen zu mimen“, resümierte der Kolumnist Thomas Friedman in der „New York Times“.

In Moskau nimmt man die anhaltende US-Debatte um Trumps Kreml-Connection durchaus besorgt zur Kenntnis: Denn am Ende, glaubt Ökonom Weber, sei Trump eben doch „eine Bedrohung für Russlands Außenpolitik“. Wegen der immer offensichtlicher werdenden Verbindungen von Trumps Teammitgliedern zu russischen Oligarchen, Geheimdienstlern, Politikern und einfach zweifelhaften Persönlichkeiten „werden alle Aussagen und Handlungen Trumps zu Russlands Gunsten äußerst verdächtig aussehen“.

Kritik der eigenen Partei an Trump
Paul Ryan (Sprecher des Repräsentantenhauses)
1 von 4

„Es steht außer Frage, dass Russland versucht, die Demokratie hier und auf der ganzen Welt zu unterminieren.“

John McCain (Senator)
2 von 4

„Eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten.“

Bob Corker (Senator)
3 von 4

„Putin weiß, dass er gewonnen hat. Ich schätze, dass er gerade Kaviar isst.“

Neil Cavuto (Kommentator bei Fox News)
4 von 4

„Dies ist keine Frage von links oder rechts. Es ist einfach falsch.“

Diese Dynamik ist bereits in Gang: John McCain, Präsidentschaftskandidat von 2008 und ein über Parteigrenzen hinweg verehrter Kriegsheld, sprach von „einer der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten. Der durch Präsident Trumps Naivität, Egoismus und falsche Sympathie für Autokraten verursachte Schaden ist schwer zu beheben. Der Gipfel in Helsinki war ein tragischer Fehler.“ Trump habe Putin eine Plattform für Propaganda und Lügen gegeben.

Dennoch ist unwahrscheinlich, dass der Auftritt in Helsinki Trump politisch aus der Bahn wirft. Der Präsident hat schon oft Empörung ausgelöst – und bisher alle Kontroversen unbeschadet überstanden. Seine Zustimmungswerte verharren bei 40 Prozent. Das ist nicht gut, aber auch nicht katastrophal.

In Deutschland wird das Treffen als enttäuschend gewertet, selbst von Politikern, die sich für eine Politik der Entspannung gegenüber Moskau einsetzen: „Einmal mehr zeigte sich, dass der US-Präsident sich mit Autokraten um einiges besser versteht als mit seinen Bündnispartnern“, sagte der für Außenpolitik zuständige SPD-Vizefraktionschef Rolf Mützenich.

Es bleibe wenigstens zu „hoffen, dass die von Russland in Aussicht gestellten Vorschläge zur nuklearen Rüstungskontrolle Substanz haben“. Dann erst werde sich zeigen, ob die USA weiterhin bereit seien, europäische Sicherheitsinteressen in ihre Überlegungen einzubeziehen.

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