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Kuba Ein Jahr ohne Fidel Castro

Viele Kubaner konnten sich ein Leben ohne den Revolutionsführer nicht vorstellen. Viel verändert hat sich auf der sozialistischen Karibikinsel seit Castros Tod vor einem Jahr nicht. Die Reformen gehen nur langsam voran.
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Raul Castro tritt ab – mit Verzögerung

HavannaKein Denkmal erinnert an den berühmtesten Sohn Kubas. Keine Straße und kein Platz auf der sozialistischen Karibikinsel ist nach dem „Comandante en jefe“ benannt. Er selbst hat es so verfügt. Aber natürlich ist Fidel Castro auch ein Jahr nach seinem Tod am 25. November 2016 noch immer präsent in Kuba. In den Schulen werden seine Ideen gelehrt, viele seiner Sprüche gehören zum Allgemeingut. In zahlreichen öffentlichen Gebäuden hängen Fotos von ihm.

Für viele Kubaner war der Tod des legendären Revolutionsführers ein einschneidendes Erlebnis. „Ich war gerade auf der Straße unterwegs, als ich es hörte. Dann bin ich sofort nach Hause. In solchen Momenten ist man besser bei seiner Familie“, erinnert sich der Taxifahrer Osniel ein Jahr später.

Für die Menschen in Kuba hat sich durch den Tod Castros allerdings wenig verändert. „Aus den Regierungsgeschäften hatte sich Fidel Castro ja schon lange vor seinem Tod zurückgezogen. Aber er war immer eine Symbolfigur und hat das politische Geschehen kommentiert“, sagt die deutsche Politikwissenschaftlerin Susanne Gratius von der Madrider Universität UAM.

Das Leben und Wirken des „Comandante“
Wohlbehütet
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Fidel Castro wurde am 13. August 1926 oder 1927 geboren. Er ist der Sohn von Ángel Castro Argiz, einem reichen Zuckerrohrplantagenbesitzer, sowie dessen Hausköchin Lina Ruz González. Aufgrund der nichtehelichen Umstände wurde Fidel 1935 zunächst auf den Namen Fidel Hipólito Ruz González getauft. Sechs Jahr später ließ sich Fidels Vater von seiner ersten Ehefrau scheiden, woraufhin eine neue Taufbescheinigung mit dem Namen Fidel Ángel Castro Ruz ausgestellt wurde. Darin soll das Geburtsdatum gegen Bestechung auf den 13. August 1926 vordatiert worden sein, damit Fidel das Jesuitenkolleg in Havanna besuchen konnte. Nach der Heirat von Mutter Lina wurde der Name ein letztes Mal zu Fidel Alejandro Castro Ruz geändert – der bis heute gültige Name.

(Foto: AP)
Sportbegeistert
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Bereits in der Schule entwickelt der junge Fidel Castro ein besonderes Interesse für Sport. Seine Liebe speziell für den Baseball hielt ein Leben lang. So spielte er auch für die Universität von Havanna, wo er 1945 ein Jura-Studium aufnahm. Dort wird allerdings auch sein politischer Instinkt geweckt und er fällt in der Folge durch sein politisches Engagement auf. Er wurde Delegierter der Vereinigung der Jurastudenten und gründete einen Studentenausschuss gegen Rassendiskriminierung. Fünf Jahre später wurde Castro zum Doktor des Zivilrechts, eröffnete eine Rechtsanwaltskanzlei, die er allerdings nur bis 1953 glück- und erfolgslos führte.

(Foto: dpa)
Erster Putschversuch
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Noch während seiner Studienzeit schloss sich Castro der Orthodoxen Partei von Eduardo Chibás an. Mit dieser wollte Fidel im Juni 1952 bei den Parlamentswahlen antreten. Ein Staatsstreich, angeführt von General Fulgencio Batista, nur wenige Monate zuvor verhinderte jedoch Castros Vorhaben, da die Wahl abgesagt wurde. Fidel verklagte Batista unter anderem wegen Verfassungsbruchs, doch nachdem diese und alle sonstigen legalen Mittel abgewiesen wurden, stützte Castro sich auf das Widerstandsrecht aus der Verfassung von 1940. Er bereitete einen Angriff auf die Moncada-Kaserne vor, um dadurch einen Volksaufstand im Osten Kubas auszulösen und Batista zu stürzen. Die Aktion ging schief, viele Angreifer starben, Castro wurde festgenommen und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt – nach weniger als zwei Jahren kam er jedoch wieder frei.

(Foto: dpa)
Im Untergrund
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Nachdem Castro (im Bild oben, zweiter von rechts) die Orthodoxe Partei verließ, gründete er die Bewegung des 26. Juli (das Datum des ersten Aufstands). Zur militärischen Ausbildung gingen Fidel und seine Kämpfer 1955 nach Mexiko. Dort traf er unter anderem auf den Argentinier Ernesto „Che“ Guevara (oben, zweiter von links). Im Dezember 1956 gingen die kampfbereiten Revolutionäre wieder zurück nach Kuba.

(Foto: AFP)
An der Spitze
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Nach über zwei Jahren Guerillakampf flüchtete Diktator Batista am 1. Januar 1959 aus dem Land. Entgegen früherer Aussagen, nachdem Castro für sich persönlich keine Macht wolle, wurde er zunächst de facto neuer Regierungschef Kubas und übernahm im Februar 1959 auch formal das Amt des Ministerpräsidenten. Sein treuer Gefährte Che Guevara war auf dem Höhepunkt seiner politischen Aktivität in Kuba unter anderem Leiter der Nationalbank und Industrieminister. Mit dem früheren Batista-Regime macht Castro wiederum kurzen Prozess: Tausende werden hingerichtet, unzählige Personen landen ohne Gerichtsverfahren in Gefängnissen und Arbeitslagern.

(Foto: dpa)
Aufbau
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In der Folge baut Castro aber auch das Sozialsystem des Landes aus. Er sorgt für ausreichende Bildungsmöglichkeiten, lässt Wohnung für Arme bauen und erlässt eine kostenlose medizinische Grundversorgung. Dafür lässt sich der „Comandante“ natürlich feiern.

(Foto: dpa)
Gefeiert
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Auf Bildern, Plakaten und Hauswänden – egal, wo man in Kuba hinschaut, ist Castro zu sehen. Der Staatschef baut wie viele Diktatoren vor ihm einen Personenkult um sich auf. Er weiß auch die Medien für sich zu nutzen und lässt dort vor allem seine stundenlangen Reden senden.

(Foto: AP)

Zunächst gab es die Hoffnung, dass Präsident Raúl Castro aus dem Schatten seines Bruder heraustreten und den von ihm eingeleiteten Reformprozess zügiger vorantreiben würde. Das ist bislang nicht eingetreten. Die wirtschaftliche Öffnung geht nur zögerlich voran, von politischer Lockerung und gesellschaftlicher Liberalisierung kann keine Rede sein.

„Der Reformkurs liegt derzeit auf Eis. Angesichts der zögerlichen Annäherung an die USA lautete die Devise der kubanischen Regierung zunächst: keine Experimente“, sagt der Politikwissenschaftler Bert Hoffmann vom Giga-Institut. „Mit US-Präsident Donald Trump ist nun die Kalte-Krieg-Rhetorik zurückgekehrt. Das verleiht den konservativen Kräften in Kuba Aufwind.“

„Die Geschichte wird mich freisprechen“
1958
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„Ich bin kein Kommunist und bin auch nie einer gewesen. Wenn ich einer wäre, hätte ich den nötigen Mut, es zu verkünden.“

(Foto: dpa)
1961
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„Ich bin Marxist-Leninist und werde es bis zum letzten Tag meines Lebens bleiben.“

(Foto: AP)
1975
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„Ich war immer ein Bewunderer Christi, denn er war der erste Kommunist: Er hat Brote und Fische vervielfacht, und das wollen wir auch tun.“

(Foto: AFP)
1997
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„Egal wer fällt oder wer stirbt: Die kubanische Revolution wird nicht verschwinden.“

(Foto: AFP)
1. Mai 2003
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„Die Ideen, für die ich das ganze Leben gekämpft habe, können nicht sterben und werden lange leben.“

(Foto: dpa)
2. Juli 2006
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„Die kleinen Nachbarn im Norden sollten sich keine Sorgen machen. Ich habe nicht vor, das Amt bis zu meinem 100. Geburtstag auszuüben.“

(Foto: dpa)
Oktober 2012
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„Unglücksraben! Ich erinnere mich nicht mal daran, was Kopfschmerzen sind.“ Castro in einem am 22. Oktober 2012 erschienenen Artikel, in dem er persönlich Todesgerüchte dementiert.

(Foto: AFP)

Trump nahm Erleichterungen seines Vorgängers Barack Obama beim Tourismus zurück und untersagte Geschäfte mit den kubanischen Streitkräften, die einen großen Teil der Wirtschaft kontrollieren. Nach mysteriösen Akustikattacken auf Botschaftsmitarbeiter in Havanna zog Washington zahlreiche Diplomaten ab.

„Der große Verlierer ist Raúl Castro. Die Annäherung beider Nationen sollte sein Erbe sein“, schreibt die kubanische Dissidentin Yoani Sánchez in ihrem Blog „14ymedio“. „Das diplomatische Tauwetter zwischen Kuba und den USA ist vorbei. Beide Länder stellen die Uhren zurück auf die Zeit des Kalten Kriegs.“ Im Februar kommenden Jahres will Raúl Castro als Präsident zurücktreten. Das erste Mal seit fast 60 Jahren steht dann kein Castro mehr an der Spitze.

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