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Künftige EZB-Chefin Christine Lagarde will Draghis Kurs treu bleiben

Die 63-jährige Juristin hat zuletzt gezeigt, dass sie den geldpolitischen Kurs des EZB-Chefs fortführen wird. Doch das dürfte nicht leicht werden.
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Die künftige EZB-Chefin gilt als charismatische und erfahrene Führungskraft. Quelle: dpa
Christine Lagarde

Die künftige EZB-Chefin gilt als charismatische und erfahrene Führungskraft.

(Foto: dpa)

Frankfurt Kurz vor ihrer Nominierung zur Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frühsommer stattete Christine Lagarde der Notenbank in Frankfurt einen Besuch ab. Sie schneite, charmant lächelnd und nach allen Seiten Bekannte grüßend, bei einer Konferenz zu regionalen Fragen herein.

Bei ihrem Impulsreferat sagte sie viele kluge Dinge und bedachte den scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi mit freundschaftlichen Worten. Danach verschwand sie ebenso nach allen Seiten lächelnd sehr rasch wieder.

Diese Stippvisite war sozusagen der Besuch der neuen Grande Dame. Die Französin Lagarde, damals noch Chefin des Internationalen Währungsfonds, wusste vermutlich schon, dass sie vorne im Rennen um Draghis Nachfolge lag.

Lagarde wird als charismatische und erfahrene Führungskraft überwiegend als gute Wahl gefeiert. Die Tatsache, dass sie keine direkte Erfahrung in der Geldpolitik hat, wird hier und da allenfalls grummelnd geäußert. Von Anfang an begleitete sie die Erwartung, dass sie Draghis expansive Geldpolitik ab November fortführen wird.

Diese Erwartung hat die enge Freundin von Bundeskanzlerin Angela Merkel nun mit ihren Antworten auf Fragen des zuständigen Ausschusses im Europaparlament bestätigt: Die Untergrenze der Leitzinsen sei noch nicht erreicht. Ihre entscheidende Aussage hätte auch von Draghi stammen können: „Die EZB hat einen breit gefächerten Werkzeugkasten zur Verfügung und muss bereitstehen zu handeln.“

Im EZB-Rat geht es weniger harmonisch zu

Die 63-jährige Juristin erwartet eine schwierige Aufgabe. Denn die Zeit der Harmonie im EZB-Rat, der alle geldpolitischen Beschlüsse fasst, ist zu Ende. Bundesbank-Präsident Weidmann hat kürzlich seine Skepsis gegenüber neuen Käufen von Staatsanleihen deutlich gemacht.

Die Deutsche Sabine Lautenschläger, Mitglied des Direktoriums und damit auch des EZB-Rats, schloss sich ihm an. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der neue österreichische Notenbankchef Robert Holzmann ließen ebenfalls skeptische Töne hören.

Weidmann und Knot hatten sich selbst Hoffnungen gemacht, Draghi abzulösen, und sich daher mit kontroversen Äußerungen zurückgehalten – jetzt gibt es dafür keinen Grund mehr.

Diese Skepsis trifft auf eine Mehrheit im EZB-Rat, die auf Draghi-Linie bleiben dürfte. Und der hat noch einige Pflöcke eingeschlagen. Für die EZB-Sitzung im September kündigte er quasi ein Gesamtpaket an, das eine weitere Zinssenkung und neue Netto-Zukäufe von Zinspapieren umfassen dürfte.

Damit erspart er Lagarde, gleich zu Beginn ihrer Amtszeit einen Schwenk zu einer expansiveren Geldpolitik vollziehen zu müssen. Zurzeit liegt der entscheidende Zinssatz der EZB, zu dem Banken Geld bei ihr anlegen können, schon bei minus 0,4 Prozent. Anleihen kauft sie seit Jahresanfang netto nicht mehr zu, sondern ersetzt nur auslaufende Papiere durch neue.

Lagarde muss für Geschlossenheit sorgen

Aber nicht nur über den Weg der Geldpolitik gibt es verschiedene Meinungen, sondern auch über das genaue Ziel. Jahrelang galt als einvernehmliche Formel, die EZB wolle eine Inflation von „unter, aber nahe an“ zwei Prozent erreichen – zurzeit liegt die Preissteigerung deutlich darunter.

Draghi hat in den letzten Monaten diese Formulierung in seiner Kommunikation kurzweg aufgeweicht und von einem „symmetrischen Ziel“ gesprochen. Damit deutete er an, die EZB solle phasenweise auch mehr als zwei Prozent dulden. Zugleich forderten die Skeptiker in ihren jüngsten Äußerungen, eher weiterhin eine niedrige Inflation hinzunehmen.

Lagarde muss also, um nach außen Geschlossenheit zu demonstrieren, Meinungsverschiedenheiten bis in technische Details hinein überbrücken. Zugleich lasten hohe Erwartungen auf ihr. Weil sie früher französische Finanzministerin war, hoffen manche Investoren und Ökonomen, sie könne für mehr Abstimmung zwischen Geld- und Finanzpolitik in der Euro-Zone sorgen – dabei gibt es hier nicht einmal eine koordinierte Finanzpolitik.

Mehr: Europa stehen möglicherweise die schwierigsten Jahre seit dem Zweiten Weltkrieg bevor. Die EZB muss in dieser Situation ihr Mandat und ihre Instrumente anpassen.

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