Künftiger Ex-Präsident Obama Ruhelos im Ruhestand

Er ist 55 Jahre jung und schon in Rente: Langweilig dürfte es Barack Obama jedoch nicht werden, denn der scheidende Präsident hat einige Pläne. Zunächst braucht er laut eigenen Angaben aber erstmal eines: Schlaf.
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Die frühe Rente: Der scheidende Präsident hat sich nach seiner Amtszeit viele Aufgaben vorgenommen. Quelle: AP
Barack Obama

Die frühe Rente: Der scheidende Präsident hat sich nach seiner Amtszeit viele Aufgaben vorgenommen.

(Foto: AP)

WashingtonAuf Barack Obama warten nach dem bevorstehenden Ablauf seiner Amtszeit als US-Präsident eine Menge Aufgaben: der Aufbau einer Präsidentenbibliothek, das Auftreiben von Spendengeldern, das Engagement für wohltätige Zwecke und ein weiteres Buch, das er schreiben möchte. Und nicht zu vergessen ein Urlaub, den er seiner Frau Michelle versprochen hat. In einen echten Ruhestand verabschieden wird sich der 44. US-Präsident demnach nicht.

Das nächste Kapitel schlägt Obama am Freitag auf, wenn er zum Ex-Präsidenten wird. Ab dann kann er sich öffentlich freimütiger äußern als bisher, ist Herr über seine Termine und kann Geld verdienen. Wie aus seinem Umfeld verlautete, nahm er bereits Kontakt zu dem Hollywood-PR-Agenten Ari Emanuel auf. Dabei könnte es unter anderem um Engagements als Redner gegangen sein. Einer von Emanuels Brüdern ist Obamas früherer Stabschef und der jetzige Bürgermeister von Chicago, Rahm Emanuel. Ob es aber tatsächlich zu einer Zusammenarbeit mit Ari Emanuel kommt, ist unklar.

Mit 55 ist Obama noch äußerst jung für einen scheidenden Präsidenten. Er hat, ebenso wie seine Frau, ausgeschlossen, sich noch einmal um ein politisches Amt zu bewerben. Doch er hat in Aussicht gestellt, in der nationalen Debatte weiter aktiv zu bleiben. Viele Demokraten wünschen sich, dass er die Rolle eines Schattenpräsidenten übernimmt und jenen Amerikanern Halt gibt, die mit dem Wahlsieg von Donald Trump ihre politische Zuversicht verloren haben.

Obama hat erklärt, er habe viele Ideen, wie sich seine Partei erneuern könne. Doch nach acht Jahren als Präsident sehe er sich als Berater, der sich nicht in jedes Detail einmische. Er werde lediglich Ratschläge geben, „weil ich ein bisschen Schlaf brauche“, sagte Obama dem öffentlichen Rundfunksender NPR im Dezember. „Und ich habe Michelle einen netten Urlaub versprochen.“ Zudem seien seine beiden Töchter in einem Alter, in dem er die letzten Augenblicke genießen wolle, „bevor sie aus dem Haus sind“.

In den ersten Monaten nach Trumps Amtsantritt dürfte sich Obama öffentlich zurückhalten. Nach einer Zeit des Ausspannens mit seiner Frau und den Töchtern an einem nicht genannten Ort wird die Familie nach Washington zurückkehren, wo sie ein Anwesen im vornehmen Kalorama-Viertel gemietet hat.

Mr. President sagt Goodbye
Präsident der Schwarzen?
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Historischer Sieg: Als erster schwarzer US-Präsident geht Barack Hussein Obama nach seinem Wahlsieg im November 2008 in die Geschichtsbücher ein. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen, insbesondere der schwarzen, asiatischen und lateinamerikanischen Bevölkerung, an ihn. Nach acht Jahren ist die Bilanz gemischt: Viele Amerikaner sind unzufrieden, glauben, er hätte zu wenig getan. Andere wiederum verweisen darauf, dass Obama beispielsweise Strafrechtsreformen einleitete – mit mehr Gerechtigkeit für Minderheiten. Zumindest brachte Obama ethnische Vielfalt in sein Kabinett und stellte die ersten beiden afroamerikanischen Justizminister auf.

Vorzeigepaar im Weißen Haus
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Barack Obama und seine Ehefrau Michelle gelten als Vorzeigepaar der USA – nicht nur im Wahlkampf, sondern auch acht Jahre später halten die beiden fest zusammen und leben der ganzen Nation mit ihren gemeinsamen Töchtern Sasha und Malia ein Vorzeige-Familienmodell vor. Michelle Obama wird darüber hinaus als Stil-Ikone von internationalen Modedesignern gefeiert. Private Skandale und Affären? Fehlanzeige. Zumindest wird nichts öffentlich bekannt.

Durchbruch mit „Obamacare“
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Im Wahlkampf hatte sich Obama intensiv für die Gesundheitsreform eingesetzt, an der viele Präsidenten vor ihm scheiterten. Obamas Ziel war es, jedem US-Bürger bis 2013 eine Krankenversicherung („Obamacare“) zu ermöglichen – legendär wurde seine Unterschrift am 23. März 2010. Die umstrittene Krankenversicherung wurde zum 1. Oktober 2013 offiziell eingeführt. Mittlerweile sind nur noch neun Prozent der US-Amerikaner ohne Gesundheitsversorgung – zu Beginn von Obamas Amtszeit lag die Zahl der Nicht-Versicherten noch bei 15,4 Prozent.

Schandfleck Guantanamo
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Das Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba ist heftig umstritten – und gilt international als Schandfleck der USA. Obama versprach schon im Wahlkampf, das Lager zu schließen und verbot dem Geheimdienst CIA bereits am 23. Januar 2009 die Anwendung von Folter. Zudem ordnete er die Schließung aller Geheimgefängnisse sowie des Lagers Guantanamo an – doch gelungen ist ihm das bis heute nicht, was immer wieder zu heftigen Protesten vor dem Weißen Haus führt. Immerhin entließ er während seiner Amtszeit 185 Häftlinge, knapp 20 könnten in den kommenden Tagen noch folgen.

Mehr Rechte für Homosexuelle
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Obama setzte sich in seiner Amtszeit für die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben ein – mit Erfolg: Inzwischen sind gleichgeschlechtliche Ehen in allen 50 Staaten der USA zulässig. Als Obama 2009 antrat, hatten Homosexuelle nur in wenigen Staaten Rechtssicherheit. Im vergangenen Jahr entschied der Supreme Court in Washington als oberstes US-Gericht, das Verbot von Homo-Ehen aufzuheben.

Arbeitslosenquote halbiert
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Zu Beginn seiner Amtszeit und auf dem Höhepunkt der Finanzkrise lag die Zahl der US-Arbeitslosen bei 10,2 Prozent. Obama schaffte es, die Quote auf die Hälfte zu reduzieren: Zum Ende seiner Präsidentschaft liegt die Zahl nur noch bei 4,7 Prozent. Allerdings werfen ihm Kritiker vor, die Erholung dauere zu lange und die Bezahlung der Jobs halte nicht mit der Preisentwicklung Schritt.

Mehr Waffenopfer
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Etwa jeder dritte US-Amerikaner hat eine Schusswaffe bei sich im Haus – 2015 starben fast 10.000 Menschen durch Schüsse und ihre Folgen. Die Bilanz: Es gibt mehr Mordopfer als zu Beginn von Obamas Amtszeit. Und das, obwohl er den Missbrauch durch Waffen stark eindämmen wollte. Dieses Ziel hat er eindeutig verfehlt.

In der Vergangenheit lobte Obama seinen Vorgänger George W. Bush wiederholt dafür, dass dieser auf öffentliche Kommentare zu Entscheidungen seines Nachfolgers verzichtete. Obama behält sich nun aber das Recht vor, gegen mögliche Entscheidungen Trumps Stellung zu beziehen, die er als besonders verabscheuungswürdig betrachtet, wie ein Einwanderungsverbot für Muslime oder eine Massenabschiebung von Kindern, die illegal in die USA gekommen sind.

„Die Partei ist in einem schlechten Zustand, und es gibt noch keine offensichtlichen Sprecher für die Demokraten“, sagt Julian Zelizer, ein Präsidentenhistoriker an der Universität Princeton. „Wenn es jemanden gibt, der einem Präsidenten Trump die Stirn bieten kann, wird es der frühere Präsident Obama sein.“

Im nächsten Jahr erscheint sein Buch
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