Künftiger EZB-Chef Draghi warnt vor Pleite Griechenlands

Der künftige EZB-Chef Mario Draghi sieht auch bei einer teilweisen Zahlungsunfähigkeit des griechischen Staates die Gefahr einer Kettenreaktion. Eine Beteiligung der Banken an einer Umschuldung sei aber dennoch möglich.
Update: 14.06.2011 - 17:20 Uhr 18 Kommentare
Italiens Notenbankchef Mario Draghi (l.) folgt Jean-Claude Trichet in die Spitze der EZB - und vertritt auch inhaltlich die Positionen des Franzosen. Quelle: Reuters

Italiens Notenbankchef Mario Draghi (l.) folgt Jean-Claude Trichet in die Spitze der EZB - und vertritt auch inhaltlich die Positionen des Franzosen.

(Foto: Reuters)

Brüssel/FrankfurtEuropas Notenbanker versuchen den Spagat. Eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands müsse mit allen Mitteln verhindert werden, versichern sie. Aber eine Form der so genannten weichen Umschuldung sei dennoch möglich, wenn die Beteiligung der privaten Investoren völlig freiwillig sei, argumentieren die Notenbankchefs Italiens und Frankreichs.

So warnt Italiens Notenbankchef Mario Draghi, der designierte nächste Chef der EZB, vor einer gefährlichen Kettenreaktion als Folge einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. Wer die Möglichkeit einer kompletten oder teilweisen Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ins Kalkül ziehe, müsse bereit sein, nach einem solchen Ereignis noch mehr Geld bereitzustellen, warnte er in Brüssel bei einer Anhörung vor dem EU-Parlament. „Die Kosten würden den Nutzen klar überwiegen.“

Wieviel Geld ist nötig

Die umstrittene Beteiligung privater Gläubiger an einer Rettung Griechenlands schloss er aber nicht völlig aus, sondern bekräftigte die Forderung der EZB, eine solche Beteiligung müsse in jedem Fall freiwillig sein. Von den beiden derzeit diskutierten Alternativen - einer Art zweiter „Wiener Initiative“ nach dem Vorbild eines Bankenbündnisses 2008/09 oder einer Laufzeitverlängerung - könne er sich am ehesten mit der ersten Initiative anfreunden, sagte Draghi. Sie scheine ihm nämlich „komplett freiwillig“, während bei der anderen Idee nicht klar sei, ob sie am Ende doch nicht ganz so freiwillig erfolge. „Wir sollten Konzepte ausschließen, die nicht völlig freiwillig sind oder irgendein Element von Zwang beinhalten.“

Die Krise könne und müsse stattdessen durch harte finanzielle und strukturelle Formen überwunden werden. „Es gibt keine Abkürzung: die Antwort auf die Schuldenkrise muss zu allererst von den Regierungen gegeben werden.“ An die Adresse Griechenlands, aber auch der Euro-Länder gerichtet, sagte er: „Die Solidarität unter den Mitgliedsländern der Währungsunion muss sich mit der Bereitschaft zu Verantwortung und zum Befolgen der Regeln treffen.“

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18 Kommentare zu "Künftiger EZB-Chef: Draghi warnt vor Griechenland-Pleite"

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  • Griechenland hat von den 3 großen Ratingagenturen die richtige Bewertung erhalten!
    - Moody's = Caa1
    - S&P = CCC
    - Fitch = B+ mit negativen Ausblick

    Zitat:
    Was wäre, wenn die Schlagzeilen der Tageszeitungen den politischen Prozess nicht mehr nur beeinflussen, sondern automatisch bestimmen würden? Griechenland hätte vermutlich schon lange die Drachme wieder, weil der Bundestag gar keine Hilfskredite für Athen hätte genehmigen dürfen.
    Was auf politischer Ebene wie das Szenario eines Schauerromans klingt, ist in der Finanzwelt längst Realität. Das Urteil der großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch ist an den Märkten Gesetz.
    Die Ratingagenturen haben deutlich gemacht, dass Griechenland bei jeder Form der Laufzeitverlängerung mit einem D-Rating rechnen müsste. D steht für Default, Zahlungsverzug. Und nach den Regeln, die sich die EZB selbst gegeben hat, dürfte sie griechische Papiere dann nicht mehr als Sicherheiten akzeptieren.
    Zitat Ende:

    Die Eurokraten wollen nicht Griechenland retten, sondern sie wollen den Euro retten.
    Dafür stricken sie für Griechenland auch jedes Jahr ein neues "Rettungspaket". So wird es auch ein 3., 4., 5., ... 10. Rettungspaket geben.

  • Generationen von Griechen haben davon geträumt, einen Job bei der DEI oder einem der anderen Staatsbetriebe ergattern zu können. Und die Politiker haben diese Träume erfüllt. Wer einem Schulabgänger einen krisenfesten Job bei den Gas- oder Wasserwerken besorgte, konnte auf die Wählerstimmen der ganzen Großfamilie rechnen. Der Staat war in die Rolle eines Bittstellers geschlüpft. Beamte erhielten eine Prämie, wenn sie pünktlich zum Dienst erschienen. Auch bei Staatsbetrieben wie dem Mineralölkonzern Hellenic Petroleum wurde die Loyalität der Beschäftigten teuer erkauft, mit 18 Monatslöhnen im Jahr. Ein Nachtwächter verdient 72 000 Euro im Jahr. Und jeder Angestellte darf auf Firmenkosten fünf Tage im Jahr mit seiner ganzen Familie in einem Luxushotel verbringen. Bei der Stadtbahngesellschaft ISAP verbringen Triebwagenführer die Hälfte der Achtstundenschicht mit Pausen, ganz offiziell. Bei den Staatsbahnen OSE haben die freien Tage der Lokführer nicht 24, sondern 28 Stunden.
    Jeder vierte Erwerbstätige in Griechenland wird vom Staat bezahlt – also vom Steuerzahler. Weil die öffentlichen Bediensteten praktisch unkündbar sind, nach jedem Regierungswechsel aber neue Günstlinge mit Jobs versorgt werden müssen, wuchs das Heer der Staatsdiener immer weiter. So haben Politiker, Parteien und Gewerkschaften den Staat jahrzehntelang ausgeplündert. Jetzt sitzt das Land in der Schuldenfalle.
    Damals hatten Paraskevi Zoulia, Epaminondas Tsakali und Angeliki Papathanassopoulou nicht gestreikt und auch nicht demonstriert. Sie arbeiteten in der Marfin Egnatia Bank, als die Schaufenster ihrer Filiale in der Athener Stadiou-Straße mit Vorschlaghämmern zertrümmert und Molotowcocktails in den Kassenraum geworfen wurden. „Verbrennt die Banker“, johlte es von draußen, während die drei Angestellten in dem Gebäude starben.

  • Der geplünderte Staat:

    Freie Tage hatten 28 Stunden, und Urlaube im Luxushotel bezahlte der Fiskus. Staatsangestellte hatten in Griechenland viele Privilegien. Jetzt sind diese durch den Sparkurs bedroht, und Gewerkschafter Nikos Fotopoulos sagt: "Das werden wir nicht zulassen".
    „Billiger Strom – die DEI in Volkseigentum.“
    Aber die Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou will sich von 17 Prozent der Aktien trennen. Der geplante Verkauf ist Teil eines Privatisierungsprogramms, mit dem die Regierung bis 2015 rund 50 Milliarden Euro zu kassieren hofft. So sollen Staatsschulden abgetragen werden.

    Den Verdacht haben viele Griechen. 31,3 Millionen Euro hat die Gewerkschaft zwischen 1999 und 2008 als Zuwendungen von dem Unternehmen DEI erhalten. Teure Auslandsreisen der Gewerkschaftsführer, Suiten in Luxushotels, Schlemmereien in Gourmet-Restaurants, sogar Tankrechnungen für die Autos der Kinder wurden mit Firmengeldern bezahlt. Auf 100 Seiten hat der Generalinspekteur der griechischen Verwaltung solche Zahlungen akribisch aufgelistet. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

  • .
    Die geistige Horizont liegt genau da **
    alles nur eine Frage der Zeit !



    Gr,P,Ir,SP ** Be,It,Fr,Ge,NL...

    .

  • Zitat:
    Der Finanzminister hatte kürzlich in einem Brief seine Forderung nach einer Umschuldung Athens dargelegt. Aber die Ratingagenturen machten daraufhin klar, dass sie jede Art der Mithaftung - auch eine freiwillige - als Kreditausfall bewerten würden; mit potenziell verheerenden Folgen für andere Wackelkandidaten wie Irland, Portugal und am Ende womöglich Spanien.
    Zitat Ende:

    Die Eurostaaten haben ein Gesamthaftungsvolumen von 1.500Mrd Euro.
    Für Deutschland könnte das teuer werden, wenn die 4 Wackelkanditaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien ausfallen. Das könnte Deutschland bis zu 400Mrd Euro kosten.
    Und was hat die EZB in den letzten 4 Jahren gemacht?
    Sie hat die Importüberschüsse der 4 Krisenländer mit 300Mrd€ finanziert.

    Griechenland hat 2 Probleme:
    1. Es ist völlig überschuldet, kann seine Schulden nicht zurückzahlen. Da muß man ihm eben die Schulder erlassen.
    Entweder schenkt der Steuerzahler es ihm, oder die Gläuber, welche in der Vergangenheit gut an Griechenland verdient haben, verzichten.
    2. Griechenland ist nicht mehr wettbewerbsfähig.
    Griechenland hat sich in der Zeit des lockeren Kreditflusses einen Lebensstandard gegönnt, der gar nicht der Leistungsfähigkeit der Exportindustrie entspach.
    Sie müssen mit den Löhnen und Preisen wieder runter, dann geht es auch wieder aufwärts.
    Bei einer Staatsquote von 25% mit Löhnen und Gehälter jenseits der 3.000€; und das 14-16 mal im Monat, geht das nicht.

  • Zitat:
    In der Frage tobt ein Streit zwischen Deutschland auf der einen und der EZB, Frankreich und der EU-Kommission auf der anderen Seite. Während Deutschland private Gläubiger an den Kosten für weitere Hilfen auf jeden Fall beteiligen will, lehnt die Gegenseite dies ab, weil sie fürchtet, dass das Land dann in die Pleite schlittert.
    Zitat Ende:

    Sie fürchten vor allem um ihre Banken!
    Außerdem war Griechenland schon vor 1 Jahr pleite. Was jetzt folgt, ist nur eine Konkursverschleppung. Hier wird gutes Geld schlechtem hinterher geworfen.
    Die Mär, das es sich hier nur um Bürgschaften handelt, welche nie in Anspruch genommen werden, ist falsch. Griechenland kann seine Kredite schon heute nicht zurückzahlen; das Geld ist weg!!!

  • Begreift es doch, für den Papier muß keiner gerade stehen.

    Papier ist Papier.

  • Jede Gesund beterei hilft da nicht Bruno,
    jede ökonomische Schieflage glättet sich einmal wieder unweigerlich.

    1.Euer Geld haben eure Politiker und Banken unters Volk gebracht, es kann nur durch Drucken von neuem ersetzt werden, vor aller Welts Augen und mit den üblichen inflationären folgen.

    2.Euer demographisches Problem wird immer ernster.

    3.Die Welt holt euren industriellen Vorsprung imm er weiter auf.

    5.Es gibt keinen Zusammenhalt in eurer Gesellschaft, bis tief in eure Familien.



    Die ökonomische Schieflage wird sich nicht nur wieder gerade biegen, nein, ab dem Nullpunkt wird sie in eurem Fall sich in die andere Richtung anfangen zu biegen.

  • Der Euro ist eine politisches Vorhaben und kein Spekulationsobjekt für trader.

    Leider hat Finanzindustrie (gerade die U.S.-amerikanische) hier ein Süppchen am kochen.



  • Ich fordere eine Volksbefragung über die Griechenlandhilfe!
    Es ist schließlich das Geld des Volkes und nicht der Politiker, welches hier verschenkt wird. Die Politiker entscheiden hier über die Köpfe der Bürger und das darf nicht sein. Und wenn Griechenland kein Geld mehr bekommt, dann geht es eben pleite und kann einen Neubeginn machen. Es steigt aus dem Euro aus, führt die Drachme wieder ein und wertert diese kräftig ab.

    Zitat:
    Denn im Falle eines Schuldenschnitts könne die EZB die Staatsanleihen Athens nicht länger als Sicherheit akzeptieren, um den griechischen Banken Refinanzierungskredite zu gewähren. Aus diesem Grund sei die EZB strikt gegen eine Restrukturierung.
    Dieses Szenario ließe sich aber umgehen. "Sollten neue griechische Staatsanleihen (nach einer Restrukturierung. d. Red.) mit einer Garantie einer anerkannten internationalen Institution versehen werden, könnte die EZB diese weiter als Anleihen hoher Qualität ansehen", sagte Noyer, und damit als Sicherheit zur Refinanzierung akzeptieren. Als Garant käme der Euro-Rettungsfonds FESF oder der geplante Europäische Stabilisierungsmechanismus in Frage, der den FESF 2013 ablösen soll.
    Zitat Ende:

    Hier wird doch schon wieder gemogelt!
    Seit wann sind Schrottpapiere von hoher Qualität?
    Ach ja, ich vergaß! Dafür steht ja der Steuerzahler ein!
    Insbesonders der Deutsche, welcher nicht gegrag wurde.

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