Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Künstliche Intelligenz EU-Parlament will Überregulierung von KI verhindern

Brüssel arbeitet an einem umfassendem Regelwerk für die KI. Europaabgeordnete fordern mehr Tempo, Geld und Pragmatismus im Technologie-Wettbewerb mit den USA und China.
19.10.2020 - 07:18 Uhr Kommentieren
Europa braucht dringend eine Strategie zur Künstlichen Intelligenz. Quelle: dpa
Hochleistungscomputer

Europa braucht dringend eine Strategie zur Künstlichen Intelligenz.

(Foto: dpa)

Brüssel Künstliche Intelligenz (KI) soll künftig Autos lenken, Kredite vergeben und den Einsatz von Maschinen steuern. Europa braucht dringend eine Strategie zur Zukunftstechnologie. Nach dem Willen des Europaparlaments soll die EU-Kommission schleunigst eine Gesetzesinitiative entwickeln, die zwar ethische Prinzipien bei der industriellen Anwendung von KI berücksichtigt, aber gleichzeitig auch eine Überregulierung verhindern soll, sodass es für Start-ups und Konzerne gleichermaßen eine größere Rechtssicherheit gibt.

„Wir dürfen nicht den Fehler machen, den neu aufstrebenden KI-Sektor in Europa im Keim zu ersticken, weil wir alles bis ins letzte Detail regeln wollen. Neue Technologien und Erfindungen brauchen Luft und Freiheit, um sich entwickeln zu können“, sagte Nicola Beer (FDP), Vizepräsidentin des Europaparlaments, dem Handelsblatt. „Wir brauchen dringend eine Roadmap, die eine Überregulierung vermeidet“, verlangte auch der Europaabgeordnete und Digitalexperte Axel Voss (CDU) in Brüssel.

Bereits an diesem Montagnachmittag will das Europäische Parlament über das komplizierte Thema KI diskutieren. Am Dienstag werden drei Abstimmungen in der EU-Vertretung stattfinden, zu ethischen Aspekten, geistigen Eigentumsrechten und zur Haftungsproblematik. „Wir wollen, dass KI in Europa den Menschen in den Mittelpunkt stellt und jederzeit transparent und nachvollziehbar ist“, sagt EU-Digitalpolitiker Tiemo Wölken (SPD) auf Anfrage.

Digitalpolitiker fordern künftig ein Haftungssystem für Hochrisiko-KI-Systeme. „Im Rahmen eines risikobasierten Ansatzes sollen risikoreiche KI-Anwendungen wie beispielsweise in der Medizin oder Software, die zur Überwachung genutzt werden kann, vorab auf ihre Sicherheit geprüft werden“, erklärte Beer.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Gesetz zur Förderung der KI

    Den Europaabgeordneten geht es darum, schon im Vorfeld der geplanten KI-Gesetzesinitiative Einfluss zu nehmen. Ein erster Bericht des Europaparlaments soll bis März vorliegen. Die Arbeiten bauen auf dem Weißbuch der EU-Kommission auf, das bereits im Februar vorgestellt wurde.

    Auf die Ideensammlungen gab es rund 1200 Reaktionen. Die EU-Exekutive hat für das nächst Jahre ein Gesetz zur Förderung der Künstlichen Intelligenz angekündigt. Dabei geht es um einen Ausgleich zwischen den ethischen Grenzen und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten, betonte ein Kommissionssprecher.

    „Algorithmen dürfen keine Blackbox sein, und es muss klare Regeln geben für den Fall, dass etwas schiefgeht“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuletzt im Europäischen Parlament. Egal ob beim Präzisionsanbau in der Landwirtschaft oder beim autonomen Fahren und bei medizinischen Prognosen – die KI-Welt brauche ein Regelwerk, das den Menschen in den Mittelpunkt stelle.

    Dazu gehöre die Kontrolle über die persönlichen Daten. „Europa hat alles, was es braucht, um bei Systemen der Künstlichen Intelligenz, die sicher genutzt und angewendet werden können, weltweit führend zu werden“, heißt es seitens der Kommission.

    Sie verfolge einen Ansatz zwischen Vertrauen in die Künstliche Intelligenz und Anreizen für die Wirtschaft. In der EU-Kommission befassen sich die dänische EU-Vizepräsidentin Margrethe Vestager und der französische Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton mit der Thematik KI.

    Es geht um sehr viel Geld. Nach Schätzungen aus dem Europaparlament hinkt Europa bei den privaten Investitionen in KI immer noch hinter den Vereinigten Staaten und China her. Die EU-Kommission strebt an, künftig 20 Milliarden Euro jährlich in KI fließen zu lassen.

    Sie baut dabei auf öffentlich-private Partnerschaften. Im EU-Budget ist bislang jährlich rund eine Milliarde Euro für KI-Forschung im Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) zwischen 2021 und 2027 vorgesehen. Mit europäischen Programmen wie Horizon oder Digital Europe sollen Forschung und Entwicklung angestoßen werden.

    „KI ist für uns ökonomisch überlebenswichtig“

    EU-Digitalpolitikern sind die bisherigen Anstrengungen zu gering. „Europa hat in Sachen Künstlicher Intelligenz aufzuholen“, sagte der Europaabgeordnete Tiemo Wölken dem Handelsblatt und verweist auf den Vorsprung Chinas und des Silicon Valleys .„Wir sind viel zu lahm und den amerikanischen Tech-Giganten unterlegen“, warnt auch Digitalexperte Voss.

    „KI ist für uns ökonomisch überlebenswichtig. Wir als Gesetzgeber müssen in der Geschwindigkeit zulegen.“ Die konservative EVP-Fraktion – die größte Gruppe im Europäischen Parlament – will durch klare Regelungen KI-Entwicklungen in Europa beschleunigen. Voss ist insbesondere um den deutschen Standort besorgt, welcher im internationalen Wettbewerb mit den USA und China zurückgefallen sei.

    In der deutschen Industrie wird unterdessen befürchtet, dass neue gesetzliche Vorgaben aus Brüssel zu eng ausfallen werden. Das aktuelle Weißbuch der EU-Kommission vermittle teilweise den Eindruck, „dass Vertrauen in KI nur durch eine Regulierung und Zertifizierung erreicht werden kann“, hieß es zuletzt aus dem Siemens-Konzern.

    Die Arbeit an einem gesetzlichen Rahmen für Künstliche Intelligenz ist im Detail alles andere als einfach. „Wir brauchen einen Ausgleich zwischen Sicherheit, Innovation und Privatsphäre“, fordert Voss. Vernetzte Produkte mithilfe von KI spielen sowohl im Alltagsleben als auch bei Finanzgeschäften eine immer größer werdende Rolle.

    Ziel ist nicht nur, die Haftungsregeln für KI-Produkte anzupassen, sondern auch die Regeln zum Schutz des geistigen Eigentums. „Der Einsatz von KI ist nur dann unbedenklich, wenn Vertrauen herrscht und ein informierter und mündiger Umgang mit diesen Technologien möglich ist. Ein klarer Rechtsrahmen sorgt für dieses Vertrauen und schützt auch die Investitionen von Unternehmen“, sagte Europaabgeordneter Wölken vor den Beratungen am Montag.

    „Wir müssen durch eine Weiterentwicklung des Datenrechts bessere Rahmenbedingungen für KI schaffen“, fordert Beer. Die Auswertung großer Datenmengen biete große Chancen beispielsweise im Kampf gegen Krankheiten oder im effizienteren Umgang mit Ressourcen.

    Auch auf nationaler Ebene wird intensiv an einer KI-Strategie gefeilt. Eine Enquetekommission des Deutschen Bundestags arbeitet bereits seit Herbst 2018 daran. Annähernd tausend Seiten soll der Abschlussbericht des Expertengremiums umfassen, der für Ende Oktober geplant ist.

    Vom IT-Branchenverband BDI über den Bundesverband Deutsche Start-ups bis zum Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnen Verbände unterdessen vor einer Überregulierung der neuen Technologie.

    Mehr: EU ruft zur digitalen Aufholjagd auf – Kritiker vermissen den großen Wurf.

    Startseite
    Mehr zu: Künstliche Intelligenz - EU-Parlament will Überregulierung von KI verhindern
    0 Kommentare zu "Künstliche Intelligenz: EU-Parlament will Überregulierung von KI verhindern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%