Lagarde versus Merkel Die Quälgeister aus Washington

Der Internationale Währungsfonds pocht zu Recht auf Reformen in Griechenland und einen Schuldenverzicht der Europäer – entgegen der Absicht von Kanzlerin Angela Merkel. Dem Hilfsprogramm kann diese Strenge nur gut tun.
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Angela Merkel hat mehrfach betont, den IWF bei der Griechenland-Rettung zwingend im Boot haben zu wollen – doch dessen Forderung nach einem Schuldenschnitt lehnt sie radikal ab. Quelle: ap
Dilemma

Angela Merkel hat mehrfach betont, den IWF bei der Griechenland-Rettung zwingend im Boot haben zu wollen – doch dessen Forderung nach einem Schuldenschnitt lehnt sie radikal ab.

(Foto: ap)

BerlinEs war Angela Merkel (CDU) selbst, die bei Beginn der Griechenland-Rettung im Frühjahr 2010 darauf bestand, den Internationalen Währungsfonds (IWF) an Bord zu holen. Gut möglich, dass die Kanzlerin das fünf Jahre später bereut. Denn aus Sicht der Europäer wird IWF-Chefin Christine Lagarde immer mehr zum Quälgeist.

Lagarde und ihre Experten bestehen nicht nur darauf, dass der griechische Premier Alexis Tsipras sich zu tiefgreifenden Reformen durchringt und diese auch verabschiedet. Sie fordert von den Europäern ebenfalls, ihren Teil zur Rettung Griechenlands beizutragen. Die Schulden müssten auf ein tragfähiges Niveau gesenkt werden, lautet die Ansage aus Washington. Das klingt harmloser als es ist.

Der IWF verlangt von den Euro-Staaten, dass sie auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten. Sie sollen zumindest ihre bisher gewährten und künftig noch zu zahlenden Hilfskredite kräftig strecken. Ein Stundungszeitraum von 30 Jahren ist mittlerweile im Gespräch. Solange müsste Athen keine Zinsen zahlen und nicht tilgen. De facto ist das ein Schuldenschnitt. Allerdings ein kaschierter. Das würde es Merkel leichter machen, den Bundestagsabgeordneten und der deutschen Öffentlichkeit dieses Zugeständnis zu verkaufen. Mittlerweile lassen die IWF-Leute allerdings auch durchblicken, dass man möglicherweise einen echten Schuldenerlass braucht. Für Merkel ein No-Go.

Während sich die deutsche Politik über die Härte des IWF gegenüber der griechischen Regierung gar nicht genug freuen kann, stößt die Unnachgiebigkeit des Währungsfonds beim Schuldenverzicht auf Kritik. Natürlich kann man dem IWF vorwerfen, dass seine Forderungen wohlfeil sind. Schließlich würde er selbst nie Schulden erlassen. Er sieht sich in der Rangordnung der Gläubiger ganz oben. Das gilt weltweit, in Asien, Südamerika, Afrika. Und für den vergleichsweise reichen Euro-Staat Griechenland wird der IWF logischerweise keine Ausnahme machen.

Trotzdem bleibt es richtig, dass der IWF weiterhin darauf drängt, die griechischen Schulden auf ein tragbares Niveau zu senken. Der Währungsfonds ist ein wichtiges Korrektiv. Die Europäer tendieren seit Beginn der Euro-Rettung dazu, die Probleme in die Zukunft zu verschieben. Reicht das Geld im Rettungspaket nicht aus?

Dann rechnet man sich einfach einige Milliarden Euro Privatisierungserlöse hinzu. So läuft es derzeit wieder. Bis zu 50 Milliarden Euro soll ein Treuhandfonds bringen. Der IWF hingegen fürchtet, dass bis 2022 gerade mal vier Milliarden Euro zusammenkommen könnten.

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26 Kommentare zu "Lagarde versus Merkel: Die Quälgeister aus Washington"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Herr Louis Stringaro@
    Genau, Widerstand ist zwecklos, sie werden assimiliert.

  • Merkel macht alles was Draghi ihr befiehlt - im Auftrag von Goldman Sachs.

    So einfach ist das. LEIDER LEIDER !!!

  • Nichts wird geschehen. Angela wird sich fügen, einen Schuldenschnitt hinnehmen. Bei den nächsten Wahlen wird der deutsche Michel wieder schön brav, CDU/SPD wählen und deutsche Steuergelder fliessen schön munter weiter nach Griechenland, auch wenn sie nicht zurückgezahlt werden. Der deutsche Depp wird ja ga nicht danach gefragt. Seine Meinung ist ja nichrs wert. Wie sagt man? Vox Populi, Vox Rindvieh.

  • Der EURO ist eine "Unterdrücker-Währung" mit kurzzeitigem "Rausch-Faktor" als Medien-Euphorie.

    Wenn die Griechen diesen Rausch nicht mehr mögen müssen sie aussteigen.

    "Geniessen darf" nur, wer sich dann willenlos hingibt".

    ---

    FAZIT: "Herr Tsipras - der Pralienenkasten ist leer - wenn ihr mehr EURO wollt dann nur als "EU-VASALL AUF EWIG !!!!".

  • seine Zukunft gestalten kann man in den USA, wenn man reich ist oder gut verdient. Fragen Sie mal die vielen armen Teufel, die 2-3 Jobs zum Leben brauchen, arbeitslos oder krank sind. Da wird man höchstens gestaltet.

  • Die Dame aus Frankreich auf dem Bild macht mir schon einen sehr dominanten Eindruck.

  • wir machen also einen Schuldenschnitt, weil Griechenland seine Schulden nicht zahlen kann und geben ihm danach großzügig neue Kredite? Noch blöder kann man sich ja wohl nicht verhalten. Das neue geplante Reformpaket widerspricht schon den Vorgaben des ESM. Wohl erst recht, wenn ein Schuldenschnitt durchgeführt wird, der auch nach EU-Recht nicht zulässig ist. Es wird auch genaus so wenig funktionieren, wie die bisherigen. Natürlich können wir auf die bisherigen Kredite verzichten, die sehen wir sowieso nie wieder. Aber es darf kein neues Geld geben. Die von der EU vergebenen Gelder müssen in sinnvolle Investitionen gesteckt werden. Griechenland sollte aus dem Euro austreten und endlich staatliche Rahmenbedingungen für eine florierende Wirtschaft einführen. Da Abgeordnete der Oposition den Gesetzesvorlagen zugestimmt haben, kann man annehmen, dass einige doch langsam aufwachen. Vielleicht wäre ja eine Übergangsregierung mit allen reformbereiten Kräften das Vernünftige, um Griechenland zu retten. Das können wir ja dann unterstützen, ohne IWF und ohne diese Dampfplauderer in Kommission und Parlament.

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