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„Lage ist desolat“ Mehr als 1000 Menschen im Mittelmeer gerettet

1000 Flüchtlinge sind am Wochenende von Booten im Mittelmeer gerettet worden. Vier Menschen kamen ums Leben.
Update: 10.06.2018 - 16:47 Uhr Kommentieren
Jährlich versuchen Zehntausende von Nordafrika aus über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Quelle: dpa
Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer

Jährlich versuchen Zehntausende von Nordafrika aus über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen.

(Foto: dpa)

Rom Mehr als 1000 Menschen sind am Wochenende von seeuntauglichen Booten im Mittelmeer gerettet worden. Die Migranten waren auf der zentralen Route zwischen Libyen und Italien sowie im Westen zwischen Marokko und Spanien unterwegs. Die spanischen Retter bargen vier Leichen. Private Retter beklagten unterdessen verstärkten Druck der italienischen Behörden und Verzögerungen bei den Rettungseinsätzen

Das Rettungsschiff „Aquarius“ der Organisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen nahm 629 Migranten an Bord. Sie waren in sechs verschiedenen Einsätzen teilweise in der Nacht von Samstag auf Sonntag gerettet worden. Die Evakuierung zweier Schlauchboote sei besonders kritisch gewesen: Als eines der Boote kaputtging, fielen mehr als 40 Menschen ins Wasser, wie Ärzte ohne Grenzen am Sonntag auf Twitter mitteilte.

Nach der Rettung von 229 Menschen nahm die „Aquarius“ 400 weitere mit an Bord, die zuvor von der italienischen Marine, der Küstenwache sowie von Handelsschiffen gerettet worden waren. Ärzte ohne Grenzen sprach von einer „extrem stressigen Nacht“. Unter den Geretteten seien 123 unbegleitete Minderjährige, elf Kinder und sieben Schwangere.

Entdeckt wurden die Menschen in Seenot teilweise von der französischen Hilfsorganisation Pilotes Volontaires, die seit kurzem Aufklärungsflüge über dem Mittelmeer fliegt. Die Migranten hätten den Piloten Handzeichen gegeben, als sie das Flugzeug entdeckten, teilte die Organisation auf Facebook mit.

Die libysche Küstenwache berichtete, am Samstag 152 Migranten auf zwei Booten vor der westlichen Küsten des Landes abgefangen zu haben. Unter den Aufgegriffenen seien vor allem Männer, aber auch 19 Frauen und drei Kinder gewesen. Diese kämen aus einer Reihe von Ländern südlich der Sahara sowie aus Algerien und Tunesien.

Der Westen des chaotischen Bürgerkriegslandes Libyen ist bereits seit Jahren Startpunkt vieler Flüchtlinge auf ihrem Weg Richtung Italien. In dem tief gespaltenen Land herrscht in vielen Regionen Anarchie.

Doch die Flucht nach Europa wagten Flüchtlinge auch über die westliche Route des Mittelmeers. Die spanischen Seerettungskräfte brachten am Wochenende rund 300 Menschen in Sicherheit, darunter mehrere Kinder, die auf acht Booten unterwegs waren. In einem Boot im Alborán-Meer wurden vier Leichen gefunden.

Die deutsche Organisation Sea-Watch beklagte unterdessen das Vorgehen der italienischen Behörden. Die standardmäßige Vernehmung des Kapitäns bei der Ankunft am Samstag in Reggio Calabria habe länger gedauert als sonst und Journalisten an Bord hätten Videomaterial aushändigen müssen, was zu Verzögerungen bei der Rückkehr in die Rettungszone geführt habe. „Das Level des Drucks ist gestiegen“, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer. „Aber die Lage im Mittelmeer ist desolat. Es sind zu wenig Einsatzkräfte unterwegs.“

Seit Monaten kommen deutlich weniger Migranten in Italien an - der neue italienische Innenminister Matteo Salvini will die Ankünfte weiter reduzieren. Am Freitag hatte er den Druck auf Malta erhöht und gesagt, das Land könne nicht weiter Nein zu jedem Hilfegesuch sagen. Nach Malta werden seit einer Absprache zwischen der dortigen Regierung und Rom 2014 so gut wie keine Geretteten mehr gebracht..

  • dpa
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