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Larry Summers zu Grexit und Brexit „Wir würden alle verlieren“

Grexit, Brexit, Spardiktat: Der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers erklärt im Interview, wieso weder Griechenland noch Großbritannien Europa den Rücken kehren sollten. Schäubles Sparpolitik greift er scharf an.
7 Kommentare
Der Ex-US-Finanzminister fordert die Fed auf, die Zinsen so lange nicht erhöhen, „bis sie das Weiße im Auge der Inflation erkennen kann“. Quelle: Reuters
Larry Summers

Der Ex-US-Finanzminister fordert die Fed auf, die Zinsen so lange nicht erhöhen, „bis sie das Weiße im Auge der Inflation erkennen kann“.

(Foto: Reuters)

Berlin Auch Weltökonomen brauchen mal eine Atempause. Und so genießt der Ex-Chefökonom der Weltbank, Larry Summers, das Frühstück mit Blick auf den Wannsee in der American Academy in Berlin. Anfang der Woche hatte der ehemalige US-Finanzminister noch die europäischen Notenbanker bei der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra bestärkt, mit der unkonventionellen Geldvermehrung weiterzumachen. Danach jettete er zum Treffen der G7-Finanzminister nach Dresden, um mit den Kassenwärtern der sieben wichtigsten Industrieländer über die richtige Balance zwischen Sparen und Wachstum zu streiten. In Berlin traf er sich mit einer kleinen Runde von Journalisten zu Croissants und Müsli.

Herr Summers, der britische Premierminister David Cameron reist gerade durch die europäischen Hauptstädte, um für sein Land einen neuen Deal mit Europa auszuhandeln. Braucht Europa die Briten überhaupt?
Bei einem sogenannten Brexit, also dem Austritt Großbritanniens aus der EU, würden alle verlieren: die Briten, die anderen Europäer und auch wir Amerikaner.

Warum?
Die Briten wären politisch isoliert, Europa verlöre den konstruktiven marktwirtschaftlichen Einfluss Londons und Amerika hätte eine wichtige Brücke zum alten Kontinent weniger.

Das Gleiche lässt sich über Griechenland so nicht sagen. Halten Sie einen Grexit für möglich?
Ich hoffe, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt, aber ich bin mir nicht sicher. Beide Seiten, haben ein fundamentales Interesse daran. Ein Austritt würde keines der gravierenden ökonomischen Probleme Griechenlands lösen. Und für Europa wäre ein Grexit ein schwer zu kalkulierendes Risiko.

Sie kommen vom G7-Finanzministertreffen aus Dresden. Haben Sie Herrn Schäuble davon überzeugt, dass seine wachstumsorientierte Sparpolitik kontraproduktiv ist?
Ich denke nicht, dass eine wachstumsorientierte Konsolidierungspolitik viel mit unserer heutigen Realität zu tun hat. Wirtschaftswachstum lässt sich nur unter ganz bestimmten Bedingungen durch eine finanzielle Konsolidierung steigern. Das ist eine Doktrin, die nur zu einer bestimmten Zeit an ausgewählten Orten wirkt. Sie macht dagegen am wenigsten Sinn, wenn die Zinsen mittel- und langfristig sehr niedrig sind. Oder wenn der Staatshaushalt sofort und unmittelbar gekürzt wird. Oder wenn die Kapazitäten unausgelastet sind und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage schwach ist. Oder wenn der Privatsektor unter einem Schuldenberg leidet.

Gilt das auch für Griechenland?
Griechenland braucht sicher eine fiskalpolitische Konsolidierung. Aber zu behaupten, damit allein könne man das Wachstum steigern, ist sehr irreführend.

Wenn Sie eine Reform des Weltfinanzsystems vorschlagen könnten, wie sehe die aus?
Wir brauchen höhere Standards für die sogenannten Schattenbanken, also Finanzinstitute, die nicht unter die Bankenregulierung fallen. Dort gibt es immer noch zu viele Hintertüren, um der Regulierung auszuweichen.

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7 Kommentare zu "Larry Summers zu Grexit und Brexit: „Wir würden alle verlieren“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Schäubles Sparpolitik greift er scharf an. "

    Natürlich ist Sparen bööööhse. Leute, die ordentlich wirtschaften, sind Staatsfeinde.

    Wir drucken einfach immer mehr Geld - pardon: tippen immer mehr Geld in die Rechner der Notenbanken ein - und alles wird gut.

    (/Sarkasmus aus)



  • @Annette Bollmohr

    Volle Zustimmung (zu diesem und dem verlinkten Kommentar)

  • Mr. Summers soll sich um die Finanzen der USA kümmern. Was wir in Europa machen geht ihn nichts an. Klar hat unser Verhalten Auswirkungen auf die USA - aber damit werden sie leben müssen!

    Die Welt dreht sich um die Sonne und nicht um die USA.

  • Erklären sie mal einer amerikanischen Frau, was sparen ist?

  • ...immer diese bescheuerten alternativlos-Prognosen. Wegen einem Land, das sich mit aller Gewalt selber ins Verderben stürzt, soll die ganze Gemeinschaft bedroht sein??????
    Dann ist ja wohl die ganze Euro-Idee eine Farce. Wenn eine Volkswirtschaft nach der anderen (und es werden weitere folgen) von den jeweils stärksten anderen "gerettet" werden muß, braucht man nur die simplen Grundrechenarten anwenden, bis dann z.B. die Rupie eingeführt wird.

  • zitat: "wieso weder Griechenland noch Großbritannien die Euro-Zone verlassen sollten"

    Mann, Mann, Mann... wer darf bei Euch eigentlich (Headlines) schreiben????

  • "(...) Krankenhäusern gehen die Spritzen aus. Athen kratzt das letzte Geld für die internationalen Gläubiger zusammen – mit fatalen Folgen."

    Dass die abstrakten Strukturen des globalen Wirtschaftsgeschehens mit der ganz konkreten Lebenswirklichkeit der Menschen kaum noch kompatibel sind wird schon daran deutlich, dass sich selbst die Wirtschaftswissenschaftler (wie jetzt beim G7-Gipfel) über deren Funktionieren und den richtigen Weg, den Bedürfnissen aller Menschen gerecht zu werden streiten.

    Feststehen dürfte jedenfalls, dass die Misere auf das Versagen der Politik bzw. die Verantwortungslosigkeit politischer Mandatsträger zurückzuführen ist.

    So gesehen, gibt es m.E. keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich daran (der aktuellen politischen Malaise in Europa im allgemeinen und in Griechenland im besonderen) auch nur das Geringste ändern wird, wenn die Verantwortlichkeiten wie bisher auf viel zu Wenige, die auch noch politischen Zwängen unterliegen verteilt bleiben, sprich: das ganze System nicht grundlegend überholt wird.

    Das wirklich Schlimme an der ganzen Sache ist, dass unter den Konsequenzen des politischen Versagens Einiger immer noch fast immer diejenigen am meisten zu leiden haben, die dafür am wenigsten verantwortlich gemacht werden können (weil sie keine wirkliche Chance haben, Einfluss auf das politische Geschehen zu nehmen).

    Bezüglich der akuten Notlage, in der sich viele Bürger - nicht nur in Griechenland! - aufgrund der derzeitigen Situation oft völlig unverschuldet befinden, würde ich gerne nochmal auf einen früheren Kommentar von mir hinweisen:

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/altersvorsorge-sparen/banksparplaene-im-vergleich-wie-putin-deutsche-sparer-lockt/v_detail_tab_comments/11080320.html