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Olly Robbins

Der 43-Jährige verhandelt den EU-Ausstieg für die Premierministerin.

Last-Minute-Abstimmung Britischer Chefunterhändler plaudert in Hotelbar über Mays mögliche Brexit-Strategie

Olly Robbins hat in einer Bar so laut über vermeintliche Details über die Brexit-Entscheidung geplaudert, dass Journalisten es mitbekamen. Das könnte Absicht gewesen sein.
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Düsseldorf„Drinking Up time?“ titelt die britische Zeitung „Guardian“ an diesem Mittwoch. Zeit zum Austrinken, so ließe sich das übersetzen. Gemeint ist die kurze Zeit, die Gästen im Pub bleibt, um ihr Glas zu leeren, bevor es schließt. Die Zeit wird für die Briten tatsächlich knapp: Es geht – natürlich wieder einmal – um das Thema der Stunde in Großbritannien, den Brexit.

Und es geht um Olly Robbins, den Brexit-Chefunterhändler der britischen Regierung. Der 43-Jährige soll am Dienstag in einer Hotelbar in Brüssel die Verzögerungstaktik der Premierministerin enthüllt haben und dabei belauscht worden sein, berichten an diesem Mittwoch britische Medien. Zu den Lauschern gehörte zum Beispiel Angus Walker, Korrespondent des TV-Senders ITV – und der hielt das Gehörte nicht für sich.

In einer Bar soll Robbins bei einem Drink demnach erzählt haben, er erwarte, dass es in der letzten Märzwoche zu einer Last-Minute-Abstimmung im Unterhaus kommen werde. Mays Deal oder eine Verschiebung des Brexits nach Artikel 50 über den Stichtag 29. März hinaus – das wären dann die Optionen, zwischen denen sich die Abgeordneten entscheiden müssten.

Robbins zufolge werde die Londoner Regierung die Abgeordneten glauben lassen, dass eine Verlängerung der Frist und der Gespräche mit der EU möglich ist, der britische Austritt sich dadurch aber lange hinauszögern könne. Robbins erwarte, dass Brüssel einer Verlängerung zustimmen werde.

Absicht oder Versehen? Robbins und seine Begleiter sollen in der Bar so laut gesprochen haben, dass es nicht schwer gewesen sein soll, ihrem Gespräch zu folgen. Jedes Wort habe er aber nicht verstanden, schreibt der ITV-Journalist.

Die Berichte verstärken den Druck auf May. Dass ihr Beamter öffentlich so ungeniert pikante Details und Taktiken ausplaudert, ist auf den ersten Blick etwas unangenehm.

Britische Medien spekulieren nun darüber, Mays Brexit-Chefunterhändler könnte in der Bar sogar absichtlich so laut über den Brexit schwadroniert haben. Denn womöglich kommt das der Premierministerin nicht ganz ungelegen. Stellt sie das Parlament vor die Wahl zwischen ihrem Deal und einer langen Verzögerung, könnte ihr das nutzen.

Denn die Brexit-Anhänger in Mays konservativer Partei sind gegen eine Verschiebung des EU-Austritts. Sie fürchten, dass der Brexit am Ende sogar noch scheitert.

Eine solche Abstimmung, wie Robbins sie beschreibt, könnte manchen Hardliner dazu bringen, dem Deal doch noch zuzustimmen. May ist im Brexit-Prozess auf die Zustimmung des Parlaments angewiesen und erhielt zuletzt keine Mehrheit für das ausgehandelte Austrittsabkommen.

Die britische Regierung wollte sich zu den Berichten nicht äußern. May hatte wiederholt angekündigt, dass Großbritannien die EU zum 29. März verlassen werde. Zumindest offiziell dürfte sie daran erst einmal festhalten – unabhängig von den Bar-Gesprächen ihres Unterhändlers.

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