Leitartikel der Zeitung „Kathimerini“ Wir bleiben in Europa!

Alexis Tsipras gab den Wahnvorstellungen seiner Partei den Vorzug gegenüber dem Wohl des Landes. So wurden die Verhandlungen zur Show. Doch die Bürger werden sich nicht einschüchtern lassen – und für den Euro stimmen.
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Screenshot des Kommentars wie er in der Tageszeitung „Kathimerini“ erschienen ist.
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Screenshot des Kommentars wie er in der Tageszeitung „Kathimerini“ erschienen ist.

AthenDas griechische Volk hat während der vergangenen Jahre viel erdulden müssen. In seiner Verzweiflung hat es einem unerfahrenen politischen Führer das Mandat erteilt, in einem der schwierigsten Augenblicke das Geschick der Nation in die Hand zu nehmen. Der Auftrag war klar: Harte Verhandlungen, aber Sicherung der Zukunft des Landes im Euro. Seither sind vier katastrophale Monate vergangen.

Die Wirtschaft versinkt wieder in der Rezession. Die Verhandlungen mit den Gläubigern wurden zu einer Show. Ständig wurde uns vorgespielt, eine Einigung stehe unmittelbar bevor. Und im letzten Moment, als es ernst wurde, begriff der Ministerpräsident, dass er seiner historischen Verantwortung nicht gerecht werden kann. Er kniff vor einer Einigung, die ein schlechter Kompromiss war – wegen seiner eigenen Fehler –, die aber den Verbleib des Landes in der Euro-Zone gesichert hätte.

Er gab den Wahnvorstellungen seiner Partei den Vorzug gegenüber dem Wohl des Landes. Jetzt versucht er die Emotionen des Bürgers mit großmäuligem Gerede über unsere „Würde“ auszunutzen und uns zu einer Entscheidung zu bewegen, die das Land mit Sicherheit aus dem Euro führen wird. Das Referendum wurde bewusst zu einem Zeitpunkt angesetzt, da wichtige Fristen ablaufen.

Aber die Bürger sind reif und lassen sich nicht einschüchtern. Sie werden mit JA für den Verbleib des Landes im EURO stimmen. Sie werden den Weg der Verantwortung gehen und anschließend eine Regierung der nationalen Verantwortung wählen, die eine bessere Einigung mit den Gläubigern aushandelt und die Interessen des Landes verteidigt.

Das Land darf sich nicht spalten lassen, auch wenn jetzt einige die Polarisierung als Mittel ihrer Propaganda einsetzen. Nein. Alle gemeinsam werden wir dafür kämpfen, unser Vaterland wieder aufzubauen. Griechenland bleibt vereint. Wir bleiben in Europa, wir bleiben im EURO.

Der Artikel ist in der griechischen Tageszeitung „Kathimerini“ („Die Tägliche“) erschienen. Handelsblatt-Korrespondent Gerd Höhler hat ihn ins Deutsche übersetzt. Meinungsartikel der „Kathimerini“ werden im Namen der Redaktion veröffentlicht und lassen sich nicht auf einen Autoren zurückführen.

„Nein zu Erpressung und Ultimaten. Nein zu sozialem Konkurs“
Efimerida ton Sytakton
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Die Sonntagsausgabe der linksgerichteten Zeitung „Efimerida ton Syntakton“ zeigt einen erschöpften Mann, der ein Plakat mit der Aufschrift „Würde“ in die Höhe hält. „Die Regierung sagt 'Nein' zur Erniedrigung durch die Vorgaben der Gläubiger“, schreibt die Zeitung weiter.

Ethnos
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Die Boulevardzeitung „Ethnos“ spricht vom einem „Albtraum über dem Land“ und von „einer Sackgasse“, in der Regierung und Gläubiger stecken. Ohne die Verlängerung der Hilfskredite würde Griechenland in den Konkurs gestürzt werden, so das Boulevardblatt.

H Avgi
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Mit wenigen Worten möchte die Zeitung „H Avgi“, das Sprachrohr der regierenden Syriza-Partei, ihre Message verdeutlichen. Lediglich „Nein“ steht in der Überschrift. Inhaltlich gleicht der Artikel eher politischem Wahlkampf: „Nein zu Erpressung und Ultimaten. Nein zu sozialem Konkurs. Nein zu den Sparmaßnahmen. Für die Souveränität, die Würde und das Wohlergehen unseres Landes. Für eine Gleichberechtigung Griechenlands in einem vereinten Europa.“

Skai
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Der Fernsehsender „Skai“ zitiert den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble auf seinem Online-Auftritt: „Mit der Politik Tsipras' kann Griechenland nicht im Euro bleiben“, heißt es dort.

Protothema
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„Proto Thema“ bezieht eine klare Position: „Tsipras fragt und das Volk antwortet: EURO UND NICHT DRACHME! 'JA' zur Einigung mit den Geldgebern.“ Die regierende Syriza-Partei kritisiert die Sonntagszeitung scharf: „Wir gehen nicht 100 Jahre zurück, weil Syriza in fünf Monaten nichts auf die Kette bekommt.“

Kathimerini
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Die konservative Qualitätszeitung „Kathimerini“ thematisiert die herrschende Ungewissheit der griechischen Bevölkerung. „Das Land in unbekannten Gewässern. Durch den Volksentscheid fühlen sich die Bürger noch unsicherer, das sorgt für lange Schlangen vor den Geldautomaten. Tsipras hatte den Auftrag des Volkes, mit den Geldgebern zu verhandeln – und nicht den Auftrag, das Land aus der Euro-Zone zu führen“, so die Zeitung.

To vima
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Die Sonntagszeitung „To Vima“ fasst die Ergebnisse der Verhandlungen in Brüssel passend zusammen: „Vor dem Bankrott“, titelt die Wochenzeitung.

  • HB
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