Leserbriefe zur Euro-Rettung „Den Wählern nicht mehr vermittelbar!“

Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart hat die Leser aufgefordert, ihre Meinung über die Maßnahmen zur „Euro-Rettung“ mitzuteilen. Die interessantesten Stimmen hat die Redaktion hier zusammengetragen.
Update: 12.09.2011 - 12:17 Uhr 32 Kommentare
In Griechenland gehen die Proteste gegen den Sparkurs der Regierung weiter: Einige Leser fordern die Aufspaltung des Euro in eine Nord- und Südwährung. Quelle: dpa

In Griechenland gehen die Proteste gegen den Sparkurs der Regierung weiter: Einige Leser fordern die Aufspaltung des Euro in eine Nord- und Südwährung.

(Foto: dpa)

Holt mich hier raus!
Von Beruf bin ich Bankbetriebswirtin und behaupte, dass ich wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen von unwirtschaftlichen unterscheiden kann. Wenn ich allerdings zu meiner Entscheidungsfindung Politik als weitere Komponente hinzufügen soll, wird alles schnell unlogisch, fadenscheinig und unergründlich! Politiker machen sich den Satz, „Regeln sind da, um gebrochen zu werden“, zur Leitmaxime.

Ich würde mich gerne politisch engagieren und in Deutschland und der EU gerne aufräumen, aber Politik ist ein viel zu dreckiges Geschäft! Im Gegensatz zu unseren gewählten Volksvertretern mag ich Regeln und weiß um ihre Bedeutung. Deutschland sollte den Euro behalten, allerdings sollten wir Griechenland in die Insolvenz schicken. Lieber ein Ende mit Schrecken ...

Die EU sollte sich das Motto der Genossenschaftsbanken zunutze machen: Hilfe zur Selbsthilfe. Momentan ist es wohl eher: „Hilfe, ich bin ein Staat mit zu großem Ego, holt mich hier raus (ohne dass ich was dazulernen muss)!“

- Theresa Dornieden

Glaubwürdigkeit der EU
Der Euro ist gut für Deutschland und die EU und als Kontrapunkt zum Dollar – aber nicht um jeden Preis. Das Beispiel der hemmungslosen US-Verschuldung wäre die Chance gewesen, Europa und seine Währung voranzubringen. Die Politik hat’s verbaselt, erschreckende Schwächen offenbart und gerade hierzu bestehende Vorschriften und Regeln über den Haufen gerannt unter Inkaufnahme enormer Glaubwürdigkeitsverluste (Stichwort: EZB-Anleihenkauf). Das lässt nicht darauf schließen, dass die EU die Probleme in der Zukunft in den Griff bekommt.
- Carsten Kayatz

Keine Kleinstaaterei

Meine Meinung ist, dass der Euro unbedingt gerettet werden muss. Ich würde es als Rückfall in Kleinstaaterei empfinden, wenn man in Europa wieder zu eigenen Landeswährungen zurückkehrte. Dies wäre in meinen Augen ein Rückschritt mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft. Ich habe es als großen Erfolg empfunden, dass durch die Euro-Zone ein erfolgreicher Gegenpol zur „Supermacht“ Amerika und zum Dollar aufgebaut wurde.

Welchen Preis sollte man für die Rettung des Euros zahlen? Das müssen sich die Politiker und Wirtschaftsexperten sehr genau überlegen. Nach meiner Vorstellung muss man dabei über sehr viel „nationalstaatliche Schatten“ springen, um zu erreichen, dass global das Vertrauen in den Euro/die Währungssysteme wieder wächst. Es ist wohl nicht nur europäisches, sondern kosmopolitisches Denken und Handeln erforderlich. Aber es sollten größte Anstrengungen unternommen werden, um dieses Ziel zu erreichen.

- Brigitte Lorenz

Seite 1234567891011121314151617181920212223Alles auf einer Seite anzeigen

32 Kommentare zu "Leserbriefe zur Euro-Rettung: „Den Wählern nicht mehr vermittelbar!“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ff:
    Anfang 2010 wurde die Anleihe noch zum Nominalwert gehandelt. Es gab keine übermässigen Renditen! Oder soll man NRW-Anleihen nach den gemachten Erfahrungen jetzt auch nicht mehr kaufen? Man kann den betroffenen Gläubigern nur empfehlen, die Staatshaftung in Anspruch zu nehmen. Nochmal, Deutschland ist ein Rechtsstaat, da kann sich auch der Staat nicht aus der Verantwortung stellen.

    Wer seine Schulden nicht bezahlt ist kreditunwürdig! Der € wird endgültig beschädigt. Ja, dann ist er reif für die Tonne und richtig, die EU mit großer Wahrscheinlichkeit mit dazu. Warum liest man keine Artikel aus diesem Blickwinkel?

  • Warum wird die Angelegenheit nicht aus der Perspektive der ganz normalen Anleger betrachtet. Journalisten haben fast ausschliesslich die zugelassene Spekulation im Fokus. Das zeigt auch wieder der heute Artikel "376 Prozent Rendite - ein riskanter Deal".

    Die Politik kann sich allerdings nicht für gemachte Fehler aus der Verantwortung stehlen. Wer hat denn die Kriterien der Euro-Stabilität gebrochen? Doch fast alle beteiligten Staaten, darunter auch Deutschland! An der aktuellen Krisen ist die Politik schuld, nicht die Banken und die anderen Gläubiger, darunter auch Private und ihr Angespartes für Altersversorgung bei Versicherungen etc. pp.. Insofern sind die Aktionen gegen die Banken zum Teil großes Ablenkungsmanöver von der eigenen Verantwortung. Mancher Politiker sieht das offensichtlich bei den Staatsanleihegläubigern so wie Bankier Fürstenberg bei den Aktionären:

    "Die Aktionäre sind dumm und frech, dumm, weil sie ihr Geld geben, und frech, weil sie noch eine Dividende verlangen."

    Schuldenschnitt? Ja, der ist wohl unverzichtber; aber selbstverständlich in Wahrnehmung der Verantwortung zu Lasten der €-Staaten! Banken müssen so nicht gerettet werden! Warum wird das gesteuert propagiert und diskutiert? Doch nur, weil Staatsanleihen nicht ordentlich getilgt werden sollen! Das ist fortgesetzte Ablenkung und Täuschen der Politik? Hätte man die "sicheren" Anleihen (Kein € Eigenkapital wird dafür gefordert!) sofort garantiert, hätte der Spekulationsspuk nicht begonnen.

    Man haftet unabhängig davon, wie man Griechenland wieder auf die Beine hilft, insbesondere für die mangelhafte Beitrittsprüfung. Man hat den Griechen die Verschuldung mit dem € erst ermöglicht. Auch griechische Anleihen wurden so mit A bewertet und von den Banken zum Kauf empfohlen, die auch selbst kräftig gekauft haben. Es gibt auch noch private Gläubiger, was Politker gerne vergessen! Wer Mitte 2005 nominal 100 € der 2014 fälligen 4,5 % Anleihe gekauft hat, mußte dafür rund 108 € bezahlen.

  • "Über ihre Verhältnisse gelebt" das ist eine fiese Unterstellung die eigentlich vom echtem Problem ablenken und das Hungern als moralische Pflicht erscheinen lassen soll.
    Man kann über seiner Verhältnisse und trotzdem unter seiner Bedürfnisse leben. Viele tun das auch, sie sind überschuldet und haben trotzdem kaum genug Geld um sich Kleider oder Lebensmittel für sich selbst und für die Kinder zu kaufen.

  • Abgesehen davon ... lt. "Die Welt" sitzen sie auf 4 Mio Unzen Gold!Bevor sie jammern und betteln gehen, sollten sie erstmal das verscherbeln!!

  • So lange es den Griechen nicht gelingt eine effiziente Verwaltung auf die Beine zu stellen, ist jeder Euro vergeudet! Dem steht aber entgegen, dass das Land seit Jahrenzehnten von den Clans Papadopoulis, Karamalis und Panpandreou beherrscht wird und jeder seine Anhänger nach einem Wahlsieg als erstes in luktratrive Ämter hievte -- wo sie heute noch immer ihr (Un)wesen treiben! Von der momentanen Regierung gehörte DA als erstes mal aufgeräumt ...

  • Diese verd*mmten Idioten!

    2008 wäre es preiswert gewesen den Schnitt zu ziehen. Kurzer Verwerfungen, aber alles Produktionskapital stand zu Verfügung. Es wäre schmerzvoll gewesen, es hätte sehr weh getan, aber es gab alles für den Neuanfang.

    2011: Unsere Volksverdreher haben sehr viel in die Wagschale geworfen. Die Kosten sind um einiges höher geworden. Es gibt inzwischen immense Bürgschaften. Wahnsinnige Beträge. Und die Kosten vervielfältigen sich. Das Produktionskapital geht langsam kaputt (Abschreibungen & Investitionsstau)

    2015: Man kann natürlich das gesamte Vermögen der Währungsunion in die Wagschale werfen. Aber welchen Sinn soll das haben?
    Das wir alle kaputt gehen?
    Woher soll denn das neue Kapital kommen, wenn Griechenland inzwischen auch das deutsche Vermögen verbrannt hat? Anstelle, dass wir ein Schiff zum heben des gesunkenen MS Griechenland schicken, bin wir uns an ein Schiff, dass längst unter Wasser ist mit der Hoffnung vielleicht beide zu retten. Das ist aber nicht möglich.

    Solidarität hätte sich zeigen können, indem wir den Bankrotten Griechen wieder auf die Füße geholfen hätten. Wenn Deutschland auch pleite ist, können wir niemanden mehr retten.

  • Grund für für die Krise sind nicht die Banken allein, sondern schlicht die Tatsache, dass viele Menschen und Staaten MSASSIV über ihre Verhältnisse gelebt haben und der Finanzsektor dies erlaubt hat, auch weil die Politik es so erwartet hat.
    Wir haben uns doch alle an den Rekordexportüberschüssen in die USA erfreut. Wer hat vor 5 Jahren eine Immobilienblase wahr haben wollen? Und die Bildzeitung hat ein Grundrecht auf einen Urlaub auf Malle am Ballermann formuliert. 0 Prozentfinanzierungen erfreuen sich großer Beliebtheit, vor den Lohnzahlungsterminen brechen die Umsätze im Einzelhandel signifikant ein. Die Sparer haben jahrelang gute Zinsen kassiert und nicht gefragt, wie die Banken die Guthabenzinsen erwirtschaften. Jetzt sind die Schuldenstände aufgebläht und den Schulden steht wenig Vermögen gegenüber (Immobilienpreisverfall, Konsumschulden). Wir haben, nach meiner überschlägigen Schätzung vielleicht 1 - 2 Weltjahresproduktionen im voraus ausgegeben. Die Lösung: Konsumenten erhalten einen Dispo in Höhe von 50% des letzten Monatsgehaltes und müssen ihre Möbel und PKWs in bar bezahlen. Dieser finanzpolitische Wechsel würde weltweit 10 - 15% aller Arbeitsplätze sofort vernichten. Danach könnte man sich langsam sanieren, wenn man nicht von Kriminellen (ohne Job und Perspektive) ausgeraubt wird.

  • In der Politik wird leider nicht so genau zwischen wünschbaren Zielen und erreichbaren Zielen unterschieden.
    Natürlich hat der Euro einige Vorteile für die Exportwirtschaft und den innereuropäischen Reiseverkehr und dient der Identifikation der Europäer. Gut gewollt ist nicht gut gemacht. Die Konstruktionsfehler des Euros sind bekannt (keine Wirtschaftsunion, .....u.v.m). Die Fehler haben jetzt zu einer prekären Situation geführt, die sich täglich verschärft. Bürger der PIIGS Staaten müssen für jahrelange fehlerhafte Politik einen hohen Preis bezahlen (= Vorbedingungen für eine Hilfe). Wie würde der dt. Bürger auf staatliche Einschnitte (Renten-, Pensions-, Gehaltskürzungen, Steuererhöhungen) reagieren?

    Meine Frage lautet:
    Wird der Euro es aushalten, wenn die Bürger der PIIGS Staaten ihre Politiker teeren und federn und mit der Bullenpeitsche durch die Stadt treiben würden. Wäre Griechenland noch ein glaubwürdiger Partner, wenn in einer Nacht 10000 Autos brennen würden und Brände Athen erhellen würden?

    Fazit: Die EU Politik Sarkozys und Merkels steht vor einem Dilemma: Um den eigenen Wählern die Euro Rettung "verkaufen" zu können, müssen die Nutznießer der Rettungsschirme "Auflagen" erfüllen. Was passiert, wenn diese Auflagen "offensichtlich" nicht erfüllt werden können? Diese Phase der Krise ist noch nicht erreicht, wird aber bald kommen, weil den Bürgern der Pleitestaaten manche Auflagen nicht zugemutet werden können. Von den Segnungen in den Pleitestaaten hat nur eine kleine Schicht profitiert, die Mehrheit musste sich durchwursteln und verfügt nur uber begrenzte Rücklagen. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung in Griechenland wird die dortige soziale Situation weiter verschärfen, die Steuerbasis erodieren und Gewalt in den Städten auslösen. Kann man einem derartigen Schuldner weiter Geld geben?

  • Was sich gezeigt hat: zwischen Real- und Finanzwirtschaft wird die Kluft immer größer. Die reine Finanzwirtschaft erzeugt eine Blase nach der anderen - und immer mehr Finanzprodukte, die in Richtung Esoterik gehen. Also sollte man da eine organisatorische Trennung voranbringen: wir leben schließlich von der Realwirtschaft - UND den mit ihr verbundenen Banken! Die Trennung des Bankensektors könnte ein Regelwerk vollbringen, das vom Staat zu überwachen ist. Auf welche Seite sich da welche Bank schlagen will, bliebe ihr überlassen.
    Als Ergebnis bekämen wir wieder Geldmengen, die in vernünftiger Relation zur erbrachten Wirtschaftsleistung stünden, während der semi-esoterische Finanzsektor sich weiter an seinen Seifenblasen erfreuen könnte - die würden dann aber niemandem mehr schaden. Auch dem €uro nicht!

  • Der Euro um jeden Preis ist ein absoluter Blödsinn.
    Und das Gerede, Deutschland profitiere am meisten vom Euro ist eine Lüge. Die Bürger profitiere keineswegs. Denn der Euro war hierzulande eine 100%ige Preiserhöhung.
    Mit Einführung des Euro brach bei uns der
    Und unser Export, war zu DM-Zeiten höher als jetzt
    Auch blieben zu DM-Zeiten die Exportüberschüsse im Lande. Jetzt verbleiben sie im Ausland
    Profitiert vom Euro haben Banken, sonstige Finanzhaie.
    Jetzt auf andere Länder schimpfen geht auch nicht, die Einführung des Euro war von Anfang an eine kriminelle Tat. Man hat Ländern mit völlig unterschiedlicher Wirtschafsleistung ein Geld übergestülpt zu völlig gleichen Bedingungen. Das kontne nicht gut gehen.
    Und wir sehen es doch, die Länder, die keinen Euro haben, denen geht es gut.
    Und Merkels Dummgeschwätz der Euro entscheidet über Krieg und Frieden, ist eigentlich schon ziemlich daneben.
    Also Rückkehr zu nationalen Währungen und wahrscheinlich sind die Länder dann schnell wiedr fit
    Und in diesem Rahmen muß dann auch mal der Dreckhaufen Brüssel aufgeräumt werden, denn das ist nur noch ein Ort von Lobbyiten, die die Vorgaben machen und das hat mit demokratischer Politk nichts mehr zu tun.
    Ich bin für ein einiges Europa, aber nicht für einen Zentralstaat Europa wie die Sozialistin Merkel ihn so gerne hätte. Womöglich noch einen sozialistischen Zentralstaat.
    Wir müssen zurück zu der schönen Idee der großen Staatsmänner Adenauer und de Gaulle, die ein vereintes Europa mit Freundschaft mit den Nachbarländern wollten udn freien Handel ohne Zölle und Beschränkungen. Wir haben Jahrzehnte damit gut gelebt.
    Manchmal muß man auch mal einen Schritt zurück gehen um ein gutes Ziel zu erreichen.
    Ansonsten würde es mal Zeit, dass wir Bürger uns erheben, denn es wird zu viel Politik gegen das Volk gemacht.
    Margrit Steerphh

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%