Letzte libysche Bastion Gaddafis Macht über Tripolis schwindet

Despotendämmerung in Libyen: Gaddafis Kontrolle über das Land schwindet stündlich, nun fallen erste Teile der Hauptstadt Tripolis. Während die Revolutionäre auf dem Vormarsch sind, nimmt die Ölförderung immer mehr ab.
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Wie die Nationen ihre Staatsbürger nach Hause holen
Libyan Unrest
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Mit drei Tagen Verspätung trafen am Freitag auf der Fähre "Maria Dolores" hunderte US-amerikanische Evakuierte auf Malta ein.

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Wegen rauer See musste die Fähre zunächst zwei Tage im Hafen warten.

Unmittelbar nach der Evakuierung der letzten US-Bürger aus Libyen haben die USA als Reaktion auf die brutale Gewalt gegen Demonstranten Sanktionen gegen Tripolis verhängt.

huGO-BildID: 21063183 Britain Royal Navy
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Auch andere Nationen handelten bereits. Neben Flugzeugen setzte Großbritannien ein Schiff der Royal Navy ein, um Britische Bürger aus Libyen zu holen.

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Die HMS Cumberland verließ mit 207 Passagieren den Hafen von Malta, darunter 68 Briten. Weitere 42 Briten seien auf einer US-Fähre verschifft worden, so das Außenministerium.

Chinese evacuees from Libya wait to disembark at the port of Heraklio on the island of Crete
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Auch mehrere tausend Chinesen sind inzwischen aus Libyen nach Kreta in Sicherheit gebracht worden. Am Samstag erreichte eine griechische Fähre mit 2911 Chinesen und 13 EU-Bürgern die kretische Hafenstadt Iraklion.

Chinese evacuated from Libya arrive in Greece
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Eine andere Fähre mit 1900 Chinesen an Bord wird noch erwartet In der libyschen Hafenstadt Bengasi befndet sich eine dritte griechische Fähre, die am Abend auslaufen sollte, so das Staatsfernsehen.

Chinese evacuated from Libya arrive in Greece
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Bereits am Donnerstag waren knapp 4.600 Chinesen aus Bengasi evakuiert und nach Kreta gebracht worden. Insgesamt sollen rund 15.000 Chinesen auf diesen Weg Libyen verlassen. Sie sollen mit Sonderflügen von Kreta nach China gebracht werden.

TripolisGaddafi hat nun auch die Kontrolle über Teile der Hauptstadt Tripolis verloren.

Am Samstag zogen sich seine Sicherheitskräfte Anwohnern zufolge aus dem Arbeiterviertel Tadschura zurück. „Alle in Tadschura sind gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Wir haben gesehen, wie sie unser Volk hier und überall im Land getötet haben“, sagte ein 25-jähriger Mann. „Wir werden weiter demonstrieren. Heute, morgen, übermorgen - bis sie sich ändern.“ Freitagabend hätten die Sicherheitskräfte noch auf Demonstranten geschossen, die sich auf den Weg zum Grünen Platz im Zentrum der Stadt gemacht hätten. Dabei seien fünf Menschen ums Leben gekommen. Eine Bestätigung für die Zahl gab es nicht.

Die Schilderung steht in Kontrast zu den jüngsten Aussagen eines Sohnes von Gaddafi. „Frieden kehrt in unser Land zurück“, sagte Saif al-Islam Gaddafi am Freitag vor eigens nach Libyen eingeflogenen Journalisten. Er hoffe, dass es zu keinem weiteren Blutvergießen kommen werde. „Bis morgen gibt es eine Lösung“, sagte er. Zuvor hatte sein Vater seine Gefolgsleute zum Durchhalten aufgerufen.

Tripolis ist die letzte große Stadt in Libyen, die Gaddafi noch geblieben ist. Seine Gegner haben bereits weite Landesteile im Osten im Griff. Auch mehrere Städte westlich von Tripolis werden inzwischen von Aufständischen kontrolliert.

Auch international erhöhte sich der Druck auf Gaddafi. Sein engster Verbündeter in Europa, der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sagte am Samstag, dass Gaddafi nicht mehr Herr der Lage sei. Frankreich und Großbritannien haben ihren Botschaften in Libyen geschlossen und alle diplomatischen Aktivitäten dort bis auf weiteres abgebrochen. Die USA verhängten Sanktionen gegen die libysche Regierung. US-Präsident Barack Obama unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Direktive. Auch die Europäische Union hat sich im Grundsatz auf Sanktionen gegen das energiereiche Land geeinigt. Es herrsche Einigkeit, dass die Aktionen der libyschen Regierung nicht hingenommen und Brutalität sowie Einschüchterungen nicht akzeptabel seien, sagte der britische Premierminister David Cameron am Samstag nach Telefonaten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlusconi und dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan.

In Folge der Unruhen ist die Förderung an einigen ostlibyschen Ölfeldern einem Manager um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Nach Angaben aus der Ölindustrie außerhalb Libyens sind die Exporte aus dem zwölftgrößten Förderland der Erde seit dem Beginn des Aufstandes praktisch zum Erliegen gekommen. Libyen ist für zwei Prozent der weltweiten Produktion verantwortlich. Der größte Teil der Felder liegt im Osten des Landes, über den Gaddafi die Kontrolle verloren hat. Die Sorge vor einer Ölkrise nahm zum Wochenschluss leicht ab. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien will für die libyschen Ausfälle einspringen.

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4 Kommentare zu "Letzte libysche Bastion: Gaddafis Macht über Tripolis schwindet"

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  • Die Deutschen werden die besten sein, vor allem auf den Gebieten, wo wir mit Steuermitteln am höchsten draufzahlen können!

  • Sicher hat auch unsere Bundesregierung bereits Plaene. Man wird in Libyen - so wie in Afgahanistan - Maedchenschulen bauen und damit werden wir alle anderen austechen.

  • Die Schwierigkeit liegt in der zukünfigen politsich-staatsrechtlichen Strukturierung, Gaddafi ist bereits Geschichte. Die einstige italienische Kolonie ist die einzige echte Perle Nordafrikas und Arabiens für Europa wegen des Ölreichtums, seiner geringen Bevölkerungsdichte und der geringen Relevanz von ethnischen, religiösen und nachbarschaftlichen Konflikten. Wer schnell ist und an der richtigen Stelle Allmosen verteilt und mit scheinbar angemessenen Schmiergeldern sich die richtigen Verträge beschafft, kann das Land samt qualitativ hochwertigem Öl recht bequem einsacken. In Peking sind die Pläne dazu bereits ausgearbeitet und die erste Welle der Unterhändler hat die Koffer längst gepackt und klar definierte Aufgaben im Gepäck, während man in Brüssel, völlig plan- und orientierungslos sich gegenseitig blockierend (weil wieder einmal überrumpelt von den Ereignissen) noch nach Wegen sucht, in Libyen einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wird Libyen nicht schnellstens unter UN- oder EU-Mandat gestellt, könnte es zum Exempel werden für den Kampf des Westens gegen die neuen Weltmächte Asiens - ein Kampf und ein Krieg, für den ganz neue Regeln gelten werden!

  • Diese Subjekt sollte vor den internationalen Gerichtshof und wegen Verbrechens gg. die Menschlichkeit angeklagt werden. Sein in der Welt verstreutes riesiges Vermögen sollte unter der notleitenden Bevölkerung aufgeteilt werden. Dieser Psychopat hat kein Recht mehr auf Leben.

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