Letzte Mittel zur Rettung des Euros Pest oder Cholera

Die Regierungswechsel in Rom und anderswo beruhigen die Märkte nicht, der Rettungsschirm ist zu klein. Um den Euro zu stützen, muss die EU nun zwischen zwei Übeln wählen: Euro-Bonds kommen oder die Notenpresse läuft an.
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Der Präsident der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso, und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: dpa

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso, und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

(Foto: dpa)

Die Hoffnungen auf eine Beruhigung in der Eurokrise haben sich längst zerschlagen. In Griechenland, Italien und Spanien haben sich die neuen Regierungen auf einen strikten Sparkurs verpflichtet. Aber die Märkte beruhigen sich nicht - im Gegenteil: Die Krisenstaaten müssen weiterhin sehr hohe Risikoaufschläge auf ihre Staatsanleihen zahlen, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) kräftig interveniert. Und auch die Pläne, den Europäischen Rettungsschirm EFSF kräftig aufzupumpen, sind gescheitert. Die Euro-Zone verfügt nicht über die Mittel, ein Land wie Spanien aufzufangen, von Frankreich ganz zu schweigen.

Daher setzt sich in der Politik die Erkenntnis durch, dass den Märkten nun endlich mit einer ultimativen Lösung, mit einer sogenannte "Big Bazooka" Respekt eingeflößt werden muss. Zwar warnen vor allem die Bundesregierung und die Bundesbank energisch vor möglicherweise fatalen Nebenwirkungen - aber die Pläne von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso für die Einführung von Euro-Bonds gewinnen immer mehr Fürsprecher. Die einzige andere Möglichkeit von ähnlicher Wirkungskraft wäre eine Erklärung der EZB, bedingungslos für alle Anleihen der Euro-Länder einzustehen. Was für die Ordnungspolitiker ein ebenso großer Tabubruch wäre wie die Vergemeinschaft der Schulden.

Lars Feld, Wirtschaftsweiser und Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel bringt das deutsche Dilemma auf den Punkt: Euro-Bonds seien zwar eigentlich nicht zu verantworten - aber die Alternative für die Rettung der Währungsunion sei allein der massive Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, was die Inflation in die Höhe treiben werde. Der aktuell gültige Rettungsplan, den Euro-Rettungsschirm zu stärken, sei bei den Märkten offenbar durchgefallen.

Damit steht Europa unter Handlungsdruck, die Märkte werde die Entscheidung erzwingen. Aber welche Vorteile haben die beiden Optionen - und gibt es nicht vielleicht doch noch einen gangbaren dritten Weg?

Dirk Heilmann: Die EZB muss über ihren Schatten springen
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87 Kommentare zu "Letzte Mittel zur Rettung des Euros: Pest oder Cholera"

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  • Na dann konkretisieren Sie mal ein paar der Konsequenzen! Sie wären der Erste, der in seiner Argumentation über das allgemein übliche Verängstigen mit nebulösen, negativen Ankündigungen hinauskommt. Weder Für noch Wider einer vorübergehenden Beurlaubung Griechenlands sind an irgendeiner Stelle mit einigermaßen konkreten Zahlen belegt. Es ist nämlich in beiden Fällen kaum seriös abzuschätzen, weil es im großen Maße auch vom nicht abzuwägenden Marktverhalten bestimmt würde. Es bleibt also Spekulation. Dann verwundert allerdings, dass die Hirnakrobaten, die die verwirrenden und kaum vollends verstandenen Derivate entwickelten, nicht in der Lage sind, mit ihren Computern theoretischen Modelle durchzuspielen, um jedenfalls ungefähre Größenordnungen von Schaden und Nutzen zu ermitteln. Dafür waren bisher immerhin rund 3 Jahre Zeit.

  • "Erst fiel das in den Verträgen über die Währungsunion festgelegte Bail-out-Verbot, "

    Häh, was soll der Satz. Die Europäischen Staaten verstossen schon lange gegen ALLE 3 Maastricht-Klauseln.

    Sämtliche Europäischen Verträge sind UNGÜLTIG, alle handeln Politiker machen sich STRAFBAR und gehören unverzüglich VERHAFTET !

    Wer glaubt das das Volk so dumm, ist und das alles als "alternativlos" schluckt, der wird sehen was passiert !

    Wir halten uns auch nicht mehr an Gesetze, wenn unsere "lieben Politiker" meinen sie könnten machen was sie wollen.

  • Beim EURO halten lauern gefahren...
    Was hat Angie gesagt: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt."
    Das heisst auf Gut Deutsch ich muss euch einiges weg nehmen. Das geht durch Inflation und Steuern. Das sind noch die besseren Tage.
    Der Kampf um den Euro ist als eine Schupserei der Taschentrickdiebe zu sehen, während sie hinschauen, nimmt der dritte ihnen den Geldbeutel ab.
    Die Polizei warnt das Juncker, Merkel, Schäuble und Co. schon Kriminell auffällig geworden sind.

  • Das liegt einfach mal darin, dass Dt. immer noch nicht souverän ist. Wer sich mal nen bissle mit Staatsrecht beschäftigt, sieht, das wir de jure immer noch im Waffenstillstand stehen. Kommt davon, wenn man keine Friedensverträge hat, kriegt man auch keine Verfassung und deshalb auch nicht souverän.

  • Bleiben wir auf der sachlichen Ebene: Alle beiden vorge-schlagenen "Lösungen" laufen darauf hinaus, daß sämtliche Staaten, also auch D, ihre gesamten Reserven bei der EZB abliefern, daß alle €-Staaten, allesamt Schuldenstaaten, noch mal richtig aufdrehen, und die gesamte €-EU nach maxi-mal 1,5 Jahren in ihren eigenen Schulden erstickt. Wenn die EZB jetzt plötzlich Geld druckt, dann haftet D für mindestens ca 28% des "Zusatzgeldes" und verliert in Windeseile sein Rating! Die Märkte wären m.E.ruhig geblie-ben, wenn man beim 1. Sünden-fall Griechenland cool auf die Verträge hingewiesen hätte "no bail-out". Jetzt sind die Märkte natürlich angesichts der riesigen Summen sehr nervös: wenn Frankreich sein AAA-Rating verliert, und das dauert nicht mehr lange, dann wird D noch stärker als bis-her schon belastet und verliert ebenfalls sein AAA-Rating. Und dann? Ist es besser, wenn alle gleicher sind? Darf ich darauf hinweisen, daß das Privatvermögen pro Kopf in allen sog Schuldenstaaten wesentlich größer ist als in den Zah-lerstaaten? Warum übernimmt die jeweilige Bevölkerung nicht mehr Verantwortung, sondern bürdet die den Nachbarn auf?

  • Koch oder Kellner in der EU sein? Dieser Machtkampf ist doch normal. Was mich hier aber stört, ist, daß Leute aus den Pleitestaaten der EU, noch dazu ausgestattet mit einem ökonomischen Spatzenhirn, hier mit diesem Anspruch, der ganz offensichtlich einem nationalen Auftrag entspricht, auftreten: Vermutlich ist das die Vorstellung der sogenannten Südachse der EU von Anfang an gewesen, denn der wahre Charakter des Geistes der Solidarität zeigt sich ja immer erst in Krisenzeiten: Das kann für Staaten, die noch fähig zu sein scheinen (in Wirklichkeit ist es dieses Land bei Schulden in Höhe 285% des BIP und einem Anspruch, den niemand heute beziffern kann, auch nicht mehr) nur bedeuten, rechtzeitig auszusteigen. Wie lautete doch die Börsenweisheit von Patrick Joseph Kennedy: Wenn Schuhputzer einsteigen, steige ich aus. Ich bezweifele aber, daß der Portugiese Barroso das geitige Fassungsvermögen eines Schuhputzters hat.

  • Hoffentlich bleibt die Kanzlerin bei ihrem NEIN zu den EUROBONDS, die die Situation auf Sicht sicherlich noch
    weiter verschärfen würden - besonders für Deutschland.

    Warum wird dabei so oft die Möglichkeit vom Ausstieg aus dem EURO als Katastrophe verkauft.

    Dieses wurde damals im umgekehrten - Ausstieg aus den Landeswährungen in den EURO - überhaupt nicht erwogen!
    Auch hier mußte das komplette Finanzsystem umgestellt
    werden und k e i n e r hatte Bedenken!

    Warum dann diese "teilweise riesigen Bedenken" im Umkehrfall? - Hier stimmt doch irgendetwas nicht!

    Diese ständigen Schirmerweiterungen und jetzt auch noch
    die infrage stehenden EUROBONDS führen nur zu einer
    innmer größeren SCHULDENKRISE, die irgendwann nicht mehr
    zu steuern sein wird. Denn wodurch soll denn sich bei den geretteten Ländern wirtschaftlich etwas ändern können -
    sicherlich nicht nur durch einen Sparkurs, wenn die Wirt-
    schaft des Landes nicht mehr Potenzial bietet!

  • Bei dieser Einschätzung der Deutschen in Prozenten ausgedrückt, würde ich dringend empfehlen, in das Land zurückzukehren, wo ich eigentlich herkomme und meine
    Wurzeln habe. - Dieser Kommentar - einfach unertäglich
    und so etwas abwertendes gegenüber dem Land in dem er
    "freiwillig" lebt. Warum ist er bei einer solchen Einschätzung nicht schon längst weg von hier???

  • Dies ist eine Konstruktion, die sehr vernünftig klingt und viele Befürworter hat. Ihre Einführung ist allerdings viel komplizierter als sie klingt und läßt Türen für politisches Geschacher offen. Und sie dürfte von den "Märkten" (= vielfach Spekulanten) ebenso unter Druck gesetzt werden wie alle anderen Lösungen die Emittenten und Besitzern wackeliger Staatsanleihen keine definitive 100-Prozent-Absicherung ihrer Engagements garantieren. Und sie dürfte diesem Druck ebensowenig standhalten. Leider!

  • @KeepCool
    Zitat: Deutschland steht für Konzepte wie Soziale Marktwirtschaft.-
    ------
    Es wäre zu schön um wahr zu sein, wenn wir diese über Jahrzehnte erfolgreiche "Soziale Marktwirtschaft" noch hätten.
    Wo ist die denn noch? Ich finde sie nicht mehr im Politikbetrieb Berlin.
    Sie existiert doch nur noch - wie sie sagen- als "KONZEPT".doch, Papier- ein Konzept- ist geduldig.
    LEIDER!
    Eine Marktwirtschaft verhindert auch nicht eine laufende Marktbereinigung. Wer diese verhindert, bekommt irgendwann die geballte Ladung von nicht marktfähigen Betrieben-Banken- Wirtschaftszweigen vor die Türe gekippt- so wie wir es derzeit haben.
    Wer als Unternehmer- auch Banken- aus eigener Kraft nicht existieren kann, der verschwindet vom Markt. Auch das ist Marktwirtschaft.Die gesunden Betriebe bleiben übrig. Auch eine Bank darf pleite gehen. Sie hat keinen Sonderstatus in einer Marktwirtschaft.
    Was wir -die Politiker in Berlin, seit Jahren betreiben ist doch nichts anderes mehr , als sozialistische Planwirtschaft.
    Holen wir die "Marktwirtschaft" wieder zurück, dann sieht manches wieder anders aus. Das wäre vom jetzigen Stand der Dinge aus allerdings erst mal ein Kraftakt.
    Aber, er wäre zu meistern.

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