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Libanon Hisbollah-Chef Nasrallah ist der eigentliche Machthaber im Libanon

Weder der Premier noch der Präsident führen das Land. Es ist der Chef der Hisbollah, der die nationale Politik des Libanon entscheidend beeinflusst – im eigenen Interesse.
06.08.2020 - 16:58 Uhr 1 Kommentar
Der Libanese fühlt sich mit dem Iran eng verbunden. Quelle: AFP
Hassan Nasrallah

Der Libanese fühlt sich mit dem Iran eng verbunden.

(Foto: AFP)

Tel Aviv Ohne Hassan Nasrallah läuft im Libanon nichts. Der Chef der „Partei Gottes“ (Hisbollah) bekleidet zwar keine politischen Ämter in der Hauptstadt Beirut. Aber in den wichtigen Ministerien führen Nasrallahs Anhänger seine Befehle aus. Zudem hat der 59-Jährige mit dem Präsidenten des Landes, Michel Aoun, seit Jahren einen nützlichen Verbündeten, der Nasrallahs Einfluss im Libanon weiter festigt.

Seit im Januar dieses Jahres zudem Hassan Diab, einer seiner weiteren Vertrauten, Premier wurde, ist Nasrallahs Machtnetz perfekt. In Beirut sprechen deshalb viele von „Nasrallahs Kabinett“ – die einen mit Hochachtung, die anderen mit Verachtung. Wer nach der massiven Explosion im Hafen von Beirut vor wenigen Tagen nun nach dem Verantwortlichen für die politische Krise des Landes sucht, der kommt an Nasrallah nicht vorbei.

Der vollbärtige Libanese hat aus der Hisbollah, die einst eine islamistische Mini-Miliz war, die stärkste nicht-staatliche militärische Organisation im Nahen Osten gemacht. Die Hisbollah ist ein Staat im Staat. Nasrallah hat ihren Einfluss zudem auf die nationale Politik ausgedehnt.

Die Grundlage dafür legte er mit dem Aufbau eines dichten, landesweiten Netzwerks von sozialen und medizinischen Einrichtungen sowie von Schulen, mit denen er das staatliche Versagen kompensiert. Hier bekommen vor allem Anhänger der Hisbollah, aber auch die Armen Hilfe.

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    Dabei geht es für ihn, den tief gläubigen Schiiten, stets auch um Religion. Nasrallah ist überzeugt, dass der schiitische Islam die Probleme jeder Gesellschaft lösen könne. Und doch: Dass der Libanon jetzt auf den Abgrund zusteuert, ist vor allem das Resultat seiner Hisbollah.

    Verbindungen zum Iran

    Denn Nasrallah verfolgt in der Machtposition, in der er sich befindet, Interessen, die denjenigen des Libanons widersprechen. So fühlt er sich mit dem Iran seit Jahrzehnten eng verbunden, obwohl dieser den Libanon benutzt, um die Dominanz Teherans im Nahen Ostens auszubauen.

    Die Religionsstudien, die Nasrallah einst im Irak begonnen hatte, schloss er in der schiitischen Pilgerstadt Qom im Iran ab. Im Anschluss kehrte er in seine Heimat zurück, um im libanesischen Bürgerkrieg aufseiten der schiitischen Milizen vor allem gegen die Christen zu kämpfen.

    Dabei war er so erfolgreich, dass er bereits im Jahr 1992 an die Spitze der Hisbollah aufstieg, nachdem sein Vorgänger von Israel getötet worden war. Wobei sich Irans oberster Führer Ajatollah Khamanei dafür einsetzte, dass sein Favorit Nasrallah den Top-Job erhielt. Seine Nähe zu Teheran führte dazu, dass der Geldstrom aus den mit dem Iran verfeindeten Golfländern versiegte, der für den Libanon aber lebenswichtig ist.

    Als Quasi-Stellvertreter des Irans hat der Hisbollah-Chef den Libanon in den vergangenen Jahren wiederholt in Kriege mit Israel verwickelt, die in seinem Heimatland zu Verwüstungen führten. Im syrischen Bürgerkrieg lässt er seine Milizen ebenfalls für iranische Interessen kämpfen.

    Nasrallahs Unterstützung des syrischen Präsidenten stößt im Libanon zwar auf Kritik. Aber, so argumentiert Nasrallah, man müsse den Rebellen, die Baschar al-Assad entmachten wollen, Einhalt gebieten, denn sie seien eine existenzielle Gefahr für die Schiiten im Nahen Osten: weniger für den Libanon mit seiner Vielzahl von ethnischen Gruppen, sondern vor allem für den Iran.

    Mehr: Finanzkrise im Libanon könnte geopolitische Folgen für den Nahen Osten haben

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    1 Kommentar zu "Libanon: Hisbollah-Chef Nasrallah ist der eigentliche Machthaber im Libanon"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sie haben vergessen zu analysieren, wem die Katastrophe politisch und strategisch schadet und wem sie nützt - bezogen auf die Konflikte in der Region.
      Man kann nur hoffen, dass die Ursache der 3 Explosionen von unabhängigen Fachleuten untersucht werden. Vielleicht hat Donald Trump diesmal die richtigen Informationen öffentlich gemacht.
      Lothar Meurer

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