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Libanon Videokonferenz für Libanon-Hilfen am Sonntag geplant

Unter Führung von Frankreichs Präsident Macron soll über Hilfen nach der Explosion im Hafen von Beirut beraten werden. Führende Hafen-Vertreter wurden festgenommen.
08.08.2020 Update: 08.08.2020 - 10:59 Uhr Kommentieren
Ein Mann vor der zerstören Hafenanlage nach der Explosion. Quelle: AP
Beirut

Ein Mann vor der zerstören Hafenanlage nach der Explosion.

(Foto: AP)

Beirut Drei Tage nach der verheerenden Explosion in Beirut sind Verantwortliche des Hafens der libanesischen Hauptstadt festgenommen worden. Dazu zählten Zoll-Chef Badri Dahir, dessen Vorgänger Schafik Mirhi und Hafen-Direktor Hassan Kuraitim, meldete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA am Freitagabend.

Die Entscheidung sei im Zuge von Ermittlungen zu den Hintergründen der Explosion getroffen worden, hieß es weiter. Bereits am Vorabend waren 16 Hafen-Mitarbeiter festgenommen worden. Nach Justizangaben wurden bislang 18 Personen vernommen.

Bei der gewaltigen Detonation am Dienstag waren mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen, rund 5000 wurden verletzt. Große Teile des Hafens und der umliegenden Wohngebiete wurden zerstört. Die Explosion soll durch eine große Menge der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ausgelöst worden sei, die nach Regierungsangaben über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden war. Die Ermittlungen zur Ursache der Katastrophe laufen aber noch.

Der libanesische Präsident Michel Aoun erklärte am Freitag vor Journalisten, bei den Ermittlungen solle untersucht werden, ob die Explosion durch Fahrlässigkeit verursacht worden sei. Es solle aber auch geprüft werden, ob es möglicherweise eine „ausländische Einmischung“ durch eine Rakete oder Bombe gegeben habe. Dafür gibt es allerdings bislang keinerlei Anzeichen.

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    Die internationale Polizeiorganisation Interpol unterstützt die örtlichen Behörden mit Experten. Dabei gehe es unter anderem um die Identifizierung von Opfern, teilte Interpol am Freitagabend in Lyon mit. Interpol werde jegliche Hilfe leisten, die vom Libanon beantragt werde, erklärte Generalsekretär Jürgen Stock. Rettungshelfer suchten in der libanesischen Hauptstadt nach weiteren Überlebenden der Explosion. Interpol ist mit 194 Mitgliedstaaten nach eigenen Angaben die weltweit größte Polizeiorganisation.

    Donald Trump schickt Hilfe

    US-Präsident Donald Trump sicherte dem Libanon derweil Hilfen zu. Er habe dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun gesagt, drei große US-Flugzeuge seien auf dem Weg nach Beirut, twitterte Trump am Freitag. Sie hätten Medizinausrüstung, Nahrung, Wasser sowie Rettungskräfte an Bord.

    Laut US-Behördenangaben werden die Hilfen einen Wert von mehr als 15 Millionen Dollar haben. Mit den Medikamenten und sonstigen medizinischen Gütern könnten bis zu 60.000 Personen drei Monate versorgt werden.

    Die von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angekündigte internationale Konferenz zur Hilfe für den krisenerschütterten Libanon soll nun am Sonntag stattfinden. Die Videokonferenz werde um 14.00 Uhr beginnen, es gehe um die Hilfe für die von Explosionskatastrophe in Beirut schwer getroffene Bevölkerung, hieß es am Samstag aus Kreisen von Macrons Präsidialamt. Die Videokonferenz werde von den Vereinten Nationen (UN) mitorganisiert, hieß es weiter aus den Élysée-Kreisen.

    Proteste erwartet

    Vier Tage nach der verheerenden Explosion in Beirut sollen am Samstag viele Opfer der Katastrophe beerdigt werden. Aktivsten haben für den Nachmittag zudem zu Demonstrationen gegen die Regierung aufgerufen, die sie für die Detonation verantwortlich machen. Rettungshelfer suchen in den Trümmern weiter nach Opfern der gewaltigen Detonation. Die deutschen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) zeigten sich schockiert vom Ausmaß der Zerstörung.

    „Das Einsatzgebiet ist wirklich riesig“, sagte die THW-Sprecherin Georgia Pfleiderer aus dem Einsatzgebiet der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Die Schäden seien immens. „Was hier an Gebäuden stand, das waren ja richtige Hochregallager und Großgebäude, die liegen alle in Trümmern. Das ist wirklich eine Dimension, die ist echt atemberaubend.“ Ihr bisher fünfter THW-Einsatz im Ausland sei „vom Ausmaß des Schadens das Größte, was ich bisher gesehen habe“.

    Die Explosion hat die Wut vieler Libanesen auf die Regierung weiter gesteigert. Sie werfen der politischen Elite schon seit langem Korruption und Ausbeutung des Landes vor. Bereits im vergangenen Herbst waren Massenproteste ausgebrochen, die grundlegende politische Reformen verlangten. Durch die Explosion wächst der Druck auf die Regierung. Auch viele Staaten und internationale Organisationen verlangen im Gegenzug für finanzielle Hilfe weitgehende Reformen.

    Der Libanon leidet seit Monaten unter einer der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte, die durch die Corona-Pandemie noch verschärft wurde. Vielen Libanesen sind in Armut abgerutscht. Ihnen fehlt das Geld für einen Wiederaufbau.

    Mehr: Nach dem Inferno in Beirut macht sich Ärger in der Bevölkerung breit. Wieso lagerte im Hafen jahrelang hochexplosives Material? Die EU-Spitzen fordern die Staaten zu zusätzlicher Hilfe auf.

    • dpa
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