Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Libanons Premier Hariris Doch-nicht-Rücktritt

Seite 2 von 2:
Hariri oder die Hisbollah

„Die Menschen freuen sich über die Rückkehr ihres Premiers“

Der vorangegangene Rücktritt Hariris dürfte auf Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Iran zurückzuführen sein. Die Erzfeinde ringen um Einfluss in der Region und bekämpfen einander in Stellvertreterkriegen. Saudi-Arabien macht Teheran für einen Raketenangriff der schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen auf den Flughafen in Riad verantwortlich.

Die Saudis werfen zudem der von Iran finanzierten Hisbollah-Miliz vor, sich in regionale Konflikte einzuschalten und anti-saudische Kräfte zu unterstützen. Hariri, darüber herrscht breiter Konsens, räumte seine Posten zunächst auf saudischen Druck. Offenbar war es ihm nicht gelungen, die Macht der in Libanon an der Regierung beteiligten Hisbollah einzudämmen. Grund genug für den sprunghaften saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, Hariri aus dem Amt zu drängen. Die Menschen, die an diesem Unabhängigkeitstag auf Beiruts Straßen tanzen, genießen derweil den Moment. „Unser Premierminister ist endlich zurück“, ruft eine Frau aus dem Bekaa-Tal. Wir wissen immer noch nicht, ob er nun bleibt. Aber allein, dass wir wieder hoffen können, ist doch eine tolle Nachricht.“

Reham Hammout ist mit ihrer Familie aus Tripoli im Norden des Landes angereist. „Die vergangenen Wochen waren für uns schrecklich“, sagt die 24-Jährige. „Wir haben uns große Sorgen um Saad Hariri gemacht.“ Sie habe auf der Straße erfahren, dass der Regierungschef seinen Rücktritt erst einmal suspendiert hat. „Uns macht das überglücklich“, sagt ihre Tante. „Wir unterstützen Hariri, weil er alle Libanesen gleichermaßen liebt, egal ob Christen, Sunniten oder Schiiten.“

Maha Yahya, Direktorin des Carnegie Middle East Center in Beirut sagt, „Hariris Entscheidung bedeutet nicht, dass die Krise vorbei ist“. Doch nun sei die Türe offen für ruhigere Gespräche. Es wurde deutlich, dass noch Spielraum für Verhandlungen bestehe.

Den muss jetzt vor allem die Hisbollah nutzen. Ohne deren Zugeständnisse ist es schwer vorstellbar, dass Hariri dem Druck seiner Schutzmacht Saudi-Arabien weiter wird standhalten und im Amt bleiben können. Konkret wird sich die Hisbollah der von ihr 2012 mitunterzeichneten Babdaa-Erklärung annähern müssen, die von libanesischen Parteien Neutralität in Bezug auf regionale Konflikte verlangt. Das würde bedeuten, jegliche Unterstützung der Huthi im Jemen zu unterlassen und sich aus anderen Ländern wie Syrien und Irak zurückzuziehen.

Hassan Nasrallah, der Generalsekretär der Hisbollah, hatte schon vor Wochen gesagt, er wolle nicht, dass Hariri zurücktrete. „Die Hisbollah will den Status-Quo mit Hariri als Premierminister wahren, schließlich konnte sie ihre Ziele bislang gut durchsetzen“ sagt Achim Vogt, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Beirut. „Wenn Hariri bleiben soll, muss die Hisbollah liefern“.

Brexit 2019
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Libanons Premier: Hariris Doch-nicht-Rücktritt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote