Libyen 200 Tote nach IS-Massaker

Seit Monaten breiten sich IS-Anhänger in Gaddafis Heimatstadt Sirte immer weiter aus. Gegen libysche Stämme gehen sie äußerst brutal vor. Geschockte Libyer vor Ort sprechen von einem "Massaker" mit bis zu 200 Toten.
Update: 14.08.2015 - 23:10 Uhr Kommentieren
Seit Mittwoch toben in der Stadt Kämpfe zwischen lokalen Stammesangehörigen und IS-Anhängern. Innerhalb von drei Tagen seien dabei mindestens 106 Menschen getötet worden, berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf offizielle Kreise. Quelle: Reuters
Kämpfe bei Sirte

Seit Mittwoch toben in der Stadt Kämpfe zwischen lokalen Stammesangehörigen und IS-Anhängern. Innerhalb von drei Tagen seien dabei mindestens 106 Menschen getötet worden, berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf offizielle Kreise.

(Foto: Reuters)

SirteMit brutalen Methoden gehen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen gegen Milizen vor, die sich nicht unterordnen wollen. In Sirte, der Heimatstadt des 2011 gestürzten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, stürmten die Dschihadisten nach Berichten lokaler Medien am Freitag ein Krankenhaus und töteten 22 verletzte rivalisierende Milizionäre, deren Leichname sie anschließend verstümmelten. Das Krankenhaus setzten sie zur Abschreckung in Brand, berichtete das Nachrichtenportal „Al-Wasat“.

Sirte liegt im Norden des nordafrikanischen Landes. Die Stadt gilt als Geburtsort des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi. In Sirte ereigne sich ein "Massaker", sagte Botschafter Abuhamoud. Er rief die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf. Die Kämpfe brachen demnach zu Beginn der Woche aus, nachdem der IS zu Beginn der Woche einen einflussreichen Imam getötet hatte.

Es gebe 150 bis 200 Opfer, sagte der libysche Botschafter in Frankreich, Tschibani Abuhamoud, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Ein Vertreter der örtlichen Behörden sprach von einem "wahren Krieg". Die meisten Opfer gehörten dem Ferschan-Stamm an, der sich geweigert habe, sich dem IS zu unterwerfen.

In Libyen herrschen seit dem Sturz und dem gewaltsamen Tod Gaddafis im Herbst 2011 Chaos und Gewalt, was sich die IS-Dschihadisten zunehmend zu Nutze machen. Die Städte werden von rivalisierenden Milizen kontrolliert, während zwei Parlamente und Regierungen die Macht für sich beanspruchen. Im östlichen Tobruk ist das international anerkannte Parlament ansässig, während sich in Tripolis das nicht anerkannte Gegenparlament befindet.

Am Dienstag hatte der Chef der international anerkannten Regierung, Abdullah al-Thani, überraschend seinen Rücktritt ins Spiel gebracht. Kurz zuvor hatten die rivalisierenden Lager ihre Verhandlungen über die Bildung einer Einheitsregierung unter UN-Vermittlung wieder aufgenommen.

  • dpa
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