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Libyen, Syrien und Afghanistan Kriege und Konflikte: Die gefährliche Außenpolitik der Türkei

Die Türkei ist in mehrere Konflikte und Kriege im Ausland involviert. Nun kam es zu drei Zwischenfällen – und die Lage wird immer brenzliger.
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Istanbul Das türkische Außenministerium hat derzeit viel zu tun. Das Land ist in mehrere Konflikte involviert: neben dem 18 Jahre andauernden Konflikt in Afghanistan in den Krieg in Syrien, den Machtkonflikt in Libyen sowie die eifrige Suche nach Rohstoffen im östlichen Mittelmeer. In allen drei Regionen kam es am Wochenende zu Zwischenfällen. Nicht immer ist klar, wer dafür verantwortlich ist.

So wurde ein Beobachtungsposten des türkischen Militärs im syrischen Idlib am Samstag gleich drei Mal angegriffen. Berichte über Tote oder Verletzte gibt es bislang nicht.

In Nordzypern, dessen Regierung weltweit alleine von Ankara anerkannt wird, ist am Sonntag ein unbekanntes Flugobjekt abgestürzt. Nach Angaben von Augenzeugen soll es eine Explosion gegeben haben. Das Außenministerium im nordzyprischen Lefkosa sprach von einem Angriff mit einer Drohne oder einer Rakete.

Im Internet kursieren Bilder von Metallteilen und Flügeln, die auf einem Feld liegen. „Erste Anzeichen deuten klar darauf hin, dass es sich um einen Sprengsatz handelt“, twitterte der nordzyprische Vizepräsident Kudret Özersay am Sonntag. Der Vorsitzende der türkischen Zyprioten, Mustafa Akinci, erklärte, es könne sich um eine Drohne handeln, die im Syrienkonflikt eingesetzt werde.

Und auch in Libyen spitzt sich die Lage zwischen der Türkei und dem libyschen Milizenführer Chalifa Haftar zu. Sechs türkische Staatsbürger sind in der Gewalt von „Haftars illegaler Miliz in Libyen“, teilte das türkische Außenministerium mit. Das sei ein „Akt der Räuberei und der Piraterie“, hieß es. „Wir erwarten, dass unsere Bürger sofort freigelassen werden.“ Andernfalls würden Haftars Einheiten zum „legitimen Ziel“.

Libyen, Syrien und Afghanistan: Gefährlicher Einsatz der Türkei Quelle: Reuters
Türkischer Grenzposten nahe Idlib

Syrien ist nur eine Konfliktzone, in der sich die Türkei derzeit engagiert.

(Foto: Reuters)

In der Nacht zum Montag wurden zwei türkische Arbeiter in der Stadt Adschdabija laut Sicherheitskräften wieder freigelassen. Die beiden waren offenbar ohne gültigen Haftbefehl festgenommen worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul, die von türkischen NATO-Truppen kontrolliert wird, kam es am Montagmorgen (Ortszeit) unterdessen zu einer schweren Explosion in der Nähe des afghanischen Verteidigungsministeriums. Ob es sich um ein Unglück oder einen Angriff handelt, es noch nicht klar.

Die Türkei, die in den vergangenen Jahren ihre Außenpolitik deutlich verschärft hat, spürt damit innerhalb kurzer Zeit extremen Gegenwind. Beim G20-Gipfel im japanischen Osaka hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan noch mit den Amtskollegen der größten Industrie- und Schwellenländer verhandelt.

Und es sah nicht schlecht aus: Beim Kauf russischer Waffensysteme durch Ankara deutete sich so etwas wie ein Durchbruch an. Und in Libyen unterstützt die Türkei sowieso die Zentralregierung, die auch von den Vereinten Nationen anerkannt wird. In Syrien sah es zuletzt so aus, als würde die Türkei eher für Stabilität sorgen, anstatt ins Kreuzfeuer zu geraten. Doch nach drei Zwischenfällen in Folge könnte die türkische Außenpolitik vor einer Richtungsänderung stehen.

Türkische Flugzeuge werden zu „feindlichen Zielen“

Der Ton zwischen Haftars selbst ernannter Libyscher Nationalarmee (LNA) und der Türkei hatte sich zuletzt verschärft. Am Freitag verbot die LNA, die große Gebiete vor allem im Osten Libyens kontrolliert, kommerzielle Flüge zwischen den beiden Ländern. Zudem dürfen türkische Schiffe nicht mehr in Libyen anlegen. LNA-Sprecher Ahmed Al-Mismari hatte „alle Schiffe und türkischen Flugzeuge“ zu „feindlichen Zielen“ erklärt und mit der Festnahme türkischer Staatsbürger gedroht.

Haftars Truppen erklärten, am Flughafen Mitiga eine türkische Drohne angegriffen zu haben, die sich dort am Boden befunden habe. Mitiga ist der einzig funktionierende Flughafen der Hauptstadt Tripolis. Er wird von der international anerkannten Regierung kontrolliert und ist seit April bereits mehrfach angegriffen worden. Der Flugverkehr dort wurde der Flughafenleitung zufolge vorübergehend eingestellt, kurze Zeit später aber wieder aufgenommen.

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar hatte gewarnt, dass der Preis für „eine feindliche Einstellung oder Angriffe“ sehr hoch sein werde und auf „effektivste und stärkste Art und Weise“ erwidert werde. Die Türkei werde Vorkehrungen gegen jede Art von Drohungen treffen, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Der von Haftars Truppen kontrollierte Benina-Flughafen in Bengasi hatte Flüge in die Türkei am Samstag bereits gestoppt. Von dort aus flogen bisher drei Maschinen täglich in die türkische Metropole Istanbul.

In dem ölreichen Libyen in Nordafrika herrscht acht Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi das Chaos. Die Nato hatte dort 2011 unter einem UN-Mandat in den Bürgerkrieg eingegriffen und zum Sturz Gaddafis beigetragen. Mangels Plänen für die Zeit nach Gaddafi entstand ein Machtvakuum, das Milizen, Banden und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausnutzten.

Haftar hat weite Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht und hatte im April eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis angeordnet. Die Aussichten auf eine politische Lösung des Konflikts stehen derzeit sehr schlecht.

Die Türkei unterstützt in dem Bürgerkrieg die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch. Haftars Truppen werfen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor, sich in libysche Angelegenheiten einzumischen. Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen dagegen Haftar unterstützen. Auch westliche Staaten und Russland nehmen in dem Konflikt Einfluss.

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