Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Literatur Schmutziges Geld für saubere Märkte

Der Enthüllungsjournalist Jürgen Roth traut sich an die Verquickungen von Mafia, Wirtschaft und Politik heran. Er nennt prominente Namen sowie klangvolle Firmen, die er inzwischen als Spielbälle der internationalen Verbrechersyndikate wähnt: Opel, Gazprom, Fraport, RWE, AIG. Doch Roth bleibt im Ansatz stecken.
1 Kommentar
Kampf gegen die Mafia: Polizisten führen in Neapel den Camorra-Boss Cesare Pagano ab. Quelle: dpa

Kampf gegen die Mafia: Polizisten führen in Neapel den Camorra-Boss Cesare Pagano ab.

(Foto: dpa)

BERLIN. Euer Ehren! So viel muss am Anfang einer Auseinandersetzung mit dem neuen Buch des investigativen Journalisten Jürgen Roth erlaubt sein: Mit den in "Gangsterwirtschaft" erhobenen, oft dünnen Anschuldigungen dürfte der hier als Ankläger auftretende Buchautor kaum einen der in seinem Werk Beschuldigten zu einer Verurteilung bringen. Zu wirr und unbewiesen sind oftmals die wortklingelnden Indizienketten, die Roth zum Geflecht von Mafia, international angesehenen Firmen und bekannten Politikern verknotet. Aber belastbare, gut recherchierte Aussagen darf man von einem Autor vom Kaliber Roths erwarten und nicht nur schnelle, zumeist aus der Presse kompilierte Behauptungen eines Vielschreibers.

Denn der 1945 Geborene klagt mit scharfen Worten wissend an. Und es ist das Verdienst des Enthüllers, dass er keine Scheu vor Mafia-Paten, gewöhnlichen Schurken, Hochstaplern und Politikern hat. Mutig wagt er sich an seine These heran, dass "uns die organisierte Kriminalität kauft", wie er im Untertitel behauptet. Und er nennt prominente Namen sowie klangvolle Firmen, die er inzwischen als Spielbälle der internationalen Verbrechersyndikate wähnt: Opel, Gazprom, Fraport, RWE, AIG ?

Roth dokumentiert detailliert, wie "das Primat der Politik durch die Gangsterwirtschaft infiltriert und ersetzt wurde" - mit Wissen und Zutun der Politik: "Fakt ist, dass die globalen Netzwerke der organisierten Kriminalität bereits jetzt in bestimmten Schaltzentren politischer Macht westlicher und östlicher Staaten das Sagen haben." Und als wäre das nicht schon bedrohlich genug, warnt Roth davor, dass in diesen Krisenzeiten die Paten mit ihren Strohmännern in Firmen und Mittelsmännern in Staatsämtern es noch leichter hätten, Politik und Wirtschaft mit ihren aus Verbrechen stammenden Milliarden zu infiltrieren. Denn es spiele keine Rolle mehr, wie schmutzig das Geld sei, das zur Rettung vom Untergang bedrohter Banken und Fabriken eingesetzt werde.

Tatsächlich ist ja nicht nur bemerkenswert, sondern vielmehr gefährlich, wie leicht russische Schutzgelderpresser, mexikanische Drogenbarone oder rumänische Zuhälter ihr mit Verbrechen erwirtschaftetes Vermögen im Westen legalisieren konnten und wie schnell frühere US-Halbweltgrößen heute in Europa zu ehrbaren Geschäftsleuten mutieren. Oder in Roths Worten: dass "diejenigen, die vor zehn, 15 Jahren noch Gangster pur waren, heute marktbeherrschende Aktionäre sind".

Roth prangert die Fondsmanager, Rohstoffhändler, Anwälte, Steuerberater, PR-Experten, Investmentbanker und immer wieder auch aktive oder ehemalige Politiker an, die den Syndikaten helfen, zu legalen Firmen zu werden. Dafür gebührt ihm Respekt.

Aber letztlich lässt er den Leser mit der "Gangsterwirtschaft" allein und bietet keine Lösungsansätze. Er verfällt streckenweise sogar in den agitatorischen Stil eines K-Gruppen-Flugblattschreibers, wenn er im Opel-Kapitel fabuliert: "Bekannt ist auch, dass das Prinzip der menschenverachtenden Erpressung der Arbeitnehmer, um Profitziele durchzusetzen, den US-Konzernchefs von General Motors ebenso geläufig ist wie den russischen Counterparts." Dazu kommen sich häufig einschleichende sachliche Fehler. Schade angesichts des so ernsten und tiefgreifend die Gesellschaft verändernden Themas, dessen sich Roth als einer der wenigen anzunehmen wagt.

Brexit 2019
Startseite

1 Kommentar zu "Literatur: Schmutziges Geld für saubere Märkte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Globalisierung hat alle Hemmungen fallen lassen.Früher waren Nationalstaaten das Korsett für Politiker um nicht aus dem Ruder zu laufen. Heute sind z.b Deutschland nur ein Platz wo jeder leben darf und trotzdem das land zu verachten. Mafia
    Politik sind eng verknüpft und nur wo gleiche interessen aufeinander prallen geht man aufeinander los. Schon Zuwendungen an Politikern oder reisen zu Schwulenveranstaltungen z.b von beck Grüner nach Warschau müssen sorgfältiger überprüft werden. Komischer weise halten dann aber alle dicht.