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Liveblog zum Ukraine-Krieg – alle Entwicklungen Selenski nach Raketeneinschlag in Einkaufszentrum: Gezielter Angriff, um viele Menschen zu töten

Russen nehmen Bürgermeister von Cherson fest +++ Deutschland und Niederlande liefern weitere Panzerhaubitzen +++ Rubel steigt auf Sieben-Jahres-Hoch +++ Der Newsblog.
29.06.2022 Update: 29.06.2022 - 07:38 Uhr 889 Kommentare
Russland-News
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Leonie Tabea Natzel
Das sind die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Stunden:
  • Die Türkei will die Aufnahme von Schweden und Finnland in die Nato unterstützen.
  • Bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum in zentralukrainischen Krementschuk sind mehr als ein Dutzend Personen getötet worden. 
  • Die Gefahr einer Versorgungslücke mit Erdgas im Falle ausbleibender russischer Lieferungen hat führenden Instituten zufolge abgenommen.
  • Im Osten der Ukraine gehen nach Angaben aus Kiew die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk weiter. 

So berichtet das Handelsblatt über den Ukrainekrieg: 
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Anna Kipnis
Im Osten der Ukraine versuchen russische Truppen nach Einschätzung des ukrainischen Militärs, die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk einzukesseln. Das sei eine der Hauptanstrengungen des Feindes, teilte der ukrainische Generalstab am Mittwochmorgen in seinem Lagebericht mit. Die Offensive in Richtung der Stadt werde fortgesetzt. Details wurden nicht genannt. Russische Truppen stehen bereits am Südrand der Stadt. Vertreter prorussischer Separatisten hatten zudem berichtet, es gebe schon Kämpfe im Stadtgebiet.

Angriffe Russlands gebe es außerdem in Richtung der westlich von Lyssytschansk gelegenen Stadt Bachmut. Um das Tempo aufrechtzuerhalten, hätten die Besatzer ihre Bataillonsgruppe verstärkt, hieß es. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Beim russischen Vormarsch auf den Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk gibt es wenig Bewegung. Dort konzentriere sich der Feind darauf, Bedingungen für weitere Angriffe zu schaffen. Russlands Armee hatte das Nachbarland am 24. Februar überfallen.

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Sarah Sendner
Nach dem türkischen Einlenken im Streit um einen Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands dringt die schwedische Ministerpräsidentin Magdalena Andersson auf raschen Vollzug. Je schneller das Aufnahmeprozedere nun vonstatten gehe, desto besser - „nicht nur für Schweden und Finnland, sondern für die anderen Nato-Länder“, sagte Andersson der Nachrichtenagentur AP. „Aber es gibt 30 Parlamente, die das billigen müssen und man weiß nie.“

Zuvor gab die Türkei ihre Blockade gegen den Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands auf. Es bestehe eine Vereinbarung, die den Weg für die Aufnahme der beiden nordeuropäischen Staaten in das westliche Militärbündnis freimache, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nach einem Treffen mit Andersson, dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Dienstag. Niinistö erklärte, in dem unterzeichneten Memorandum sei festgehalten, dass die Türkei beim Nato-Gipfel in Madrid die Einladung an Schweden und Finnland unterstützen werde.
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Leonie Tabea Natzel
Die von der Nato angekündigte drastische Aufstockung der schnellen Einsatztruppe wird die Bundeswehr nach Einschätzung der Wehrbeauftragten des Bundestages, Eva Högl, schwer belasten. „Absehbar ist, dass die Anforderungen an Deutschland steigen werden. Für die Bundeswehr bedeutet das eine enorme Herausforderung und erfordert große Anstrengungen hinsichtlich Personal, Material, Ausrüstung und Infrastruktur“, sagte Högl der „Augsburger Allgemeinen“.

Högl hatte zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine kritisiert, dass den Bundeswehrsoldaten, die in Litauen auf dem Militärstützpunkt Rukla die russische Armee abschrecken sollen, einfache Ausrüstung bis hin zu Unterwäsche fehle.
Eva Högl bei einem Truppenbesuch im Juni. 
Eva Högl bei einem Truppenbesuch im Juni.    Bild: dpa
Die Nato will vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs die Zahl ihrer schnellen Eingreifkräfte von rund 40.000 auf mehr als 300.000 erhöhen. Wie Generalsekretär Jens Stoltenberg vor dem am Mittwoch beginnenden Nato-Gipfel in Madrid angekündigt hatte, wird dazu auch die bisherige Nato-Eingreiftruppe NRF umgebaut. Sie ist wegen der Spannungen mit Russland seit mehreren Monaten in Alarmbereitschaft. Högl sprach von einem deutlichen Zeichen und einer „konsequenten Reaktion auf den russischen Angriffskrieg“.

Der Beitrag der Bundeswehr zu dem neuen Konzept könnte nach Angaben aus Nato-Kreisen die 10. Panzerdivision werden, die aus dem bayerischen Veitshöchheim ihr unterstellte Brigaden und Bataillone führt.
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Leonie Tabea Natzel
Russische Sicherheitskräfte haben nach offiziellen Angaben den Bürgermeister der besetzten Stadt Cherson verhaftet. Bürgermeister Ihor Kolychajew habe sich russischen Befehlen widersetzt, hieß es zur Begründung. Eine Beraterin Kolychajews sagte dagegen, der Bürgermeister sei entführt worden, weil er nicht mit den russischen Besatzern habe kooperieren wollen. Die Region um die Hafenstadt am Schwarzen Meer wurde gleich in der ersten Woche der russischen Invasion besetzt. Ein großer Teil der Bevölkerung hat die Region verlassen.
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Leonie Tabea Natzel
Kurz vor dem Nato-Gipfel hat Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda nochmals auf eine stärkere Nato-Präsenz im östlichen Bündnisgebiet gepocht. Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine müsse bei dem Spitzentreffen in Madrid der Übergang von Abschreckung zur Vorwärtsverteidigung vollzogen werden, sagte Nauseda der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview in Vilnius. Die bisherige Nato-Stolperdrahtlogik zur Verteidigung des Baltikums sei nicht mehr tragfähig. Notwendig seien mehr Bodentruppen in den baltischen Staaten und an der Nato-Ostflanke, sagte der litauische Staatschef. Auch Luftverteidigung statt Luftüberwachung sei nötig.

Konkret erwartete Nauseda Formulierungen in den Gipfelbeschlüssen, wonach die bestehenden multinationalen Nato-Gefechtsverbände den Mitgliedstaaten an der Ostflanke bis auf Brigade-Niveau aufgestockt werden. Deutschland hat bereits angekündigt, dass es die Kampftruppen-Brigade in Litauen führen will. „Das zeigt, dass das Engagement Deutschlands, mehr Truppen hier in Litauen zu stationieren, sehr stark und entschlossen ist“, betonte Nauseda. „Wir schätzen das sehr.“ 
Gitanas Nauseda.
Gitanas Nauseda.   Bild: Reuters
Seit 2017 ist in dem an die russische Exklave Kaliningrad und an Russlands Verbündeten Belarus grenzenden Litauen ein Nato-Bataillon mit derzeit etwa 1600 Soldaten stationiert. Angeführt wird es von der Bundeswehr, die mit gegenwärtig mehr als 1000 Einsatzkräften das größte Truppenkontingent stellt. Eine Brigade besteht in der Regel aus etwa 3000 bis 5000 Soldaten.

Mehr zum Nato-Gipfel:
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Sarah Sendner
Selenski hat Russland vor dem UNO-Sicherheitsrat einen „Terroristenstaat" genannt und ein Tribunal zur Untersuchung russischer Militäraktionen gefordert. Russland dürfe nicht an den Diskussionen und Abstimmungen des Gremiums teilnehmen, forderte Selenski bei einem Video-Auftritt vor dem Sicherheitsrat. „Ich fordere Sie auf, der Delegation des Terroristenstaates ihre Rechte zu entziehen", sagte er. Russland kann solche Maßnahmen als Vetomacht im Sicherheitsrat verhindern.

Russlands stellvertretender UNO-Botschafter Dmitri Poljanski sagte, das Gremium sei keine Plattform für eine PR-Kampagne des ukrainischen Präsidenten für neue Waffenlieferungen. Zuvor hatten sich die Vertreter aller 15 Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrats, auch Russlands, auf Selenskis Bitte zu einer Schweigeminute für die in dem Konflikt getöteten Ukrainer erhoben.
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Sarah Sendner
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat nach dem Raketeneinschlag in einem Einkaufszentrum Russland den gezielten Angriff auf das zivile Objekt vorgeworfen. „Die russische Rakete hat genau dieses Objekt getroffen. Zielgerichtet. Offensichtlich gab es so einen Befehl“, sagte Selenski in seiner täglichen Videoansprache in der Nacht zum Mittwoch. Ziel sei es gewesen, so viele Menschen wie möglich zu töten. Zur Untermauerung seiner Vorwürfe zeigte er Videoaufnahmen des Einschlags in der Stadt Krementschuk.
Bild: dpa
Das russische Verteidigungsministerium - und später auch der russische Außenminister Sergej Lawrow - hatte einen gezielten Beschuss des Einkaufszentrums abgestritten. Die von Moskau abgefeuerten „Hochpräzisionsraketen“ hätten Fabrikhallen in Krementschuk getroffen, in der westliche Waffen und Munition lagerten. Deren Explosion habe das Feuer in dem „nicht mehr betriebenen Einkaufszentrum“ ausgelöst, sagte der russische Armeesprecher Igor Konaschenkow.
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Leonie Tabea Natzel
Der Energiekonzern Siemens Energy wehrt sich gegen Behauptungen aus Russland, die Gaslieferungen nach Deutschland müssten gedrosselt werden, weil das Unternehmen Turbinen nicht rechtzeitig warte. „Es ist sehr bequem, ein Unternehmen mit reinzuziehen, das in Russland bekannt ist“, sagte Joe Kaeser, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Energy, der „Süddeutschen Zeitung“. „Selbst wenn es so wäre, würde das niemals rechtfertigen, den Gasfluss so stark zu drosseln.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte die russische Begründung bereits als vorgeschoben kritisiert. Russlands staatlicher Energieriese Gazprom hatte Mitte des Monats die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 weiter runtergefahren. Der Gaslieferant begründete den Schritt mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten. Am 11. Juli beginnt zudem eine zehntägige Routinewartung der Pipeline. Energieversorger und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sind besorgt, dass Gazprom Nord Stream 1 danach nicht wieder anstellen könnte.
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Leonie Tabea Natzel
In einer überraschenden Botschaft vor dem UN-Sicherheitsrat hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski ein Vorgehen gegen Russland wegen dessen Angriffe auf die Ukraine gefordert. Russland könne nicht im Rat bleiben, solange sein „Terrorismus“ vor allem gegen ukrainische Zivilisten anhalte, sagte Selenski, der bei einer kurzfristig anberaumten Sitzung am Dienstag in New York per Video zugeschaltet war. Er forderte vom UN-Sicherheitsrat, den Begriff eines Terrorstaats zu definieren, um Russlands Handlungen entsprechend einzuordnen.

„Es ist zwingend erforderlich, ein Tribunal einzurichten, um alles zu untersuchen, was das russische Militär gegen die Ukrainer getan hat“, sagte Selenski. Der ukrainische Präsident zählte dabei eine Reihe von Angriffen der russischen Seite auf, bei der Unbeteiligte - unter anderem Kinder und Senioren - getötet worden seien. Zum Ende seiner Rede bat er um eine Schweigeminute. Die Beratungen des mächtigsten UN-Gremiums, in dem Russland eine von fünf Vetomächten ist, waren nach dem mutmaßlich russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum einberufen worden. Dabei starben in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk letzten Angaben zufolge mindestens 20 Menschen - Dutzende wurden verletzt, einige schwer.

Russland hat als ständiges Mitglied des Sicherheitsrats verärgert auf den Auftritt Selenskis reagiert. Dieser sei im letzten Moment auf die Tagesordnung gesetzt und nicht mit allen Mitgliedern abgestimmt worden, klagte der stellvertretende russische UN-Botschafter Dmitri Poljanski. Der russische Top-Diplomat sprach von einem Verstoß gegen die übliche Praxis der Arbeit im UN-Sicherheitsrat.
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Tobias Döring
Die Türkei hat ihren Widerstand gegen die Aufnahme von Schweden und Finnland in die Nato aufgegeben. Die Türkei werde während des Nato-Gipfels in Madrid die Einladung an die beiden nordischen Länder, Bündnismitglied zu werden, unterstützen, teilte der finnische Präsident Sauli Niinistö am Dienstagabend mit. Ein entsprechendes Memorandum wurde nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von den Außenministern der drei Länder unterschrieben.

Das gemeinsame Memorandum unterstreiche die Verpflichtung Finnlands, Schwedens und der Türkei, ihre volle Unterstützung gegen die Bedrohung der Sicherheit des jeweils anderen Landes zu gewährleisten, hieß es in der Mitteilung des finnischen Präsidenten. „Dass wir Nato-Bündnispartner werden, wird diese Verpflichtung noch verstärken.“
Der türkische Präsident Erdogan (Mitte) mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg.
Der türkische Präsident Erdogan (Mitte) mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg.   Bild: Reuters
Finnland und Schweden sind bislang keine Nato-Mitglieder, aber enge Partner des Verteidigungsbündnisses. Russlands Einmarsch in die Ukraine löste jedoch in den beiden militärisch bisher bündnisfreien Ländern intensive Debatten über eine solche Mitgliedschaft aus. Am 18. Mai beantragten sie jeweils die Aufnahme in die Nato – in der Hoffnung, das Prozedere bis zum letztlichen Beitritt möglichst schnell durchlaufen zu können. Die Türkei schob dem allerdings prompt einen Riegel vor, indem sie als einziges Nato-Mitglied den Beginn des Aufnahmeprozesses blockierte.
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Tobias Döring
Deutschland wird sich Verteidigungsministerin Christine Lambrecht zufolge mit 15.000 Soldaten an der geplanten Aufstockung der schnellen Eingreiftruppe der Nato beteiligen. „Deutschland ist bereit, dazu seinen Beitrag zu leisten“, sagte Lambrecht am Dienstag in Madrid beim Gipfel der Allianz. „Wir haben schon angekündigt, dass wir bereit sind, eine Division zu stellen, sprich 15.000 Soldatinnen und Soldaten.“

Zudem werde die Bundesrepublik etwa 35 Flugzeuge und 20 Schiffe beitragen. Die Nato hatte am Montag angekündigt, die Eingreiftruppe von 40.000 Soldaten auf „weit über 300.000“ aufzustocken.
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Tobias Döring
Die Gespräche der G7-Staaten mit Indien und China über einen Plan zur Deckelung des Preises für russisches Öl sind einem Insider zufolge positiv verlaufen. Die beiden Abnehmerstaaten hätten Anreize, die Regelung einzuhalten, sagt eine mit den Diskussionen vertraute Person. Eine Obergrenze für den Preis sei noch nicht festgelegt worden. Sie müsste jedoch so hoch ausfallen, dass Russland trotzdem weiter fördere. Gegenwärtig wird russisches Öl mit Abschlägen von zwischen 30 und 40 Dollar je Barrel (159 Liter) verkauft im Vergleich zu Marktpreisen von bis zu 120 Dollar je Barrel.
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Christoph Sandt
Die russischen Besatzungstruppen haben Igor Kolychajew, den gewählten Bürgermeister der Großstadt Cherson im Süden der Ukraine, festgenommen. Das bestätigte der prorussische Vizechef der Militär- und Zivilverwaltung von Cherson, Kirill Stremoussow, am Dienstag der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Kolychajew habe die Angestellten der Stadtverwaltung offen zur Sabotage aufgerufen und dazu, die Anweisungen der neuen Administration zu ignorieren, begründete Stremoussow die Festnahme.

Kolychajew war nach der Besetzung von Cherson in der Stadt geblieben, hatte sich aber geweigert, mit den russischen Besatzungstruppen zu kooperieren. Der Widerstand gegen die russische Okkupation ist im Süden der Ukraine relativ groß. In der vergangenen Woche kam ein Mitglied der prorussischen Verwaltung in Cherson bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben.

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Tobias Döring
Deutschland und die Niederlande werden der Ukraine zusammen sechs weitere Modelle der Panzerhaubitze 2000 liefern. Das sagten Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) und ihre niederländische Amtskollegin Kasja Ollongren am Dienstag am Rande des Nato-Gipfels in Madrid. Damit wird die Ukraine nun insgesamt 18 Stück des Waffensystems erhalten – eine ausreichend große Zahl für ein komplettes Artilleriebataillon.

„Diese drei, die wir jetzt aus Deutschland abgeben – damit gehe ich schon an die absolute Grenze dessen, was verantwortbar ist. Es ist aber verantwortbar, weil die Ukraine jetzt unterstützt werden muss“, sagte Lambrecht. Ollongren sagte mit Hinweis auf die andauernden russischen Angriffe: „Die Ukraine muss wirklich wissen, dass wir ihnen helfen können.“

Bisher hatte Deutschland sieben der Panzerhaubitzen geliefert, die Niederlande fünf Stück. Die ukrainische Armee gerät besonders im Osten des Landes zunehmend in Bedrängnis, vor allem wegen der materiellen Überlegenheit der Angreifer.
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht   Bild: Imago
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Tobias Döring
Unbeeindruckt vom russischen Zahlungsausfall Anfang der Woche hat die Landeswährung Rubel am Dienstag ein neues Hoch gegenüber den Leitwährungen Dollar und Euro erklommen. „Der Dollar kostet das erste Mal seit dem 28. Mai 2015 weniger als 52 Rubel. Der Euro kostet erstmals seit dem 26. Mai 2015 weniger als 55 Rubel“, teilte die Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag nach Schließung der Moskauer Börse mit. Als Grund für die Rubelstärke führen die Währungsexperten der Agentur die bevorstehenden Steuerzahlungen in Russland und den hohen Ölpreis an.

Nachdem der Rubel kurz nach Beginn des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskriegs noch deutlich einbrach, ist er nun seit Monaten auf Erholungskurs und hat inzwischen den doppelten Wert seines Tiefstands erreicht. Selbst der am Dienstag von der Rating-Agentur Moody's festgestellte technische Zahlungsausfall Russlands konnte dem Anstieg des Rubels nichts anhaben. Hier handelt es sich freilich auch nicht um eine übliche Staatspleite, sondern um technische Probleme bei der Überweisung der Schuldzahlungen, die vom Westen blockiert werden.

Hintergrund der Rubelstärke sind aber auch drastische Beschränkungen der Devisengeschäfte durch die russische Zentralbank und die westlichen Sanktionen, die vor allem den russischen Import betreffen. Denn während Russlands Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas weiterhin sprudeln, ist der Import in Russland – unter anderem durch das westliche Embargo auf Hightech, Maschinen, Rüstungs- und Luxusgüter auf weniger als die Hälfte geschrumpft. Der Devisenbedarf ist dadurch ebenfalls deutlich zurückgegangen.
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Christoph Sandt
Der enge russische Verbündete Belarus kündigt an, Fremdwährungsanleihen in seiner eigenen Währung - belarussische Rubel - zu begleichen. Man sei zu diesem Schritt gezwungen, heißt es in eine Erklärung der Regierung zu sogenannten Eurobonds, die etwa in Dollar oder Euro begeben werden.

Es könne nicht garantiert werden, dass alle Inhaber derartiger Anleihen das ihnen zustehende Geld komplett und rechtzeitig erhalten werden.
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Jan Keuchel
Bulgarien weist 70 russische Diplomaten aus. Die Gesandten hätten bis zum 3. Juli Zeit, das Land zu verlassen, teilt das Außenministerium in Sofia mit. Mit der Maßnahme solle ein Gleichstand mit der Zahl der bulgarischen Diplomaten in Moskau erreicht werden. Außerdem gingen russische Diplomaten Tätigkeiten nach, die mit der Wiener Übereinkunft über diplomatische Beziehungen unvereinbar seien.

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Jan Keuchel
Die Ukraine meldet einen neuen russischen Raketenangriff. Rettungskräfte in der Stadt Dnipro suchten unter Trümmern nach Überlebenden, sagt der Gouverneur der Region Dnipropetrowsk, Walentyn Retsnytschenko. Es seien Teile der Bahn-Infrastruktur und ein Industriegebäude beschädigt worden. Zudem brenne ein Dienstleistungsunternehmen. Eine russische Stellungnahme liegt nicht vor.
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Jan Keuchel
Die US-Regierung hat 36 Unternehmen aus mehreren Staaten auf eine schwarze Liste zum Handel gesetzt. Einige von den chinesischen Unternehmen unterstützten das russische Militär und die Rüstungsindustrie dort, heißt es in einer veröffentlich des US–Bundesamtsblattes. Auch Firmen etwa aus Russland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Pakistan sind aufgeführt.

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Jan Keuchel
In Litauen ist der wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine landesweit verhängte Ausnahmezustand bis zum 15. September verlängert worden. Die Sonderregelung ermöglicht es den Behörden des EU- und Nato-Staates, Fahrzeuge und Menschen im Grenzgebiet zu stoppen und zu durchsuchen. Auch der Schutz strategischer Objekte und Infrastruktur wird in diesem Zeitraum verstärkt, die Ausstrahlung von russischen oder belarussischen Radio- und Fernsehprogrammen ist untersagt. Öffentliche Veranstaltungen zur Unterstützung der russischen Invasion bleiben weiter verboten.
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    889 Kommentare zu "Liveblog zum Ukraine-Krieg – alle Entwicklungen: Selenski nach Raketeneinschlag in Einkaufszentrum: Gezielter Angriff, um viele Menschen zu töten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Peter: dass war die Entführung von Mönchengladbach, wo eine junge Frau mit angstverzerrtem Gesicht gezeigt wurde - heute würde das so nicht mehr stattfinden. Zum G7: Herr Söder hat sich doch sehr gefreut, als Gastgeber aufzutreten und Geschenke zu verteilen. - Also für ihn hat sich dass scheinbar gelohnt und er sieht es wahrscheinlich nicht als Kriegstreiberei.
      Das Schöne ist doch: in unserer Presse (und in den Kommentaren) kann jeder schreiben, was er/sie/es will, sofern es nicht zu diffus ist und alle müssen das lesen, wenn sie sichdafür interessieren. RT usw. würden sicherlich einige Protagonisten ihre Kommentare veröffentlichen können - aber nur wenige.

    • Putin kennt nur eine Sprache und das ist entsetzliche Gewalt u. Terror verbreiten. Die Antwort kann nur
      dieselbe Sprache sein, eine andere versteht der Diktator leider nicht.

    • @Herr Max Heck
      Früher wurden auch Geiselnahmen in den Medien teilweise sogar LIVE gezeigt. Eine sachliche Berichterstattung oder auch sachorientierte Wissenschaft wird zur Mangelware.
      (Beitrag von der Redaktion geändert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: Unterstellungen und Verdächtigungen ohne Bezug oder glaubwürdige Argumente, die durch keine Quellen gestützt werden, sind nicht erwünscht.)

    • Wenn man -besonders die Medienvertreter- hinter die Kulissen schauen würde, wer da so demonstriert und immer die Klapppe aufreist und herumschreit und fordert und dem Hype folgt, dass gleich die Welt am Ende ist und wir uns am Abgrund befinden (auch Linke und Grüne sind so gestrickt), wäre man schnell ernüchtert.

      Solchen Loosern folgt doch eigentlich im wahren Leben keine Sau!

      An diesen Minoritäten sollte sich die Medienwelt wirklich nicht mehr orientieren oder gar ernst nehmen. Vielleicht setzt man mal im Zeitalter von 4.0 seine rosarote Brille ab und schaltet sein bißchen letzten Rest vom Hirn ein. Die Zeit wäre reif.

    • Die Russen haben heute ein Einlaufszentrum in Krementschuk mit Raketen beschossen (in dem sich vermutlich ~1000 Personen aufgehalten haben), während einige Kommentatoren immer noch einseitig den Westen auffordern, zu verhandeln statt Waffen zu liefern.
      Die russische Gesellschaft ist ideologisch in etwa so aufgepeitscht wie die Deutsche vor dem WK II. Auch damals hat man geglaubt, die Entwicklung mit Appeasement-Politik in den Griff zu bekommen. Das gleiche ist ab 1989 passiert: engere Zusammenarbeit, enge Wirtschaftsbeziehungen, diplomatisch vorsichtiger Umgang, Wandel durch Handel. Was m.E. aus damaliger Sicht das einzig Richtige war. Bis zum 23.02.2022.
      Leider sind wir am Morgen danach aufgewacht und haben erkennen müssen, dass wir - was RU angeht - in einer Traumwelt gelebt haben. Gott sei Dank hat das die Politik und die Gesellschaft erkannt.
      Nur eben nicht die gesamte Gesellschaft - siehe die 40% ewig Gestriger der Linken, die noch immer der Argumentation und Ideologie einer Frau Wagenknecht anhängen. Wie auch einige Kommentatoren hier.
      Aber positiv formuliert: selbst die Mehrheit der Linken traut Darth Putin nicht mehr über den Weg.

    • Es ist ähnlich wie Selenskyj´s Frau sagte, Russland agiert wie der islamische Staat, Frauen vergewaltigen, Zivilisten rücksichtslos hinrichten...
      Man sollte Russland unter Putin evtl. mal in dem Rahmen wie den IS behandeln.

    • Herr Amend: dann würde wahrscheinlich die dringend benötigte Unterstützung mit Waffen nachlassen, die eh schon nicht ausreichend ist. Selbst Herr Biden will nicht, dass Raketen in 300 km Entfernung in Russland einschlagen.

    • Das ist das allerletze Raketen ud Bomben in ein stark freqeuentiertes Einkaufszentrum zu schiessen. Das ist primitivster Terrorismuns vielleicht war das ja mit dem Wort Spezialoperation gemeint.

    • So langsam sollte die Ukraine ihre defensive und gesittete Kriegsführung mal aufgeben und anfangen wie Russland Infrastruktur und zivile Bereiche Russlands zu beschießen. So leid es einem tut aber das ist meiner Ansicht nach die letzte Option Russland mal die Stirn zu bieten und zu zeigen wie sich ein Krieg anfühlt. Evtl. werden die Russen dann erkennen wie dumm der Krieg ist.

    • Herr Felsch: Sie liegen absolut richtig. Die Damen und Herrn (und sonstige?) werden, wenn in einigen Jahren die vielen Toten und Kriegsverbrechen der russischen Streitkräfte "gezählt" sind, sicherlich keine Kommentare zu diesem Thema mehr abgeben. Es gibt auch heute noch in Deutschland "Altvordere" des zweiten Weltkriegs in Deutschland, die auch heute noch behaupten: die Deutsche Armee hat damals keine Kriegsverbrechen begangen.

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