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Lockdown Verkehrte Welt: Deutschland geht härter gegen Corona vor als Frankreich

Während die Bundesrepublik das öffentliche Leben einschränkt, wird in Frankreich gelockert. Für die Silvesternacht macht das Nachbarland jedoch harte Vorgaben.
14.12.2020 - 16:25 Uhr Kommentieren
Frankreich: An die Stelle des Lockdowns tritt eine Ausgangssperre. Quelle: dpa
Emmanuel Macron im Kinderkrankenhaus Hôpital Necker in Paris

Frankreich: An die Stelle des Lockdowns tritt eine Ausgangssperre.

(Foto: dpa)

Berlin/Paris Die verschärften Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland beeindrucken auch den wichtigsten Partner Frankreich. „Schlechte Nachrichten aus Deutschland sind nie gute Nachrichten für uns“, reagierte am Montag der Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau.

Er bezog sich nicht nur auf die neuen Restriktionen, sondern auch auf die zunehmende Zahl an Infektionen, und  äußerte die Sorge, dass die zweite Welle der Covid-Epidemie in ihren wirtschaftlichen Folgen wohl weniger drastisch sei als die erste, sich dafür aber länger hinziehen könne als die erste Welle im Frühjahr.

Da hatten die Franzosen mit einer gewissen Bewunderung auf Deutschland geschaut, wo nicht nur das Gesundheitssystem besser funktionierte, sondern auch die Ansteckungszahlen deutlich niedriger lagen.

Davon kann heute keine Rede mehr sein: Nach den Zahlen des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben sich in den vergangenen 14 Tagen in Deutschland im Schnitt 335 von 100.000 Personen neu mit Corona infiziert, während es in Frankreich nur 237 waren. Die strikten Beschränkungen des öffentlichen Lebens, die auf der anderen Rheinseite galten, scheinen sich ausgezahlt zu haben.

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    Erstaunt und auch ein wenig erschrocken nimmt man in Frankreich wahr, dass die deutschen Schritte zur Eindämmung der Pandemie erstmals seit einem Dreivierteljahr härter sind als die französischen.

    Während in der Bundesrepublik nun alle Läden schließen müssen, die keine Güter des essenziellen Bedarfs anbieten, hat unser westlicher Nachbar Ende November alle Geschäfte wieder geöffnet. In Paris bildeten sich vor manchen großen Kaufhäusern und Einzelhandelsgeschäften am vergangenen Sonntag lange Schlangen. Auch Österreich hat seine Beschränkungen zurückgefahren, und Spanien hat sogar die Restaurants wieder öffnen lassen.

    Frankreich: An die Stelle des Lockdowns tritt eine Ausgangssperre. Quelle: Reuters
    Präsident Emmanuel Macron

    Frankreich: An die Stelle des Lockdowns tritt eine Ausgangssperre.

    (Foto: Reuters)

    Millionen von Franzosen decken sich mit Weihnachtsgeschenken ein und holen die Einkäufe nach, die sie während des zweiten Lockdowns nicht tätigen durften, denn da war wie nun in Deutschland nur die Öffnung von Geschäften des lebensnotwendigen Bedarfs gestattet. Zu langen Wartezeiten vor der Ladentüre trug auch bei, dass der Andrang der Kunden mit einem verschärften Hygieneprotokoll zusammentrifft, das die Anzahl der Personen pro Ladenfläche begrenzt.

    Schulen und Kindergärten wurden, anders als nun in der Bundesrepublik, beim zweiten Lockdown von der Schließung ausgenommen. Aufgehoben wird von dieser Woche an auch das seit dem 29. Oktober geltende Verbot, die eigene Wohnung zu verlassen, außer in bestimmten Ausnahmefällen. Man darf sich wieder im ganzen Land frei bewegen, die Fahrten sind nicht mehr auf Arbeit, Arztbesuche oder dringend nötige Einkäufe beschränkt.

    Die wirtschaftlichen Folgen des zweiten Lockdowns hält die Banque de France für begrenzt, auf das ganze Jahr gerechnet erwartet sie nun einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Frankreich hat im laufen Jahr ökonomisch stärker unter der Epidemie gelitten als der Norden Europas, wird in den nächsten Jahren aber stärker wachsen“, sagte Villeroy de Galhau. 2021 und 2022 werde die Wirtschaft jeweils um fünf Prozent zulegen. Allerdings habe die Industrie wegen der härteren Einschnitte Marktanteile verloren, die vermutlich dauerhaft an die europäischen Wettbewerber gehen.

    Abendliche Ausgangssperre

    Die neue Freiheit ist bei Weitem nicht grenzenlos. An die Stelle des Lockdowns tritt eine Ausgangssperre, die ab 20 Uhr gelten wird. Ab dann muss man sich in den eigenen vier Wänden aufhalten. Von dieser Vorschrift wird es nicht einmal zu Silvester eine Ausnahme geben, lediglich an Weihnachten wird der Zapfenstreich ausgesetzt.

    Die Geduld jugendlicher Partygänger wird damit weiter auf eine harte Probe gestellt. Die Verstöße gegen das Verbot des Feierns nehmen zu: Am Wochenende musste die Polizei in Straßburg eine illegale Party mit 500 Gästen auflösen, was als bisheriger Rekord gilt.  

    Mehr: Coronavirus: So hat sich die Lungenkrankheit in Deutschland entwickelt.

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