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López Obrador Mexikos neuer linker Staatschef will staatlichen Ölkonzern Pemex vor dem Untergang retten

Der Staatschef will, dass Mexiko unabhängiger von Benzin-Importen wird. Außerdem plant er Investitionen in den Energiesektor.
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Der 65-Jährige trat sein Amt erst am 1. Dezember an. Quelle: AFP
Andrés Manuel López Obrador

Der 65-Jährige trat sein Amt erst am 1. Dezember an.

(Foto: AFP)

Mexiko-StadtMexikos linker Präsident Andrés Manuel López Obrador will dem staatlichen Ölkonzern Petróleos Mexicanos (Pemex) wieder zu altem Glanz verhelfen. Bei der Vorstellung seiner künftigen Energiepolitik kündigte López Obrador dieser Tage an, im Haushalt für das kommende Jahr 75 Milliarden Peso (rund 3,2 Milliarden Euro) mehr für den Staatskonzern bereitzustellen als im aktuellen Budget.

Zudem versprach der Präsident, Mexiko bis 2021 unabhängig von Benzinimporten zu machen. Zu diesem Zweck werde in Kürze mit dem Bau der Raffinerie Dos Bocas im Bundesstaat Tabasco am Golf von Mexiko begonnen, versicherte López Obrador, der am 1. Dezember sein Amt angetreten hat. Das Ölförderland Mexiko muss wegen mangelnder Raffineriekapazitäten 68 Prozent seines Benzins im Ausland einkaufen.

Zudem will die neue Regierung die weitere Öffnung des Energiemarktes vorerst auf Eis legen. Im Wahlkampf hatte López Obrador, kurz AMLO, noch damit gedroht, die Reform seines Vorgängers Enrique Peña Nieto komplett zurückzunehmen. Das ist bis auf weiteres vom Tisch.

Der unabhängige Ölexperte David Shields hält die bessere Ausstattung von Pemex für Augenwischerei. „Angesichts der Notwendigkeiten des Unternehmens ist das fast nichts“, sagte Shields dem Handelsblatt. „Das reicht hinten und vorne nicht“. Außerdem sei die Stärkung des Unternehmens mit Staatsgeldern der falsche Weg. Private Investoren könnten das wesentlich besser. „Aber für die neue Regierung ist der Energiesektor strategisch und eine Frage der Staatshoheit“. López Obrador wolle die multinationalen Unternehmen „abschrecken“, ist sich der Experte sicher.

Pemex, einst Mexikos Vorzeigeunternehmen und einer der größten Konzerne Lateinamerikas, befindet sich seit Jahren im freien Fall. Ausgebeutete Ölfelder, kein Geld für notwendige Investitionen, sinkende Produktion, steigende Schulden und fallende Ölpreise machen dem Unternehmen zu schaffen. Zudem knebelt eine hohe Abgabenlast an die Staatskasse den Konzern. Rund 40 Prozent steuert der Ölgigant zum mexikanischen Staatshaushalt bei. Jahrzehntelang war Pemex die wichtigste Devisenquelle des Landes und für Mexiko Quelle nationalen Stolzes.

Doch die Förderung fällt seit 14 Jahren kontinuierlich. 2004, im besten Jahr, förderte Pemex 3,3 Millionen Fass am Tag. Derzeit sind es nur noch 1,7 Millionen Fass. 2017 häufte der Staatsbetrieb dafür 16,3 Milliarden Dollar an Verlusten an, 74 Prozent mehr als im Jahr davor.

„Die Finanzlage von Pemex hat sich in den vergangenen Jahren aufgrund eines deutlichen Rückgangs seiner Einkünfte deutlich verschlechtert“, schreibt das zum mexikanischen Senat gehörende Forschungsinstitut Belisario Domínguez in einer Studie zur Energiereform. Die Ratingagentur Fitch stufte die Kreditwürdigkeit von Pemex im Oktober entsprechend von stabil auf negativ herunter.

López Obrador hat sich vorgenommen, den Verfall von Pemex aufzuhalten und das Unternehmen wieder zu alter Blüte zu bringen. „Pemex wird mehr Geld haben, und in ein paar Tagen werden wir an zehn neuen Ölquellen die Förderung beginnen sowie versiegende Quellen reaktivieren“, betonte AMLO. In den kommenden Jahren soll die Fördermenge wieder 2,4 Millionen Fass pro Tag erreichen. Der Linkspräsident erhofft sich davon, an die erfolgreichen 80er Jahre anzuknüpfen. Damals erlebte der Konzern eine Hochphase und war fast alleine für die Deviseneinkünfte Mexikos verantwortlich.

AMLO ist ein Gegner der Energiereform von Peña Nieto, der den Sektor 2014 für private Investitionen öffnete. Seither sind 111 Lizenzen für die Suche und Ausbeutung von Öl- und Gasfeldern vergeben worden. Das italienische Energieunternehmen ENI war das erste, das im März 2017 im Golf von Mexiko auf Öl gestoßen ist. Bezeichnenderweise hatte zuvor Pemex an gleicher Stelle schon gesucht, die Suche aber wegen fehlender technischer Möglichkeiten und Geldmangels aufgegeben.

Dennoch bleibt der neue Präsident kritisch gegenüber der Privatinitiative. „Mit den vielen Verträgen ist bisher nicht ein Fass mehr an Öl gefördert worden“, versichert AMLO. „Wir können nicht einfach weiterhin Felder abgeben, wenn nicht investiert und vor allem nicht gefördert wird.“ Der Präsident verlangt von den Multis, spätestens in drei Jahren die ersten Barrel Öl zu fördern. „Am liebsten aber würde der Präsident die Privatwirtschaft davonjagen“, ist sich der Ölanalyst Shields sicher.

Andere Experten sehen in Mexikos Ölmarkt Platz für ein starkes Pemex und private Förderer. „Ein Nebeneinander von einem großen Pemex und großen privaten Energieunternehmen ist denkbar,“ sagt Jeremy Martin, Energie-Spezialist beim Thinktank „Institute of the Americas“ mit Sitz in Kalifornien. Das funktioniere ja auch in Brasilien, wo der Staatskonzern Petrobras einen großen Anteil an der Förderung habe und gleichzeitig privates Engagement existiere.

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