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Lukaschenko vor Wiederwahl in Weißrussland Mr. Schrumpfkopf bittet zur Wahl

Europas letzter Diktator will an diesem Sonntag für weitere fünf Jahre zum Präsidenten Weißrusslands gewählt werden. Eine Besonderheit zeichnet ihn aus.
11.10.2015 - 08:21 Uhr 2 Kommentare
Der Machthaber in Minsk regiert sein Land mit harter Hand. Quelle: dpa
Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko

Der Machthaber in Minsk regiert sein Land mit harter Hand.

(Foto: dpa)

Berlin Alexander Lukaschenko ist der einzige Staatschef, der - ganz ohne Fotografentricks - mit seiner Hand den Kopf verdecken kann. Das liegt daran, dass der Präsident Weißrusslands enorme Pranken hat und ein extrem kleines Haupt. Seit 1994 beherrscht er den Agrarstaat diktatorisch und dass er es nach dem Wahltag an diesem Sonntag für weitere fünf Jahre tun wird, daran zweifelt niemand.

Nur eine Hürde gibt es: mindestens jeder Wahlberechtigte Weissrusse muss an die Wahlurne gehen, sonst wäre die Wahl ungültig. "Bei der Wahlbeteiligung wird er auf Nummer sicher gehen und im Zweifelsfall wohl auch fälschen lassen", sagt Michal Janczuk, einer der wenigen in der Hauptstadt Minsk noch gebliebenen unabhängigen Journalisten. Den meisten kritischen Medien hat Lukaschenko mit seinem brutalen Machtapparat längst den Garaus gemacht.

Lukaschenko, der sein verbliebenes Haupthaar streng von der Seite über die Platte kämmt, ist ein Phänomen: der 61-Jährige regiert so lange wie niemand sonst in Europa - seit 1994. Mit diktatorischen Mitteln, politischen Morden an Oppositionellen und ehemaligen Weggefährten, der Ausschaltung der freien Presse und der weitgehenden Kujunierung der Privatwirtschaft hält er sich im Amt.

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    Umfragen sehen ihn aktuell bei knapp 60 Prozent. Das dürfte "Batka", wie die Weißrussen ihn als "Vaeterchen" teils ehrfurchtsvoll teils verächtlich bezeichnen, kaum reichen. Und so wird Wahlfälschung wahrscheinlich.

    Die letzten Diktatoren der Welt
    Alexander Lukaschenko
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    Alexander Lukaschenko, Präsident von Weißrussland

    Der 58 Jahre alte weißrussische Präsident gilt als letzter Diktator eines europäischen Staates. Er studierte Agrarwissenschaft an der Landwirtschaftsakademie in Horki sowie Geschichte an der Pädagogischen Hochschule in Mahiljou. Schon seit seiner Wahl 1994 hat er die Presse sofort massiv beschnitten und die Opposition brutal unterdrückt. Das Land ist bitterarm und verkam unter seiner Führung einem gigantischen, ineffizienten Staatsbetrieb, an dem er sich selbst bereichert. Auf die Missstände reagiert Lukaschenko mit seiner eigenen Logik. So versucht er mit einem Gesetz, das es den Weißrussen verbietet, ihren Beruf aufzugeben und ins Ausland zu ziehen den massenweisen Wegzug von Arbeitskräften zu verhindern, die wegen der niedrigen Löhne in ihrem Land nach Russland gehen.

    (Foto: dpa)
    Baschar el Assad in Damaskus
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    Bashar al-Assad, Präsident von Syrien

    Eigentlich sollte er gar nicht Präsident werden. Doch als der ältere Sohn des syrischen Machthabers Hafiz al-Assad, Basil, bei einem Autobombenanschlag 1994 ums Leben kam, rückte die Nummer zwei in der dynastie-ähnlichen Rangfolge der alawitischen Herrscherfamilie auf. So galt der 47-Jährige lange Zeit als Pragmatiker, auf den die syrische Bevölkerung nach dem Tod von Hafiz im Jahr 2000 viel Hoffnung auf Modernisierung legten.

    Doch die Hoffnung war vergebens. Mittlerweile versinkt Syrien im Bürgerkrieg, dem über 100.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Eine der Auseinandersetzungen ist nicht in Sicht. Im Gegensatz zu Libyen oder Ägypten reagiert die internationale Gemeinschaft im Fall Syrien zögerlich. Zu heterogen ist der Aufstand und zu groß islamistische Terroristen zu unterstützen.

    (Foto: dpa)
    huGO-BildID: 32183661 Zimbabwean President Robert Mugabe addresses a press conference at State House in Harare, Tuesday, July 30, 2013. Zimbabwe&a
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    Robert Mugabe, Präsident von Simbabwe

    Mugabe kam 1924 in der Kleinstadt Fort Victoria (heute Masvingo) im Südosten Simbabwes zur Welt. Der streng erzogene Katholik nimmt es mit der Nächstenliebe nicht so genau. Hetzkampagnen gegen Homosexuelle und die Unterstützung der Demokratischen Republik Kongo im Zweiten Kongo-Krieg stehen auf seiner Haben-Liste. Aufgrund seiner zahlreichen Menschenrechtsverletzungen ist ihm die Einreise in die Europäische Union mit Ausnahme des Vatikanstaates verboten.

    (Foto: ap)
    President of Turkmenistan Gurbanguly Berdimuhamedow visits Moldov
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    Gurbanguly Berdimuhamedow, Präsident von Turkmenistan

    Er zeigt, was er hat: Dazu gehören bei Turkmenistans Präsident zahlreiche Erfolge bei Autorennen, der Besitz des siebten Dan im Taekwondo und des schwarzen Gürtels (Karate) sowie die Möglichkeit, sich Sängerin Jennifer Lopez für ein Geburtstagsständchen zu engagieren, für das die US-Amerikanerin massive Kritik kassierte. Berdimuhamedow (links) übernahm die Staatsgeschäfte nach dem Tod des diktatorisch regierenden Staatsoberhauptes Saparmyrat Nyýazow. Bei den letzten Wahlen im vergangenen Jahr wurde er mit 97,14 Prozent wiedergewählt – Oppositionsparteien waren allerdings nicht zugelassen.

    (Foto: dpa)
    File photo shows North Korean leader Kim Jong-un, with his uncle Jang Song-thaek in Pyongyang
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    Kim Jong-Un, Staatsoberhaupt in Nordkorea

    Der junge Mann rechts ist Kim Jong-Un, diktatorischer Alleinherrscher in Nordkorea. Der ältere Herr rechts ist tot – und der Onkel von Kim Jong-Un. Getötet wurde er von seinem Neffen – also diesem jungen Mann in schwarz. Angeblich strebte der Onkel eine Putsch an. Mit diesem harten Vorgehen bewies Kim Jong-Un einmal mehr, dass Nordkorea von einer Öffnung oder Demokratisierung noch Lichtjahre entfernt ist.

    (Foto: Reuters)
    theodoro obiang_imago
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    Theodoro Obiang, Präsident von Äquatorialguinea

    Und gleich noch einer, der seinen Onkel töten ließ. Theodoro Obiang, 1979 Kommandeur der Streitkräfte in Äquatorialguinea, stürzte mit einem Putsch das damals regierende Staatsoberhaupt Francisco Macías Nguema – Obiangs Onkel. Nach dem erfolgreichen Putsch unterschrieb Obiang das Todesurteil für seinen Onkel. Seit 1979 ist Obiang nun Staatsoberhaupt. Bei den letzten Wahlen im Jahr 2009 erhielt Obiang nach offiziellen Ergebnissen rund 95,4 Prozent der Stimmen. Zahlreiche Menschenrechtsgruppen werfen dem 71-jährigen Wahlbetrug vor.

    Laos President visits South Korea
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    Choummaly Sayasone, Präsident von Laos

    Laos gehört nicht zu den grausamen Diktaturen, doch die Regierungsform ist alles andere als demokratisch. In Laos regiert nämlich nur eine Partei und zwar die Laotische Revolutionäre Volkspartei. Sie stellt das Staatsoberhaupt, das wiederrum ernennt Minister und andere Untergebene. Gesetze werden von Nationalversammlung erarbeitet, wobei sich die Nationalversammlung ausschließlich aus Parteimitgliedern der Laotischen Volkspartei zusammensetzt, die in mehr oder weniger freien Wahlen für einen Zeitraum von fünf Jahren gewählt werden.

    (Foto: dpa)

    Die Wirtschaftslage ist momentan auch so schlecht, dass die Zustimmung schwindet. Und so musste sich der frühere Polit-Truk der sowjetischen Grenztruppen und spätere Sowchosen-Direktor etwas einfallen lassen. Ende August ließ er überraschend sechs nach durch Rechtsbeugung verurteilte Oppositionelle frei.

    Denn Lukaschenko will wieder etwas enger an die EU heranrobben, die das Regime wegen der Wahlfälschungen und der Unterdrückung der Opposition mit Sanktionen belegt hat. Der weißrussische Rubel ist binnen eines Jahre um 40 % gefallen.

    Er gilt als Europas „letzter Diktator“. Quelle: Reuters
    Alexander Lukaschenko

    Er gilt als Europas „letzter Diktator“.

    (Foto: Reuters)

    Der Mann mit Händen wie Schraubstöcken will mit seiner Hinwendung nach Europa nicht in Russlands Schraubstock zerquetscht werden: Moskau, Haupthandelspartner der Weißrussen und Lieferant des so dringend benötigten subventionierten russischen Öls, will "Batka" nur noch unter die Arme greifen, wenn der auch die letzten Minsk verbliebenen strategischen Unternehmensbeteiligungen herausrückt. Im vorigen Jahr gab es einen bemerkenswerten Machtkampf um Belarus' Kalikonzern, mitsamt Beugehaft für den Firmenboss.

    Lukaschenko legte sich zuletzt öffentlich mit dem Kreml an, als Russland völkerrechtswidrig  die ukrainische Halbinsel Krim annektierte. Da warf der weißrussische Präsident seinem Kollegen Wladimir Putin vor, Nachbarstaaten mit großen russischen Minderheiten zu bedrohen.

    Hüter der Stabilität?
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    2 Kommentare zu "Lukaschenko vor Wiederwahl in Weißrussland: Mr. Schrumpfkopf bittet zur Wahl"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Man mag über Lukaschenko denken wie man will, aber "Mr. Schrumpfkopf" gehört definitiv nicht in das Vokabular eines für das Handelsblatt schreibenden Journalisten. Herr Brüggmann, das ist aller unterstes Niveau, ganz zu schweigen, dass es auch respektlos und nicht neutral ist.

    • Mathias Brüggmann

      Schreiberling und journalistische Dreckschleuder!

      Kann verstehen, dass man solche Typen entweder nicht ins Land läßt oder einfach rausschmeißt. Das Gekotze enthält nichts, was einen Rückschluß auf den s.g. "Schrumpfkopf" zuläßt.

      Hier hätte das HB-Männchen mal wirklich was zu zensieren, wenn da nicht der doppelte Massstab wäre!

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