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Lungenkrankheit Wie das Coronavirus China und der Wirtschaft weltweit schadet

Die Ausbreitung des Coronavirus könnte das Wachstum Chinas weiter drücken. Doch schwächelt China, schwächelt auch die Weltwirtschaft. Der Service-Sektor ist besonders betroffen.
28.01.2020 Update: 28.01.2020 - 19:12 Uhr Kommentieren
Die internationalen Handelsplätze reagierten nervös auf die Ausbreitung des Coronavirus. Quelle: AFP
Börse Tokio

Die internationalen Handelsplätze reagierten nervös auf die Ausbreitung des Coronavirus.

(Foto: AFP)

Peking Die täglich neuen Fälle von Patienten, die sich mit dem Coronavirus anstecken, und die vielen Toten wecken in China böse Erinnerungen an einen alten Bekannten: Sars. Die Folgen der ansteckenden Lungenkrankheit, die 2002 in China ausbrach, gelten auch 17 Jahre später noch als größter anzunehmender Unfall für die Volkswirtschaft. Vor allem in Hongkong – weit vor den Auswirkungen etwa von Protesten in der Metropole oder dem Handelsstreit mit den USA.

Durch Sars brach der Einzelhandel ein, Touristen blieben zuhause, die Hongkonger Wirtschaft rutschte sogar in die Rezession. Auf insgesamt 30 Milliarden US-Dollar wurde der globale Schaden durch die Lungenkrankheit, die fast 800 Todesopfer weltweit forderte, damals geschätzt.

Ökonomen befürchten jetzt einen ähnlich negativen Effekt für die chinesische und die globale Wirtschaft. Wie groß diese sind, hängt natürlich von der weiteren Verbreitung des Virus ab“, sagte Clemens Fuest, Chef des Münchener Ifo-Instituts, dem Handelsblatt. Entwickle sich die Lage ähnlich wie im Fall des Sars-Virus im Jahr 2003, könnte sich das „Wachstum in China um einen Prozentpunkt reduzieren, in ganz Südostasien um einen halben Prozentpunkt“.

„Der Ausbruch des neuen Coronavirus (NCV) beziehungsweise die Maßnahmen zu seiner Eindämmung haben bereits deutliche Auswirkungen in China, vor allem auf den Einzelhandel und den Reiseverkehr“, sagte auch Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Sollte die Ausbreitung des NCV nicht bald gestoppt werden, ist mit einer spürbaren Verlangsamung der wirtschaftlichen Expansion in China zu rechnen.“

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    Mit dem Coronavirus, der dem Sars-Erreger ähnelt, haben sich inzwischen weltweit mehr als 4500 Menschen angesteckt, mindestens 106 sind in China gestorben – und jeden Tag werden es deutlich mehr. Am Dienstag wurde der erste Fall in Deutschland bekannt.

    Zwar scheint das Coronavirus im Vergleich zum Sars-Erreger weniger aggressiv zu sein – es gibt gemessen an der Zahl der Infizierten bislang weniger Menschen, die an der Erkrankung gestorben sind. Allerdings ist die Weltwirtschaft heute viel verflochtener als noch vor 17 Jahren beim Ausbruch des Sars-Virus.

    Damals lag der Anteil des chinesischen Bruttoinlandproduktes an der weltweiten Wirtschaft bei noch nicht einmal fünf Prozent, heute sind es 16,5 Prozent. China ist damit auch maßgeblich dafür verantwortlich, wie stark die Wirtschaft weltweit insgesamt wächst.

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    Schwächelt Chinas Wachstum, schwächelt auch das Wachstum der Weltwirtschaft. Das Virus trifft die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in einer Phase, in der das Wachstum sich ohnehin bereits verlangsamt hat. Nach 6,6 Prozent im Jahr 2018 stieg die Wirtschaftsleistung im Vorjahr nur noch um 6,1 Prozent – und damit so verhalten wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Im Jahr 2007 waren es noch fast 15 Prozent.

    Die chinesische Regierung hält mit Stützungsmaßnahmen wie Steuernachlässen dagegen. Vor allem der nahezu ungebrochen wachsende Konsum der chinesischen Verbraucher half zuletzt, das Wachstum zu stabilisieren. In den vergangenen Jahren sind der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor immer stärker gewachsen und machen inzwischen mehr als 60 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsproduktes aus.

    Doch gerade dieser Service-Sektor leidet nun stark unter den Folgen des Coronavirus, im Fachjargon 2019-nCoV genannt. „Daher werden die Abwärtsrisiken für den Dienstleistungssektor bei der 2019-nCoV wahrscheinlich eine größere Belastung für die Gesamtwirtschaft darstellen als bei Sars“, heißt es in einer Analyse der Beratungsfirma Fitch Solutions.

    ie stärkere Abhängigkeit vom Dienstleistungssektor sowie die radikalere Reaktion der Zentralregierung in Peking führen nach Ansicht von Bert Hofmann, Direktor des East Asian Institute der National University in Singapur, dazu, dass „das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal einen Dämpfer bekommen wird“. Experten sehen das bislang oft prognostizierte Wachstum von 5,9 Prozent im Gesamtjahr als gefährdet an.

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    Auch die Chefökonomin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud Traud, erwartet, dass der Coronavirus Chinas Wirtschaft im ersten Quartal bremst. Genaue Effekte und das Ausmaß seien aber noch unklar. Zugute kommt dem Einzelhandel allerdings, so heißt es etwa in einer Einschätzung der US-Bank JP Morgan, dass immer mehr Chinesen online shoppen. Das könnte die Wirkung des Virus abfedern.

    Allein die Verlängerung der chinesischen Feiertage für das Neujahrsfest bis zum 2. Februar chinaweit und bis zum 9. Februar in Schanghai belastet die chinesische Wirtschaft. Mehr als 45 Millionen Chinesen in der vor allem von dem Virus betroffenen Provinz Hubei stehen de facto unter Quarantäne, die Regierung hat sämtliche Gruppenreisen im Inland und auch ins Ausland verboten.

    Schon jetzt ist sind die Auswirkungen auf die Realwirtschaft spürbar: Hotels in ganz China stornieren Reservierungen, Restaurants und Einkaufszentren bleiben geschlossen, die meisten Touristenattraktionen gesperrt.

    Tourismus zählt zu den großen Verlierern

    Die Aktien von Fluggesellschaften und Touristikunternehmen zählen deshalb zu den großen Verlierern der Entwicklung. Aber auch chinesische Handelsfirmen, Luxusaktien und der Ölpreis stehen unter Druck. Auto-Aktien sind ebenfalls chinasensibel. Die Millionenstadt Wuhan, in der der Virus zuerst auftrat, ist ein wichtiges Logistikzentrum für zahlreiche Zulieferer der Autoindustrie.

    Derzeit sind auch die Börsen in der Volksrepublik noch geschlossen. Die chinesische Regierung hatte aufgrund der Lungenkrankheit beschlossen, die Auszeit noch bis kommenden Montag zu verlängern.

    Die internationalen Handelsplätze reagierten dagegen zunächst sehr nervös. Am Montag gingen die US-amerikanischen Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 mit großen Verlusten aus dem Handel. Auch der Dax verlor in Frankfurt zum Wochenauftakt deutlich. Am Dienstag ging es an den Handelsplätzen wieder leicht aufwärts.

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    Chinas Behörden versuchen unterdessen Schadensbegrenzung. Chinas oberste Wertpapieraufsichtsbehörde rief am Dienstag in einer Mitteilung Wertpapierfirmen auf, ihre Anleger dazu anzuleiten, die Auswirkungen des Coronavirus „rational und objektiv“ zu bewerten und „sich an das Konzept der langfristigen Investitionen und der Wertanlage zu halten“.

    Ausländische Botschaften begannen Anfang der Woche damit, ihre Staatsbürger aus Wuhan auszufliegen. Aus Frankreich soll am Mittwoch ein erstes Flugzeug nach China starten, um Franzosen auszufliegen. Auch die japanische und die amerikanische Regierung wollten ihre Staatsbürger aus Wuhan holen. Der japanische Autohersteller Nissan und die französische PSA-Gruppe kündigten ebenfalls an, ihre Mitarbeiter auszufliegen.

    Doch auch über die Grenzen Wuhans hinaus reagieren Unternehmen und versuchen ihre Mitarbeiter zu schützen. Einige ausländische Firmen mit Filialen in China hielten ihre Mitarbeiter dazu an, von zuhause aus zu arbeiten, viele verschärften Hygienemaßnahmen. 

    Mehr: Das Virus hält die Börsen im Bann – Was Anleger jetzt wissen müssen.

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