Luxemburg Leaks Deutsche Firmen sparten mit Steuerdeals Millionen

Mit Hilfe Luxemburgs haben Konzerne offenbar Milliardenzahlungen gespart. Das Großherzogtum soll ihnen laut Medienberichten Steuern von unter einem Prozent genehmigt haben. Auch deutsche Unternehmen machen demnach mit.
Update: 06.11.2014 - 07:54 Uhr 31 Kommentare

Steuervermeidung mit staatlicher Hilfe

Steuervermeidung mit staatlicher Hilfe

BerlinGeheime Dokumente, nicht gezahlte Steuermilliarden und mittendrin deutsche Unternehmen: Ein Steuerskandal großen Ausmaßes kündigt sich an. Dabei geht es um Absprachen Luxemburgs mit Konzernen.

Deutsche und internationale Firmen vermeiden mit Unterstützung der Luxemburger Regierung offenbar Steuerzahlungen in Milliardenhöhe. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstagausgabe). Die Zeitung beruft sich in ihrem Vorabbericht auf die Auswertung von 28.000 Seiten geheimer Dokumente durch das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ).

Diese belegen demnach, dass die Luxemburger Behörden zum Teil äußerst komplizierte Finanzstrukturen genehmigten, die das Beratungsunternehmen Pricewaterhouse-Coopers (PwC) im Auftrag der Firmen entwickelt habe. Die Dokumente zeigten, wie zahlreiche internationale Unternehmen von dem System profitiert hätten, hieß es weiter.

Demnach wurden etwa über Niederlassungen in Luxemburg firmeninterne Kredite vergeben, wodurch sich die Steuerlast in anderen Staaten verringert habe. Zudem seien auch Fondsgesellschaften gegründet worden, die so konstruiert gewesen seien, dass bei Immobilienprojekten in mehreren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, kaum Steuern angefallen seien. Manche Firmen hätten aufgrund dieser Steuergestaltungen auf Gewinne teilweise weniger als ein Prozent Steuern gezahlt.

Profitiert hätten von diesem Vorgehen neben multinationalen Unternehmen wie Pepsico, Fedex, Procter & Gamble, Amazon und Ikea auch die deutschen Dax-Konzerne Deutsche Bank, Eon und Fresenius Medical Care (FMC). Die betroffenen Konzerne betonten dem Blatt zufolge, dass sie stets legal arbeiteten. Die Unternehmensberatung PwC habe erklärt, sie handele „in Übereinstimmung mit lokalen, europäischen und internationalen Steuergesetzen“.

Dem Bericht zufolge gründete die Deutsche Bank in Luxemburg und anderen Steueroasen Fondsgesellschaften. Die Fonds hätten Immobiliengeschäfte in Europa abgewickelt und seien so konstruiert, dass bei ihnen kaum Steuern anfielen, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Der Energieversorger Eon und der Gesundheitskonzern FMC hätten über Niederlassungen in Luxemburg firmeninterne Kredite vergeben.

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31 Kommentare zu "Luxemburg Leaks: Deutsche Firmen sparten mit Steuerdeals Millionen"

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  • Das Konstrukt EU war schon ein kluger Schachzug von Unternehmen und Banken, um Ihre Interessen direkt von eigenen Leuten vetreten zu lassen (Junker, Draghi etc.). Die legale Steuerhinterziehung ist aber politisch gewollt, durch gewählte Regierungen in den einzelnen Ländern.

    Und solange die Mehrheit etablierte / gut finanzierte Politiker wählt, dann zahlt halt der Geringverdiener die Steuern bei faktischer Steuerfraiheit der Großkonzerne. Am Ende ist es also doch wieder die Dummheit der Mehrheit, die ja bekanntlich unendlich ist, welche diesen Zustand will. Alternativen für Deutschland und die EU gibt es ja, jemseits der "demokratischen Partein", um die Interessen der Mehrheit durchzusetzen.

    Also vielelicht erstmal an die eigene Nase packen.

  • Wer solche legalen Steuerschlupflöcher mitten in Europa schafft wo so viele Staaten finanzielle Schwierigkeiten haben und Unternehmen so wie so immer weniger Steuern zahlen, hat in der Politik nichts zu suchen. Soll er sich in der Privatwirtschaft eine Stelle suchen und die Unternehmen beraten wie sie Steuern sparen können.

  • Ihre Argumentation ist zwar nachvollziehbar, hat aber einen entscheidenen Haken. Prinzipiell bin ich auch Ihrer Meinung, dass man Unternehmen möglichst wenig besteuern sollte. Und in DE sind die Steuern generell viel zu hoch. Problematisch ist dies jedoch, wenn dies nur für einige wenige "clevere" Unternehmen gilt, für die anderen jedoch nicht. Dann führt dies zu massiven Wettbewerbsverzerrungen. Sicher wollen auch Sie nicht, dass Unternehmen A keine bzw. kaum Steuern auf den Gewinn zahlt, während Unternehmen B aus derselben Branche seinen Gewinn voll versteuert.
    Als kleiner Freiberufler, der seine Steuern fast ausschließlich auf Projekten im Ausland erwirtschaftet, bekomme ich diese Unfairness massiv zu spüren. Häufig bin ich Projektleiter eines Teams und gleichzeitig der Einzige der durchschnittlich deutlich mehr als 35% seines Einkommens an den Staat abdrücken muss. Auffällig sind z. B. auch Unternehmen aus steuergünstigen osteurop. Ländern dieser unseligen EU, deren MA zwar in DE wohnen, während die Einnahmen aber z. B. über Sofia laufen. Die schlimmsten Steueroasen in der EU sind jedoch Zypern und Jersey. Gegen Leute, die nur 10% oder in Zypern neuerdings 12,5% Steuern auf ihren Gewinn zahlen, kann ich zumindest preislich nicht ankommen. Und dies gilt nicht nur für Ein-Mann Unternehmen, sondern für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen. Die EU lässt den Steuerbetrug für kleine und mittlere Unternehmen aus DE nicht zu, während er für alle anderen Unternehmen ermöglicht wird. Auch die deutschen Steuerbehörden drücken zumindest bei Ausländern beide Augen zu, wenn deren Einnahmen über Steueroasen laufen.

  • @ Dr. Hans Hausberger,
    "Anstand" in der Politik?
    Es wurde ein Bock zur Disposition gestellt und nun gärtnert er auch als solcher.

  • Da wird auch nichts passieren denn der Herr Juncker ist von keinem Bürger gewählt worden.

    Das geht ihm alles am Ar.... vorbei.

  • Herr Dr. Hans Hausberger ich schließe mich Ihren Zeilen und Forderung voll an. Sie haben es auf den Punkt gebracht. Allerdings füge ich noch folgendes dazu:
    Das hat dieser schmierige Kerl unter den Augen der anderen Europäer veranstaltet. Herr Schäuble und die Kanzlerin waren bestimmt nicht zu doof die Machen-schaften nicht zu erkennen, Sie haben(heimlich) das System Juncker unterstützt in dem sie geschwiegen haben und untätig waren. Ja, sie sind bei den Konzernen beliebt und verstehen sich darauf, andere Steuer-paradiese ausserhalb der EU aufs Korn zu nehmen. Leider
    versteht der Michel nicht, das er die Böcke zu Gärtnern
    macht. Es ist doch sehr lieb von Herrn Juncker, das er jetzt nicht sein Amt missbrauchen will. Richtig anständig.

  • Sie haben vollkommen Recht. Auch die mediale Hatz auf einige Prominente, die Kapitalerträge in der Schweiz nicht ordnungsgemäß deklariert haben, diente nur dazu, das Volk gefügiger zu machen. Es ging auch immer nur um die Schweiz, weil die nicht in der EU ist. Kaum ist es für die Bürger schwieriger geworden, Geld vor dem Fiskus im Ausland zu verstecken, schreit die Politeska ja schon wieder nach Steuererhöhungen, weil man sich nun endlich über die private Altersvorsorge der Bürger hermachen will.
    Bei Großunternehmen und anderen, die halt gleicher sind, unterstüten unsere Politiker Steuervermeidung und auch Steuerhinterziehung. Auch als kleiner Selbständiger bin ich ein Unternehmen. Aber ich werde dermaßen geprüft und überwacht, dass ich manchmal den Eindruck habe, dass alleine drei Leute nur für mich bei den Finanzbehörden tätig sind.
    Meine ausländischen Konkurrenten (ich erwirtschafte meine Steuern hauptsächlich im Ausland) lassen ihre Einnahmen dagegen über Umbrella-Firmen auf Zypern laufen und können mich daher locker preislich unterbieten. Und selbst die SPD und die Grünen, denen es ja angeblich um Steuergerechtigkeit geht (lol), haben dafür gestimmt, diese Steueroase u. a. mit meinen exorbitanten Steuergeldzahlungen zu retten und so den Steuerbetrug weiter zu fördern. Verantwortungslose wenn nicht gar kriminelle Politiker sitzen also nicht nur in Luxemburg, sondern auch bei uns im BT.

  • Es ist schon etwas bedenklich, wie man mit den richtigen Stichworten den Mob (leider in diesem hier sonst doch differenzierteren Forum) loslassen kann.

    Das man auf diese Art Steuern senken kann ist absolut nichts Neues und jeder weiss es! So sehr ich es verurteile dass Juncker offen zugibt zu lügen, wenn es opportun ist... da ist jetzt nichts besonderes dran.

    Noch was: wenn wir es zulassen das unsere Infrastruktur verfällt, dann weil wir unsere AUsgabenstruktur nicht im Griff haben, weil unsere Politik lieber das Geld ihrer Clientel zuschiebt. Wir haben seit Jahren jetzt hohe Rekordsteuereinnahmen und sobald Geld da war, wurde es für alles andere ausgegeben nur nicht für die Themen, die dann mit Krokodilstränen in die Öffentlichkeit gebracht werden.

    Zudem ist es ein Trugschluss zu glauben, dass die Unternehmenssteuer wirklich wesentlich den Staat finanzieren würde, im Gegenteil, sie ist hochgefährlich!

    Gewinnerwartung ist der Grund für Geschäftstätigkeit, diese zu reduzieren (besteuern) gefährdet den Gesamtumsatz. Wenn also z.B. ca. 10 % des Umsatz mit sagen wir 30 % besteuert werden, ist eben fast ein Drittel des Grunds für die Geschäftstätigkeit weg, und das für ungefähr 3% vom Umsatz! Richtig Geld verdient der Staat aber mit Beschäftigung, und zwar über die Abgaben und Steuern eben der Beschäftigten, das sind dann fast 90% des Umsatzes, sagen wir ca. 80 %, davon gehen dann der bekannte Anteil der Sozialabgaben an die Staatskasse, dann die Einkommenssteuer und vom Rest geht der Beschäftigte im Wesentlichen konsumieren (Mehrwertsteuer und weitere Beschäftigung), also können wir locker davon ausgehen, dass von den 80 % mehr als die Hälfte beim Staat landet. Insofern bin ich mir nicht sicher, ob diese Art der Steuervermeidung nicht nur durch die Dummheit unseres Steuersystems kommt, weil unsere Politiker dem Mob sowas nicht erklären können (falls sie es selber verstehen sollten), oder ob diese Steuervermeidung in Luxemburg nicht unterm Strich sogar hilfreich war.

  • Juncker (notfalls muß man eben lügen) hat bereits das Lügen in der EU hoffähig gemacht; dies ist schon schlimm genug, aber mit seinem Zwergstaat trieb er die Steuertrickserei für Unternehmen zur Perfektion.

    An allen Ecken und Enden fehlt den jeweiligen Regierungen das Geld für Schulen und Straßenbau, doch Juncker fällt nichts besseres ein, als sich den unsozialen Steuerminimierern anzubiedern; über die Kaimaninseln schimpfen und selbst die größte Steueroase der Welt etablieren.

    Juncker spiegelt die verabscheuungswürdige Moral in der EU wider, der Mann hat wirklich jeden Kredit verspielt und muß sofort zurücktreten.

  • Es wäre ja auch ein Wunder, wenn da nicht JCJ die Finger im Spiel hätte. Der man ist die personalisierte Kriminalität.
    Aber bevor auf steuersparende Unternehmen gezeigt wird, müssen erst mal die steuerverschwendenden Beamten verurteilt werden.
    Die Steuerverschwendung ist die große Schwester der Steuerhinterziehung.

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