Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Machtkampf in Venezuela Juan Guaidó: Revolutionär ohne Revolution

Der selbsternannte Präsident Venezuelas will den Despoten Maduro stürzen. Guaidó läuft die Zeit davon: Die Revolution lässt sich nicht herbeireden.
Kommentieren
Der selbst ernannte Präsident Venezuelas gilt als charismatisch und wird häufig mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama verglichen. Quelle: AFP
Juan Guaido

Der selbst ernannte Präsident Venezuelas gilt als charismatisch und wird häufig mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama verglichen.

(Foto: AFP)

SalvadorSo könnten südamerikanische Revolutionen beginnen: Am Dienstagmorgen, 5.55 Uhr, veröffentlicht Juan Guaidó seine erste Twitternachricht: Die Endphase der Operation Freiheit habe begonnen, sagt der selbst ernannte Präsident Venezuelas. Gemeinsam mit übergelaufenen Militärs werde man jetzt den Despoten Nicolás Maduro stürzen.

Als die ersten Sonnenstrahlen das Hochtal von Caracas beleuchten, staunen die Venezolaner: An der Seite Guaidós, wie immer im blauem Anzug mit weißem Hemd, steht Leopoldo López, Ziehvater Guaidós, der seine 14-jährige Gefängnisstrafe zu Hause absitzt.

Er gilt als der natürliche Präsidentschaftskandidat der Opposition bei Neuwahlen. Seine Bewacher vom berüchtigten Geheimdienst Sebin haben ihn freigelassen. Ein Beweis, dass dem Diktator Maduro die Kontrolle über seinen Repressionsapparat entgleitet?

Dafür sprechen auch die schwerbewaffneten Militärs, die an der Seite Guaidós in Stellung gehen. Doch schon am Abend des gleichen Tages folgt die Enttäuschung: Maduro zeigt sich siegessicher im Fernsehen, keine weiteren Militärs sind desertiert.

Die zwei Dutzend übergelaufenen Soldaten an der Seite Guaidós suchen Schutz in der brasilianischen Botschaft. López selbst hat sich ebenfalls mit seiner Familie in der Botschaft Spaniens verschanzt. Kein Zweifel: Ein zweites Mal ist der 35-jährige Guaidó krachend dabei gescheitert, den seit sechs Jahren regierenden Maduro aus dem Amt zu vertreiben.

Am 23. Januar dieses Jahres hatte sich der Wirtschaftsingenieur, Abgeordnete und Parlamentspräsident zum Interimspräsidenten ernannt, weil Maduro die Wahlen gefälscht hatte. Nach den USA erkannten ihn über 50 Staaten weltweit an als legitimen Präsidenten Venezuelas, darunter auch Deutschland. Woche für Woche gelang es dem jungen Politiker, den Despoten vor sich herzutreiben.

Mit seinem strahlenden Lächeln und seinem Charisma wird er oft mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama verglichen. „Si, se puede!“, „Ja, wir können!“, skandieren seine Fans – und meinen: Maduro ablösen. Doch dann scheiterte Guaidó Ende Februar bei dem Versuch, humanitäre Hilfe zu organisieren. Das Regime ließ die Trucks mit den Lebensmitteln nicht ins Land. Guaidó tingelte danach etwas verloren durch Südamerika, um Solidarität einzufordern.

Mangelnder Rückhalt

Beinahe wäre es dem Regime gelungen, ihn zu neutralisieren, wie ein halbes Dutzend Oppositionspolitiker zuvor. Am Ende konnte er nur mit Unterstützung europäischer Diplomaten wieder zurückkehren nach Caracas.

Jetzt scheint sein Rückhalt weiter zu schwinden. Die Menschen haben weder die Geduld noch den Mut, auf die Straße zu gehen. Und ihnen fehlt die Kraft. Überall fehlen Lebensmittel, es kommt zu tagelangen Stromausfällen, das Wasser wird immer knapper. Die Demonstranten werden von regierungsnahen Milizen beschossen. Busse und Metro fallen tagelang aus.

Zwar gilt Guaidó weiterhin als mutig und kühn. Doch die Zweifel nehmen zu, ob er tatsächlich ein guter Stratege ist und nicht nur ein improvisierender Politiker, der hofft, dass die Revolution kommt, wenn man sie nur herbeiredet.

Nun kommt es darauf an, ob es ihm gelingt, mit den Militärs zu verhandeln – mit Unterstützung der USA. Angeblich sollen führende Mitglieder der Junta bereits mit den USA über eine Ablösung Maduros verhandelt haben, erklärte jetzt John Bolton, der Sicherheitsberater Trumps.

Ob Guaidó gescheitert ist, lasse sich im Augenblick nicht beurteilen, sagt Luis Vicente León vom Umfrageinstitut Datanalisis in Caracas. Mit den Demonstrationen in dieser Woche habe er Maduro in jedem Fall unter Druck gesetzt.

Außerdem sei die Venezuelakrise wieder in den internationalen Fokus gerückt. Der Diktator sei gezwungen, die Repression gegen die eigenen Militärs zu erhöhen, um deren Reihen geschlossen zu halten. „Das ist ein ziemlicher Erfolg“, sagt León. „Jetzt müssen wir abwarten, ob die Saat aufgeht.“

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Machtkampf in Venezuela - Juan Guaidó: Revolutionär ohne Revolution

0 Kommentare zu "Machtkampf in Venezuela: Juan Guaidó: Revolutionär ohne Revolution"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote