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Machtkampf In Venezuela steht der Showdown zwischen Maduro und Guaidó unmittelbar bevor

Venezuela schließt am Freitagabend teilweise die Grenze zu Kolumbien. Übergangspräsident Guaidó verspricht dennoch, die humanitäre Hilfe ins Land zu bringen.
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Ein Mitglied der Nationalgarde kontrolliert an der Simon-Bolivar-International-Bridge den Grenzübergang nach Kolumbien. Quelle: AFP
Venezolanische Grenze

Ein Mitglied der Nationalgarde kontrolliert an der Simon-Bolivar-International-Bridge den Grenzübergang nach Kolumbien.

(Foto: AFP)

Cúcuta Der Showdown an der Grenze Venezuelas soll pünktlich um neun Uhr morgens beginnen. Friedlich, wie der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaidó versichert. Und legal.

An den vier offiziellen Grenzposten, die das kolumbianische Departement Norte de Santander mit dem venezolanischen Bundesstaat Táchira verbindet, werden am Samstagmorgen (Ortszeit) Vertreter der oppositionellen Nationalversammlung auf die auf venezolanischer Seite hermetisch verriegelte Grenze zugehen. In ihrem Rücken vermutlich Tausende Freiwillige, die Medikamente, medizinische Güter und Nahrungsmittel im wahrsten Sinne des Wortes über die Grenze tragen wollen.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Grenzübergang an der Tienditas-Brücke in Cúcuta, da könnte Guaidó an der Spitze stehen und sich den venezolanischen Sicherheitskräften entgegenstellen, um die Hilfe ins Land zu bekommen.

„Die Hürden, die uns heute die Diktatur aufbaut, werden morgen schon ein Fluss des Friedens, der Einheit und ein Fluss von Menschen sein, die Leben retten wollen“, sagt der Oppositionsführer am Freitagabend, als er überraschend zum Ende des Benefizkonzerts „Venezuela Aid Live “ auf der Bühne auftauchte und von Tausenden Zuschauern frenetisch gefeiert wurde.

Der Samstagmorgen wird der Moment der maximalen Spannung sein, wenn sich zeigen wird, welcher der beiden Männer Recht behält, die beide das Amt des Präsidenten von Venezuela für sich reklamieren. Der eine hat das Volk an seiner Seite, der andere hält noch die Macht in Händen. Zumindest die über die Militärs, denen in diesem Konflikt die entscheidende Rolle zukommt.

Guaidó schwört, er werde die Hilfe ins Land bringen, Machthaber Nicolás Maduro versichert, er werde diese „vergiftete“ Hilfe nicht hineinlassen. Vorsorglich ließ er am Freitagabend noch die Grenzübergänge zu Kolumbien im Bundesstaat Táchira vorübergehend schließen. Der Grund: Eine angebliche zu erwartende Aggression der USA und Kolumbiens.

Was am Samstag an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze passieren könnte, darauf gab es am Freitag einen kleinen Vorgeschmack – weit entfernt von Cúcuta, im Bundesstaat Bolívar im Süden Venezuelas an der Grenze zu Brasilien. Dort kamen zwei Ureinwohner ums Leben. Sie wurden vom venezolanischen Militär erschossen, als sie versuchten, die Soldaten an der Abriegelung der Grenze zu Brasilien zu hindern. Mindestens ein Dutzend weiterer Ureinwohner der Ethnie Pemona wurden verletzt.

Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und Sicherheitskräften

Im Verlaufe des Freitags kam es zu weiteren Auseinandersetzungen in den grenznahen Regionen zwischen Anwohnern und Sicherheitskräften. Die Menschen protestierten, weil sie die Schließung der Grenze zu Brasilien nicht akzeptieren wollen, wo sie sich mit den Dingen eindecken, die sie in Venezuela schon lange nicht mehr bekommen. Maduro hatte die Grenze zu Brasilien am Donnerstag schließen lassen. 

Guaidós Auftritt am Freitagabend in Cúcuta hatte etwas triumphierendes. „Wie sind hier, weil auch die Streitkräfte dafür gesorgt haben.“ Das Militär hatte ihn auf seinem Landweg vom 900 Kilometer entfernten Caracas nicht gestoppt und ihn trotz eines gerichtlich verfügten Ausreiseverbots nicht am Verlassen Venezuelas gehindert. Und so wie Guaidó sein Land am Freitag verlassen hat, will er am Samstag mit Essen, Medikamenten und Hygieneartikeln zurückkehren.

Vor einem Monat, am 23. Januar, hat sich der bis dahin völlig unbekannte Guaidó zum Präsidenten Venezuelas ausgerufen und ist seitdem von der halben Welt als „Presidente encargado“, als Überganspräsident, anerkannt worden. Selten ist ein Hinterbänkler eines Parlaments schneller zu einem Polit-Popstar aufgestiegen.

Auf dem 35-Jährigen ruht die Hoffnung von Millionen Venezolanern, die hungern oder an lebensbedrohlichen chronischen Krankheiten leiden. 300.000 Venezolaner seien vom Tode bedroht, wenn die Hilfe nicht ins Land komme, sagte Guaidó am Freitag in Cúcuta. Dort lagern 600 Tonnen Hilfsgüter, die in den vergangenen Tagen vor allem aus den USA mit Militärtransportern eingeflogen wurden. Auch in Boavista in Brasilien und auf der Karibikinsel Curaçao warten Hilfsmittel darauf, nach Venezuela gebracht zu werden.

Aber einstweilen mauert sich das Regime ein, das in Venezuela das Paradies eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ schaffen wollte. Es könnten die letzten Tage von 20 Jahren „Chavismus“ sein. Isoliert, pleite, von großen Teilen der Welt die Legitimität aberkannt und vom Volk verachtet weigern sich Maduro und sein engster Zirkel zu gehen.23901872

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