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Machtwechsel Komiker Selenski gewinnt Präsidentenwahl in der Ukraine

Machtwechsel mit TV-Star: Selenski hat die Stichwahl in der Ukraine gegen Poroschenko haushoch gewonnen. Moskau nennt es eine „krachende Niederlage“.
Update: 21.04.2019 - 21:11 Uhr Kommentieren
Der neue Präsident der Ukraine feiert mit seinen Anhängern und Konfettiregen. Quelle: Reuters
Wahlsieger Selinski

Der neue Präsident der Ukraine feiert mit seinen Anhängern und Konfettiregen.

(Foto: Reuters)

KiewDer Herausforderer Wolodimir Selenski hat die Präsidentschaftswahl in der Ukraine Nachwahlbefragungen zufolge deutlich gewonnen. Der Komiker kam in der Stichwahl vom Sonntag demnach auf etwa drei Viertel der Stimmen. Der Schauspieler und politische Quereinsteiger wertet seinen Sieg bei der Präsidentenwahl im Krisenland Ukraine als wegweisend für viele Länder.

„Alle Bürger in den postsowjetischen Ländern, schaut auf uns! Es ist möglich“, sagte der prowestliche Komiker nach Bekanntgabe erster Prognosen am Sonntag in Kiew. Er bedankte sich bei seiner Familie, seinen Wahlkampfteam und den Wählern für die Unterstützung. „Ich werde euch niemals hinters Licht führen“, sagte der 41-Jährige. Vor seinen jubelnden Anhängern küsste er seine Frau auf der Bühne.

Amtsinhaber Petro Poroschenko räumte seine Niederlage ein und gratulierte Selenski zum Sieg. „So gehört es sich. So ist es in demokratischen Ländern üblich“, sagte Poroschenko vor seinen Anhängern. Er bereit, Selenski im Zuge der Amtsübergabe zu unterstützen. Zugleich betonte er: „Ich verlasse das Amt, aber ich möchte deutlich unterstreichen, dass ich nicht die Politik verlasse“, sagte Poroschenko. Er werde weiter in der Politik bleiben und für die Ukraine kämpfen, sagte der 53-Jährige. Die Partei Poroschenkos hatte zuvor erklärt, nun die Parlamentswahl im Oktober in den Blick zu nehmen. „Wir brauchen gemeinsame Anstrengungen, um das Land zu verteidigen“, sagte Poroschenko

In einer der Nachwahlbefragungen kam Selenski auf 73,2 Prozent der Stimmen und Poroschenko auf 25,3 Prozent. Für die Umfrage des Kiewer Internationalen Institut der Soziologie und des Rasumkow-Zentrums wurden mehr als 13.000 Antworten an 300 Wahllokalen ausgewertet. Die Fehlerspanne wurde mit drei Prozentpunkten angegeben.

Moskau: „Krachende Niederlage“ für Poroschenko

Russland hat den Ausgang der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine als „krachende Niederlage“ für Amtsinhaber Petro Poroschenko bezeichnet. Es sei noch zu früh, mit dem Sieg des Schauspielers Wolodimir Selenski Hoffnungen zu verbinden, sagte der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow der Agentur Interfax zufolge am Sonntagabend. Aber Russland wünsche ihm, dass er ein eigenständiger Präsident eines unabhängigen Landes werden könne. Kossatschow ist Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, dem Oberhaus des Parlaments in Moskau.

Russland sieht Amtsinhaber Poroschenko als gesteuerten Politiker der USA, der Nato und von Teilen der EU. Die Abstimmung zeige, dass die Menschen sich mit ihren innenpolitischen Problemen beschäftigen wollten, sagte Kossatschow. Das Manöver Poroschenkos, mit einem russischen Feind von den inneren Schwierigkeiten abzulenken, sei gescheitert. Der Präsident hatte in seinem Wahlkampf immer wieder davor gewarnt, die Ukraine könne unter Kontrolle des russischen Präsidenten Wladimir Putin fallen. Der Ausgang der Stichwahl sei für Poroschenko „erniedrigend und beschämend“, meinte Kossatschow.

Selenski will Minsker Friedensplan umsetzen

In seiner neuen Position als Präsident der Ukraine will Selenski den Friedensplan für den umkämpften Osten wieder beleben. „Wir werden die Verhandlungen fortsetzen und bis zum Ende gehen, damit das Feuer eingestellt wird“, sagte er noch am Sonntagabend. Wichtigste Aufgabe sei es, seine Landsleute aus der Gefangenschaft aus Russland und der Ostukraine zu befreien.

Seit 2014 kämpfen in den Gebieten Donezk und Luhansk Regierungssoldaten gegen prorussische Separatisten. Rund 13.000 Menschen sind dabei nach UN-Angaben getötet worden. Der unter anderem durch deutsche Vermittlung ausgehandelte Minsker Friedensplan steckt seit Jahren fest. Die Gefechte dauern an, fast täglich sterben dort Menschen.

Gleichzeitig betonte Selenski, dass er die seit November in Russland festgehaltenen ukrainischen Seeleute so schnell wie möglich zurückholen wolle. Auch werde er sich für die Freilassung anderer ukrainischer Gefangener einsetzen. „Ich tue alles dafür, um unsere Jungs nach Hause zu holen. All unsere Gefangenen, ohne Ausnahme.“

Die Matrosen sitzen seit mehr als vier Monaten wegen angeblicher Grenzverletzung in einem Moskauer Gefängnis ein. Sie waren im Schwarzen Meer von der russischen Küstenwache gewaltsam gestoppt und festgesetzt worden. Die Regierung in Kiew sieht sie als Kriegsgefangene. Auch die Bundesregierung hat sich für die Freilassung der Männer eingesetzt.

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  • dpa
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