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Maha Vajiralongkorn Anteilseigner, Immobilienbesitzer, König: Wie Thailands Monarch enorme Wirtschaftsmacht anhäufte

Das Vermögen des thailändischen Königs macht mehr als ein Zehntel der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Seine Landsleute wollen das angesichts der harten Coronakrise nicht mehr hinnehmen.
02.12.2020 - 15:35 Uhr Kommentieren
Das Königspaar bei einem Empfang anlässlich des Jahrestags des Todes von König Vajiravudh Ende November. Quelle: AP
König Maha Vajiralongkorn mit Königin Suthida

Das Königspaar bei einem Empfang anlässlich des Jahrestags des Todes von König Vajiravudh Ende November.

(Foto: AP)

Bangkok Mit der Bank von König Maha Vajiralongkorn wollen die Regierungsgegner in Bangkok nichts mehr zu tun haben. Auf einer improvisierten Bühne vor dem Hauptsitz von Thailands ältestem Geldinstitut reißt ein Aktivist seine Kontounterlagen in kleine Stücke – als Symbol des Widerstands.

„Kündigt eure Kreditkarten bei der Bank und investiert kein Geld bei denen“, ruft er in Richtung mehrerer Tausend Kundgebungsteilnehmer vor den Glastürmen der Siam Commercial Bank, die seit ihrer Gründung zu den königlichen Besitztümern zählt. Die Aktivisten sind hierhergekommen, um ein klares Signal auszusenden: Sie wollen nicht nur den politischen Einfluss des umstrittenen Monarchen beschneiden, sondern auch seine wirtschaftliche Macht.

Thailands König, der seit seiner Thronbesteigung vor vier Jahren, einen Großteil seiner Zeit in Deutschland verbrachte, ist der mit Abstand reichste Mann des Landes. Mit seinem Milliardenvermögen und einem riesigen Grundstücksbesitz ist das 68 Jahre alte Staatsoberhaupt in dem Königreich ein zentraler Wirtschaftsfaktor und wird von Konzernchefs umworben.

Doch im Zuge einer seit Monaten andauernden Welle an Protesten, die eine Reform der Monarchie verlangen, stoßen auch die Verflechtungen zwischen Palast und Wirtschaft zunehmend auf Kritik.

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    Einen Einblick in die Welt von Thailands Elite gibt ein Video aus dem vergangenen Jahr. Es ist der Geburtstag des Königs, und zum Gratulieren kommt das Who's who von Thailands Milliardären: Dhanin Chearavanont, der Mann hinter Thailands größtem Konglomerat CP, Charoen Sirivadhanabhakdi, der einen der größten Getränkeproduzenten Südostasiens schuf, sowie die Chefin des Duty-free-Konzerns King Power, Aimon Srivaddhanaprabha.

    Wie es sich in Thailand gehört, knien selbst die Superreichen auf dem Boden nieder, wenn sie dem König gegenübertreten. Zur Geburtstagstradition gehört es auch, dass sie dem König einen Umschlag mit Bargeld überreichen.

    Es ist offensichtlich die Geste, die in dem Fall zählt. Denn nötig hat Maha Vajiralongkorn die Geldspenden nicht. Sein Vermögen wird auf mehr als 60 Milliarden Dollar geschätzt. Das entspricht mehr als einem Zehntel der gesamten thailändischen Wirtschaftsleistung. Der Monarch ist mit rund 23 Prozent größter Anteilseigner der Siam Commercial Bank und besitzt zudem auch ein Drittel der Aktien des ebenfalls börsennotierten Mischkonzerns Siam Cement Group.

    Ein geschminkter Teilnehmer einer regierungskritischen Demonstration hebt als Zeichen des Widerstands vor einer Polizeiabsperrung die Hand zum drei-Finger-Gruß. Quelle: dpa
    Proteste in Thailand

    Ein geschminkter Teilnehmer einer regierungskritischen Demonstration hebt als Zeichen des Widerstands vor einer Polizeiabsperrung die Hand zum drei-Finger-Gruß.

    (Foto: dpa)

    Dass der König persönlich in der Liste der Anteilseigner ganz oben steht, ist eine relativ neue Entwicklung: Früher wurden die Konzernanteile im Namen des sogenannten Crown Property Bureau (CPB) gehalten, einer Einrichtung zur Verwaltung des Palastvermögens. Thailands Behörden argumentierten, dass es sich dabei nicht um Privateigentum des Königs handele, sondern um nationale Besitztümer, die treuhänderisch verwaltet würden.

    Das änderte sich aber kurz nach Vajiralongkorns Thronbesteigung: Per Gesetzesänderung bekam der neue König volle Kontrolle über das CPB und absolute Verfügungsgewalt über die Vermögenswerte. Diese gelten seither als persönlicher Besitz des Königs.

    Diskutiert wurde die Vermögensübertragung in der Öffentlichkeit lange Zeit nicht: Kritische Äußerungen über das Königshaus waren in Thailand in den vergangenen Jahrzehnten ein Tabu – auch wegen eines strikten Majestätsbeleidigungsgesetzes, das breit ausgelegt wird und bei Verstößen bis zu 15 Jahre Haft vorsieht.

    Mittlerweile lässt sich jedoch eine vor allem von Studenten und Schülern angeführte Protestbewegung von der Androhung harter Strafen nicht mehr abschrecken. Seit Monaten fordern die Demokratieaktivisten bei Massenkundgebungen nicht nur den Rücktritt der vom Militär gestützten Regierung, sondern nehmen auch das Königshaus in den Fokus, in dem sie einen Verbündeten der Regierung sehen.

    Die Aktivisten fordern angesichts von Thailands derzeitiger Wirtschaftskrise unter anderem, die Ausgaben für den Palast aus dem Staatshaushalt zu reduzieren. Außerdem wollen sie Vermögenswerte des Königs wieder in Staatsbesitz überführen. Allein die Aktienpakete des Königs haben einen Wert von rund sieben Milliarden Dollar und brachten dem Staatsoberhaupt im vergangenen Jahr Dividendenausschüttungen von mehr als 350 Millionen Dollar.

    Immobiliendeals mit Thailands Milliardären

    Der Großteil des königlichen Vermögens liegt jedoch im Herzen Bangkoks. Bei einer Tour durch das Stadtzentrum ist es an beinahe jeder Ecke zu sehen. Auf dem Weg in das Geschäftsviertel sticht derzeit eine 167.000 Quadratmeter große Baustelle ins Auge.

    Entstehen soll hier mit einer Investitionssumme von rund vier Milliarden Dollar das größte private Immobilienprojekt in der Geschichte des Landes: ein neuer Stadtteil mit Hotels, Wohnhochhäusern und Einkaufszentren. Hinter dem Vorhaben steht der bei den königlichen Geburtstagsfeiern gern gesehene Milliardär Charoen Sirivadhanabhakdi. Er pachtete das Land für das Projekt direkt vom Königspalast.

    Während einer Kundgebung vor dem Hauptsitz der Siam Commercial Bank, einer Aktiengesellschaft, an der der thailändische König der größte Aktionär ist, schalten Demonstranten die Taschenlampen ihrer Smartphones an. Quelle: dpa
    Proteste in Thailand

    Während einer Kundgebung vor dem Hauptsitz der Siam Commercial Bank, einer Aktiengesellschaft, an der der thailändische König der größte Aktionär ist, schalten Demonstranten die Taschenlampen ihrer Smartphones an.

    (Foto: dpa)

    Dass König Vajiralongkorn mit seinem Crown Property Bureau bei wichtigen Immobilienprojekten in Bangkok mitspielt, ist nicht ungewöhnlich: Er besitzt insgesamt 14 Quadratkilometer Grund in der Hauptstadt, zu großen Teilen in den besten Lagen – die Fläche entspricht fast dem anderthalbfachen des Berliner Stadtteils Kreuzberg.

    Erhebliche Teile sind aus sozialen Gesichtspunkten billig an bedürftige Familien vergeben. Auf den königlichen Flächen findet man aber auch die bekanntesten Shopping-Malls der Stadt, noble Hotels und Wohnhochhäuser – die Vertragspartner des Crown Property Bureaus gehören dabei regelmäßig zu den reichsten Personen des Landes.

    Wie viel die Ländereien des Königs wert sind, lässt sich nur schätzen. Der Ökonom Porphant Ouyyanont legte dazu die maßgebliche Forschung vor. Er kam auf einen Grundstückswert von 34 Milliarden Dollar im Jahr 2014. Seitdem sind Bangkoks Grundstückspreise aber um mehr als zwei Drittel gestiegen. Hinzu kommen 50 Quadratkilometer Grund außerhalb Bangkoks, für die kein Schätzwert vorliegt – und auch eine Villa am Starnberger See, die der König lange bewohnte.

    Um diese Immobilie macht man sich nun auch in Berlin Gedanken: Die Opposition macht Druck auf die Bundesregierung, den umstrittenen König nicht länger als Dauergast in Bayern zu akzeptieren.

    In einer rechtlichen Analyse der Situation kommt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags aber zu der Auffassung, dass eine Einreisesperre für den König fragwürdig sei – nicht nur wegen des zu erwartenden politischen Eklats – sondern dies „der faktischen Enteignung des Eigentümers einer Villa am Starnberger See“ gleichkäme.

    Mehr: Massenproteste treffen Thailands Wirtschaft hart.

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