Manuel Valls Frankreichs Ex-Regierungschef will Bürgermeister Barcelonas werden

Der frühere französische Regierungschef Manuel Valls stellt sich in seiner Geburtsstadt Barcelona zur Wahl des Bürgermeisters. Ein Novum.
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Eine neue Karriere in einem anderen Land. Quelle: AFP
Manuel Valls

Eine neue Karriere in einem anderen Land.

(Foto: AFP)

Paris, MadridFür Frankreichs früheren Regierungschef Manuel Valls ist es eine Rückkehr in seine Geburtsstadt: Er möchte Bürgermeister von Barcelona werden. Es ist ein Novum, noch nie versuchte ein Ex-Premier eine neue Karriere in einem anderen EU-Land. Im vergangenen April bat ihn die liberale Partei Ciudadanos, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Ciudadanos ist stärkste Partei Kataloniens und schärfster Gegner der Separatisten. Valls ist ein idealer Kandidat, sah schon als Premier die Unabhängigkeit Kataloniens als Gefahr für Spanien und Europa.

In den vergangenen Monaten lotete der Sohn eines Katalanen und einer Schweizerin mit Vertretern aus Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft seine Chancen aus. Häufig ist der perfekt, wenn auch mit französischem Akzent Katalanisch und Spanisch Sprechende in der Öffentlichkeit aufgetreten, fast immer ging es um die Zukunft von Spanien und Europa.

Im Sommer machte er Schlagzeilen, als seine Beziehung zu der reichen Pharma-Erbin Susana Gallardo bekannt wurde. Sie ist wie Valls eine entschiedene Gegnerin der Separatisten. Die stehen für knapp die Hälfte der katalanischen Wähler, beherrschen aber den öffentlichen Raum und viele regionale Medien. Sie denunzieren ihre Gegner gerne als „spanische Nationalisten“ oder gleich als „Faschisten“. Umso dankbarer sind die Gegner der Unabhängigkeit.

Der französische Sozialist Valls, der bei der Einbürgerung 1982 seine spanische Staatsbürgerschaft abgeben musste, findet deutliche Worte: „Würde Katalonien unabhängig, wäre das auf gewisse Weise das Ende von Europa.“ Mit Valls entsteht eine neue Dynamik: Wer den Separatismus ablehnt, ist nicht zwangsläufig rechts.

Erst am Dienstagabend wollte der 56-Jährige seine Kandidatur offiziell bekanntgeben. In Paris, wo er als Mitglied der Fraktion von „La République en Marche“ im Parlament sitzt, wie auch in Barcelona gilt schon länger als sicher, dass er den Wechsel anstrebt. Während es in Paris Forderungen hagelt, Valls müsse sein Parlamentsmandat abgeben, schießen sich in Barcelona die politischen Gegner ein.

Die scheinen ihn nicht ernst zu nehmen, stellen ihn als Deppen dar, der nicht einmal weiß, dass Barcelona am Meer liegt. Und die Sprecherin der Linkspartei Catalunya en Comú ereifert sich: „Niemand soll denken, dass Barcelona Zufluchtsort für eine gescheiterte Karriere wie die von Herrn Valls ist.“ Der ist härtere Konflikte gewöhnt. Nach den Terroranschlägen in Paris kritisierte er „die Apartheid in den Banlieues“, sah Frankreich aber auch „im Krieg“.

Die Kandidatur hat für Valls wohl auch einen wenig politischen Grund: Er ist glühender Fan des FC Barcelona.

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