Mario Draghi Was Axel Webers Konkurrenten um die EZB-Spitze antreibt

Mario Draghis Kunst ist die Geräuschlosigkeit, mit der er seine Pläne umsetzt. Sie könnte Italiens Notenbankchef nun in eines der höchsten Ämter bringen, das die Finanzwelt zu vergeben hat: Präsident der Europäischen Zentralbank. Denn sein deutscher Konkurrent Axel Weber, lange der Favorit, verliert Rückhalt.
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Italiens Notenbankchef Mario Draghi Quelle: Reuters

Italiens Notenbankchef Mario Draghi

(Foto: Reuters)

ROM. Es heißt, der Governatore sei nicht im Haus, er habe seine Reisepläne ändern müssen, es sei nicht klar, wann er noch Rom zurückkehre. Mit der Presse werde er aber ohnehin nicht sprechen. Es ist 17 Uhr an diesem Tag, als vor einem herrschaftlichen Bau in der Via Nazionale die Wächter eine steingraue Dienstlimousine mit dunklen Scheiben durch die Sicherheitsschranke winken. Es heißt, Mario Draghi sei sehr zurückhaltend, er rede wenig. Doch wer ihn mal im kleineren Kreis erlebt hat, konnte einen selbstbewussten Mann kennenlernen, der sich zu verkaufen weiß.

Draghi, so streut es sein Umfeld, habe ja schon so viel erreicht. Chef der Notenbank Italiens, die Aufgabe erfülle ihn, er müsse nichts mehr werden. Doch Menschen die ihn besser kennen sagen: er wolle, unbedingt. Mario Draghi ist es gewohnt, die Dinge auf seine Weise zu tun, geräuschlos wie ein Phantom. Und seit ein paar Tagen sieht es so aus, als könnte ihm diese Angewohnheit den Weg in eines der wichtigsten Ämter öffnen, das die Finanzwelt zu vergeben hat.

In ein paar Monaten wird Jean-Claude Trichet als Präsident der Europäischen Zentralbank, EZB, aufhören. Es gibt zwei Kandidaten. Einen Deutschen, einen Italiener. Axel Weber, Präsident der Bundesbank. Und Mario Draghi, Chef der Banca d’Italia, der Notenbank Italiens.

Das Duell schien schon entschieden, noch bevor es richtig begonnen hatte. Draghi sei ein sehr guter Fachmann, gewiss. Das sagten viele, die ihn häufig erleben. Wer EZB-Präsident wird, sei bloß keine Frage der Qualifikation, sondern eine der Politik. In der EU heißt das: Es bestimmen vor allem die Deutschen und die Franzosen. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, so hieß es schon, seien sich einig. Weber.

Doch plötzlich erscheinen die Dinge in einem anderen Licht. Weber macht sich unbeliebt, das haben die vergangenen Tage gezeigt; die Stimmung wendet sich. In der EZB, in den politischen Kreisen in Paris, in Berlin. Das große Spiel beginnt von vorne. Und im Moment sieht es so aus, als werde es nach Draghis Regeln gespielt. Er kann tun, was er am besten kann: beobachten, hinter verschlossenen Türen sein Werk verrichten, abwarten, im richtigen Moment aus der Deckung kommen und den entscheidenden Vorstoß wagen.

Man würde gerne von Draghi selbst erfahren, was er vorhat. Doch für offizielle Interviews steht er nicht zur Verfügung. Die raren Ausnahmen, die er in vielen Jahren als Banker gemacht hat, lassen sich an zwei Händen abzählen. Es häufen sich allerdings die Hinweise, dass er auf seine Chance wartet. Es gibt Gerüchte. Es gibt Anzeichen.

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19 Kommentare zu "Mario Draghi: Was Axel Webers Konkurrenten um die EZB-Spitze antreibt"

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  • ich denke es geht weniger um Weber als um die angestrebte deutsche Übermacht zu verhindern, was ich als legitim betrachte. Es ist schon genug Schaden durch Äußerungen von deutscher Seite angerichtet worden.
    Deutschland ist nicht Europa, das sollten sich unsere heutige Politiker vielleicht öfter sagen. Deutschland braucht Europa für den Export und nicht umgekehrt.

  • ich schätze Herrn Weber auch über alle Maßen. Er hat deutlich betont, dass er auch wieder als Prof. arbeiten würde, wenn er nicht EZb Chef wird. Der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZb ist aus sich der bundesbank ein totaler Dammbruch. Der bundesbank war das früher per Gesetz verboten. Es ist richtig, dass Herr Weber darauf hinweißt. Hier kämpft einer für die Sachen und nicht für die Macht. Genau das wollen die Menschen doch. Herr Weber wäre mit seiner stabilitätsorientieren Politik der beschützer des kleinen Mannes, der sich schwer gegen inflation wehren kann.
    Auf der anderen Seite nutze uns ein etwas schwächelnder Euro auch für unsere Exporte. Draghi wird wohl auch nicht völlig vom Glauben abfallen, aber ob der Euro auf Dauer besteht, wenn man nicht bald damit anfängt die notwendigen Mechanismen zu installieren? Naja dann würde wenigstens wieder die bundesbank das Steuer übernehmen. Wir sitzen Gott sei Dank immer noch im Rettungsboot und werfen mit Westen um uns. Andere planschen schon gefährlich lange im kalten Wasser.

  • Wenn man aus übergeordneten Gründen gegenüber einer institution,eine Entscheidung mitträgt,ohne von ihr überzeugt zu sein, ja sie geradezu als Fehler ansieht,hat man das Recht und sogar die Pflicht, sich zu äußern! Herr Weber ist ein mutiger Mann. Mit seiner Person an der Spitze würde die EZb den richtigen Weg gehen.
    Eine außergewöhliche Situation erfordert ungewöhnliche Maßnahmen und Kommunikationswege,auch in der verschwiegenen Welt der banker.
    Herr Weber ist mehr als nur ein banker,er verdient den Ehrentitel bankier.

  • @bodo
    Man sollte bitte Herrn Weber nicht vorzeitig aus dem Rennen schreiben. Er wird seine Gründe gehabt haben,sich öffentlich zu äußern.Er hätte es sicherlich nicht getan,wenn es nicht um eine fundamentale Weichenstellung innerhalb der EZb gehen würde.Er hat also alles Recht der Welt in dieser außergewöhnlichen Situation zu intervenieren. Man kann ihm in Hinblick auf die interessenlage der "Nordschiene" der EU (Antiinflationskurs) zu seinem Mut nur gratulieren.

  • Zu beitrag NR. 10

    Was heißt Frau Merkel hat in der EU nichts zu melden? Sie steht den stärksten Land der EU vor. Wenn man ihr nicht zuhör, dann gilt es halt sich gehör zu verschaffen.
    ich geb ihnen recht, ich denke auch nicht, dass Frau Merkel Herrn Sarkozy gewachsen ist. Sonst hätte sie sich wohl nicht von ihm über den Tisch ziehen lassen.
    Man sieht halt, dass sie für ihre Macht steht und nicht für ihre Überzeugung.

    Was den Rest angeht, kann ich nur mit dem Kopf schütteln?
    Es ist also falsch seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern? Es war also falsch die letzten 10 Jahre verzicht zu üben, um als ein Land der wenigen in Europa nach der größten Wirtschaftsrezession nach dem 2 Weltkrieg jetzt vor Kraft nur so zu strotzen.
    Es ist also eher im Sinne der EU seine Finanzen zu ruinieren indem man über die Verhältnisse lebt, wie Griechenland, Spanien, Großbritannien, irland, ect...
    Und das Vorbild ist Frankreich. Ein Land das Amok läuft, weil ihr Präsident das Renteneintrittsalter von 60 auf 62 Jahre erhöhen will? Da kann ich ja nur laut lachen.
    Die Schwäche der anderen Länder liegt nicht an der Stärke Deutschlands, sondern am fehlenden Realitätssinn der anderen Staaten und der bereitschaft einen steinigen Weg zu gehen.
    Deutschland hat sich in den letzten 10 Jahren reformiert und die Arbeitnehmer haben hier einen sehr großen Anteil durch ihren Lohnverzicht bzw. ihre Lohnzurückhaltung. Das was ein überaus Verantwortungsvolles Handeln, dass sehr schmerzhaft war. Aber wo stehen wir nun mit unseren 3 Millionen Arbeitslosen und einem boom?
    Genau hier müssen die anderen Staaten vor der einen Haustür kehren und ihre Wettbewerbsfähigkeit selbst stärken. Es kann nicht sein, dass erst geprasst wird und dann zeigt man mit dem Finger auf den Starken, der bereit war harte Einschnitte vorzunehmen.
    Genau dafür braucht es den Stabilitätspakt und die EU Regierung, die in solchen Fällen interveniert.
    Wo ich ihn allerdings recht gebe ist, dass ein Land nicht alle anderen an die Wand drücken darf. Nicht in einer Gemeinschaft und nicht in einem währungsraum. Das heißt aber nicht die eigenen Wettbewerbsfähigkeit künstlich schwächen! Das heißt Steueresenkungen und Ankurblung des binnenkonsums in Deutschland. Auch hierzu benötigt die EU-Wirtschaftsregierung Eingriffsrechte.

    Alles andere führt letztlich dazu, dass wir auf ewig die anderen Staaten raushauen müssen oder aber der Euro scheitert. beides sind keine guten Optionen für Deutschland.

  • @Frau Steer

    ich bin da zum Teil schon ihrer Meinung und kann auch insgesamt nachvollziehen wie sie zu dieser Einstellung kommen. Leider kann ich mich mit diesen pauschalen Urteilen nicht so ganz anfreunden.

    Deutschland ist weder ein Niedriglohnland noch sind wir die Zahlmeister zum eigenen Schaden. Deutschland profitiert enorm von der EU und ebenso vom Euro. Die Wettbewerbsfähigkeit hat sich zu den anderen EU Staaten enorm verbessert in den letzten 10 Jahren.
    Warum kommt Deutschland so gut aus der Krise und die anderen Staaten nicht?

    Sofern an einem Weiterbestehen des Euros interesse besteht, wird der Prozess der europäischen integration weitergehen müssen. Andernfalls wird der Euro scheitern. Mir ist das letztlich egal, ich hab genug Wissen um damit umzugehen und auch die Welt geht davon nicht unter. Aber es gibt genug Menschn in Deutschland und auch außerhalb, die unter dieser Entwicklung schmerzlich leiden würden. Wahrscheinlich dürfen wir dann wiederrum banken stützen und Versicherungen verstaatlichen.

    Und um zu verhindern, dass wir Jahr für Jahr irgendeinen Staat aus der Kacke holen, muss es
    1. knallharte Stabilitätskriterien geben, die dem Einfluss der Politik entzogen werden
    2. Ein Europäische Wirtschaftregierung, die Starke und Schwache zusammenführt, sonst fliegt der Lade außeinander

    Und was ich nicht will, sind ein EU-Rettungsschirm nach dem anderen. Da steh ich auf ihrer Seite muss jeder Staat seine Hausaufgaben selbst machen.

    ich bin mir allerdings nicht im klaren, ob ihnen die nötigen Grundlage vorliegen um die Zusammenhänge zu verstehen?

  • Weber hat die Entscheidungen der EZb kritisiert, nachdem er selbst mit über sie abgestimmt hatte. Es ist ungeschriebenes Gesetz, dass er als Direktor der EZb nicht die Entscheidungen seiner eigenen bank kritisieren darf. Damit ist er bereits tot.

    Die EZb braucht einen banker, dem alle 16 Euroländer stets vertrauen können, dass er ihre interessen unparteiisch vertritt. Webers lautstarke und einseitige Unterstützung der deutschen Seite disqualifiziert ihn daher in den Augen der anderen Länder als neutraler Chef.

  • Nur in aller Kürze. Frau Merkel hat keine Standpunkte, sie hat eine Standfläche und auf solch eine Fläche passt mancherlei,auch ein Herr Draghi als EZb-Chef. Herr Weber würde versuchen einen strikten Anti-inflationskurs zu fahren, Herr Draghi aus bekannten Gründen und gemäß der italienischen Tradition wohl eher nicht.Welches interesse hat Frau Merkel in einer widersprüchlichen Gemengelage
    (falls sie noch am fraglichen Zeitpunkt zu den Entscheidern gehört),wohl doch das ihre "Kompromissfähigkeit"zu zeigen.Herr Weber hat im Moment wirklich keine sehr guten Karten trotz hervorragender fachlicher Fähigkeiten, es sei denn die Gegenseite macht grobe Fehler oder es wird einen neuen bundeskanzler geben,der in der Phase der beschlußfindung tatkräftig die interessen der "Nordschiene" der EU vertritt!

  • sk

    Sie haben es noch nicht verstanden. Merkel hat innerhalb der EU nicht mehr viel zu melden.
    Sie hat zu sehr große Weltstaatsfrau gespielt und wollte ständig den Ton angeben.
    irgendwann haben das die anderen gemerkt.
    Und außerdem, der Schlitzohrigkeit von Sarkozy ist sie nicht gewachsen.
    Frau Merkel ist auch unbeliebt, gerade bei den Franzosen, weil sie aus Deutschland ein Niedriglohnland gemacht hat zum Schaden anderer Länder. Denn das ist wettbewrbsschädlich. Und das ist nicht im Sinne der EU.
    Was glabuen Sie, wer bei den von Merkel so eifrig geführten Verhandlugnen zur bankenrettung dem Finanzminsiter Steinbrück einen Zettel zugeschoben hat auf dem stand
    "in der DDR hat man die betreibe erst verstaatlicht und dann runter gewirtschaftet, in der Demokartie wirtschaftet man erst runter und verstaatlicht dann"
    Es war die franz. Finanzministerin

  • SK

    ich möchte doch so einigem widersprechen.
    Was Sie anstreben ist ein "Staat Europa" und das brauchen wir wirklich nicht.
    Diese Geldtransfers haben uns mehr geschadet als genutzt. Es ist ja ohnehin ein Wahnsinn, dass da in brüssel ein paar abgehafterte Politiker und nichtsnutzige beamte sitzen und Entscheidungen treffen, für die sie nie von uns bürgern legitimiert worden sind.
    Wir müssen dahin zurück, dass kein Land dem anderen Geld gibt. Wir bruchen alle unser Geld im eigenen Land. Und jedes Land muß selbst sehen, wie es klar kommt.
    Was wir inzwischen haben in der EU ist Planwirtschaft wie in der DDR. Kein Land ist doch mehr selbstständig. Und zum Wohle der bürger ist dies keineswegs.
    Wo all das hinführt, können wir doch bei uns beobachten. immer mehr wird der normale bürger geschröpft, zum großen Teil fließt alles Steurgeld ins Ausland. Das kann so nicht weitergehen.
    Unseren bauern schreibt man vor, was sie zu tun haben, ja wo lebe ich denn?
    Die EU sollte mal ein Zusammenschluß westlicher europ. Staaten sein für freien Handel also ohne beschränkungen ohne Zölle.
    Heute ist es eine Geld-Hin-und-Her-Schieberei. Die Deutschen sind die größten Zahler. Die Polen, Rumänen usw. erhaltn Geld von uns via brüssel, deutsche Firmen verschwinden nach Rumänien, erhalten dort Steuerfreiheit oder Minimalsteuern und hier werden die Leute arbeitslos. Das heißt, wir finanzieren auch noch die Abwanderung unserer Firmen. Mit unsrem Geld fallen dann quasi die Rumänen uns in den Rücken und locken die Firmen aus unserem Land.
    Hier hätte es längst Regeln geben müssen. Aber komisch, da schläft die EU.
    Das kann nicht sein. Was glauben Sie denn warum Nokia nach Rumänien gegangen ist? Genau aus solchen Gründen. D. h. im Klartext, Deutschland zahlt zwei Mal. Einmal jetzt die Arbeitslosen und das zweite Mal via brüssel, damit Nokia in Rumänien Ministeuern verlangen kann. Das ist blanker Hohn
    Das muß beendet werden und zwar schnell.
    Und was Sie andenekn, ginge in einen Staat Europa und das geht nicht.
    Dieses völlig überdehnte Gebilde EU wird ohnehin in den nächsten Jahren auseinander brechen und das ist auch gut so.

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