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Mary Lou McDonald Diese Frau könnte in Irland zur Königsmacherin werden

Mary Lou McDonald hat die irischen Nationalisten zu ihrem besten Wahlergebnis geführt. Dabei hat die Sinn-Fein-Chefin einen weiten Weg hinter sich.
09.02.2020 - 14:45 Uhr Kommentieren
Die Irin hat auf die richtigen Themen gesetzt. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Mary Lou McDonald

Die Irin hat auf die richtigen Themen gesetzt.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

London Mary Lou McDonald bezeichnet sich selbst als gute Zuhörerin. Das hat sich bei der irischen Parlamentswahl am Samstag offenbar auch ausgezahlt. Ihre Partei Sinn Fein zog laut einer Befragung vor den Wahllokalen mit den beiden konservativen Parteien Fine Gael und Fianna Fail gleich – McDonald hatte die richtigen Themen gesetzt.

Die Auszählung der Stimmen läuft noch bis Montag, doch schon jetzt ist klar: Der frühere politische Arm der Terrorgruppe IRA ist salonfähig geworden. Mit einem linkspopulistischen Wahlkampf gegen das „Establishment“ brach Sinn Fein die Dauerherrschaft der Konservativen auf. Fine Gael und Fianna Fail regieren das Land abwechselnd seit den 1930er-Jahren. Es sei höchste Zeit, mal etwas anderes zu probieren, hatte McDonald im Wahlkampf gefordert.

Der Brexit stand nicht im Vordergrund, doch er half den irischen Nationalisten indirekt. Der Ruf nach einer Wiedervereinigung der Insel klingt plausibler, seitdem die Grenze zwischen der Republik Irland und dem britischen Landesteil Nordirland zum Streitthema geworden ist. Sie müsse dem britischen Premierminister Boris Johnson danken, hatte McDonald vor der Wahl gewitzelt. Der Kurs der Tories habe den Iren deutlich gemacht, dass die Teilung dem Land schade. „Wir sind verwundbar.“

Die 50-jährige Dublinerin musste auch tief sitzende Skepsis überwinden. Gerade bei älteren Iren ist Sinn Fein wegen ihrer IRA-Geschichte umstritten. Das starke Abschneiden deutet jedoch darauf hin, dass die Vergangenheit an Bedeutung verliert. Bei jungen Wählern lag die Partei mit großem Abstand vorn. Die Parteichefin steht persönlich für den Bruch mit der Vergangenheit. Vor zwei Jahren löste sie das Urgestein Gerry Adams nach 34 Jahren an der Parteispitze ab.

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    Anders als ihr Vorgänger hat McDonald keine Verbindungen zur IRA. Die Angriffe der Konservativen gehen daher ins Leere. Auch vermeidet sie es, trotz eines stramm linken Programms zu radikal zu klingen. Geschickt stellte sie soziale Probleme wie den Wohnungsmangel ins Zentrum ihres Wahlkampfs.

    Ob die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Leo Varadkar (Fine Gael) weitermachen kann, ist angesichts der Pattsituation noch unklar. McDonald kann im besten Fall auf eine Regierungsbeteiligung hoffen. Ministerpräsidentin wird sie nicht, weil ihre Partei nicht genug Kandidaten aufgestellt hat, um stärkste Partei zu werden. Sie könnte nur zur Königsmacherin werden, wenn Fine Gael und Fianna Fail sich nicht auf eine Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit einigen. Beide schließen aber Gespräche mit Sinn Fein aus.

    EU-Kritik wurde milder

    In jedem Fall kann McDonald sich wie eine Wahlsiegerin fühlen. Die zweifache Mutter hat einen weiten Weg hinter sich. Aufgewachsen in einem wohlhabenden Vorort von Dublin, studierte sie Englische Literatur und Europastudien. Sie wurde Mitglied von Fianna Fail, bevor sie 2002 zu Sinn Fein wechselte. 2004 war sie die erste Europaabgeordnete der Partei. Bei den Volksabstimmungen in den Jahren 2008 und 2009 wetterte sie gegen den Lissabon-Vertrag. Seit dem Brexit hat sie ihre EU-Kritik abgemildert.

    Nun sieht McDonald die Chance, den Traum des vereinten Irlands in der EU zu erreichen. Sollte sie in der Regierung landen, will sie ein Referendum binnen fünf Jahren durchsetzen. Das wäre allerdings nur sinnvoll, wenn die britische Regierung auch die Nordiren abstimmen lässt. Danach sieht es nicht aus.

    Mehr: Drei Parteien bei Irland-Wahl gleichauf – großer Zuwachs für Sinn Fein.

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