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Matthias Warnig Der Chef von Nord Stream 2 ist der mächtigste deutsche Manager in Russland

Der frühere Stasi-Agent pflegt enge Kontakte zu Russlands Staatschef Wladimir Putin. Der hat Warnigs „schwindelerregende Karriere“ beschleunigt.
07.09.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Matthias Warnig ist der mächtigste deutsche Manager in Russland Quelle: imago/ZUMA Press
Nord-Stream-2-CEO Matthias Warnig

Vertrauter von Russlands Präsident Putin und beim Ölkonzern Rosneft Aufsichtsratskollege von Ex-Kanzler Schröder.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Berlin Dieser Tage ist der Einsatz von Matthias Warnig besonders gefragt. Der 65-Jährige ist CEO der Pipelinegesellschaft Nord Stream 2, deren Betreibergesellschaft im Schweizer Steuerparadies Zug sitzt. Von dort aus will der Manager die seit der Affäre um die Vergiftung des Kremlkritikers Alexej Nawalny diskutierten Sanktionen gegen sein Unternehmen abwenden.

„Wir sind davon überzeugt, dass die schnellstmögliche Inbetriebnahme der Pipeline im Interesse der Energiesicherheit Europas, der europäischen Verbraucher, der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der EU und der Klimaschutzverpflichtungen liegt“, sagte Warnig dem Handelsblatt.

Warnig spielt eine bedeutende Rolle in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Der frühere Stasi-Spion, der noch 1989 mit einer Ehrenmedaille von Stasi-Chef Erich Mielke ausgezeichnet wurde, ist heute der wohl mächtigste deutsche Manager in Moskau. Und das hat er auch Russlands Präsident Wladimir Putin zu verdanken.

Dass der aus der Niederlausitz stammende, unter dem Decknamen „Ökonom“ für den DDR-Dienst arbeitende Warnig 1994 Putins damalige Frau Ljudmila nach einem schweren Autounfall zur Operation nach Deutschland bringen ließ, hat ihm der Kremlchef bis heute nicht vergessen.

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    Nach der Wende hatte Warnig im Gebäude der früheren deutschen Botschaft in St. Petersburg die Niederlassung der Dresdner Bank aufgebaut. Die erste Lizenz für ein ausländisches Finanzinstitut hatte seinerzeit Putin erteilt, damals noch Vizebürgermeister der Metropole.

    Die Bekanntschaft mit Putin, der früher Spion beim sowjetischen Geheimdienst KGB in Dresden war, nützt Warnig bis heute. Das russische „Forbes“-Magazin hatte 2012 berichtet, Warnig sei im Wendetrubel 1990 noch vom KGB angeworben worden, während Putin eilig aus der Elbestadt abgezogen wurde. Dies habe Warnigs „schwindelerregende Karriere“ später in Russland stark befördert. Heute zähle Warnig zum engsten Umfeld des Kremlherrn.

    Und so verwundert es nicht, dass Warnig sagt: Sanktionen bei Nord Stream 2 könnten Unternehmen aus mehr als zwölf europäischen Ländern direkt treffen. „Sie würden Investitionen zur Fertigstellung der Pipeline in Höhe von rund 700 Millionen Euro verhindern – und das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“

    Enger Kontakt mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder

    In Warnigs Kampf für Russlands Energieinteressen stand ihm in der Vergangenheit auch immer wieder Gerhard Schröder zur Seite: Der Ex-Kanzler ist Verwaltungsratschef der Nord Stream AG und leitet den Aufsichtsrat des mehrheitlich staatlichen Ölkonzerns Rosneft, wo Warnig sein Vize ist.

    Außerdem wurde Warnig in die Aufsichtsräte der zweitgrößten russischen Staatsbank VTB, des Ölpipeline-Monopolisten Transneft, von Gazprom Schweiz und in den Aufsichtsrat des Fußballklubs Schalke 04 berufen, bei dem Gazprom Hauptsponsor ist.

    Warnig war auch Aufsichtsratschef des russischen Aluminiumriesen RusAl, der dem immer wieder in US-Skandale verwickelten Oligarchen Oleg Deripaska gehört. Zudem saß Warnig im Aufsichtsrat der skandalumwitterten Bank Rossija. Diese gehört dem engen Putin-Freund Juri Kowaltschu. Die Bank wurde nach der Krim-Annexion 2014 unter harte westliche Sanktionen gestellt.

    Rossija gehört auch mehrheitlich der Versicherungskonzern Sogaz, der so viele betuchte Russen wie sonst niemand zu Behandlungen in die Berliner Uni-Klinik Charité bringen lässt, wo gerade auch der um sein Leben ringende Oppositionsführer Alexej Nawalny behandelt wird.

    Die politischen Diskussionen in Deutschland könnten Warnigs Aufstieg bremsen. Während Kanzlerin Angela Merkel den Weiterbau der Gasröhre durch die Ostsee am Mittwoch noch mit deutlichen Worten verteidigt hatte, schweigt sie seither zu dem Thema der Sanktionen. Aus der Union kommen indes immer mehr Forderungen nach einem Baustopp oder einer Beendigung des Nord-Stream-2-Projekts. Warnig würde das hart treffen.

    Mehr: Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer stellt Nord Stream 2 infrage

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    1 Kommentar zu "Matthias Warnig: Der Chef von Nord Stream 2 ist der mächtigste deutsche Manager in Russland"

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    • Auch unsere Politiker kennen und pflegen enge Kontakte zu allen wichtigen Wirtschaftspersonen - hört sich an wie eine Plattitüde. Und auch da wird gefördert und Karrieren beschleunigt oder abgesägt, Roland Koch lässt grüßen.

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