Medienbericht Trump wollte verstorbenen John McCain nicht würdigen

Der US-Präsident schickte lieber einen knappen Tweet zum Tod von McCain, anstatt ihn in einer offiziellen Mitteilung zu würdigen. Trumps Nachricht löste heftige Kritik aus.
Update: 27.08.2018 - 05:53 Uhr Kommentieren
Donald Trump wollte verstorbenen John McCain nicht würdigen Quelle: AFP
John McCain und Donald Trump

Trump schickte lediglich einen unpersönlichen Tweet, auch das Weiße Haus veröffentlichte keine längere, würdigende Erklärung.

(Foto: AFP)

WashingtonUS-Präsident Donald Trump hat es einem Bericht zufolge abgelehnt, das Leben und Wirken des verstorbenen US-Republikaners John McCain in einer offiziellen Mitteilung zu würdigen. Der Präsident habe hochrangigen Beratern gesagt, er ziehe es stattdessen vor, einen kurzen Tweet zum Tod seines scharfen Kritikers zu publizieren, berichtete die „Washington Post“ am Sonntag unter Berufung auf ehemalige und aktuelle Berater im Weißen Haus.

Dabei hätten unter anderem Trumps Sprecherin Sarah Sanders und sein Stabschef John Kelly für eine offizielle Würdigung plädiert und McCain einen „Helden“ genannt. Sanders habe am Wochenende sogar eine Endfassung einer Mitteilung für Trump fertig gestellt - die dann aber nicht veröffentlicht worden sei.

Denn Trump zog es tatsächlich vor, kurz nach McCains Tod am Samstag eine knappe, unpersönliche Nachricht auf Twitter zu veröffentlichen. In ihr sprach er McCains Familie sein Mitgefühl aus. Würdigende Worte fand Trump nicht, auch das Weiße Haus schickte keine längere Erklärung heraus.

Auf Twitter löste Trumps Nachricht einen Sturm der Kritik aus. Während zahlreiche Politiker in den USA und im Ausland mit Bestürzung und Trauer auf den Tod reagierten, verbrachte Trump den Sonntag auf einem seiner Golfplätze in Virginia. Mark Corallo, ehemaliger Sprecher von Trumps Anwaltsteam, sagte laut Zeitung über Trumps Reaktion: „Es ist grässlich.“ Zu einem solchen Zeitpunkt würde man von einem US-Präsidenten mehr erwarten, wenn er über den Tod eines wahren amerikanischen Helden spreche.

Im Mai wurde bekannt, dass McCain nicht wollte, dass US-Präsident Trump an seiner Beerdigung teilnimmt. McCain wünschte sich stattdessen Trumps Vize Mike Pence als Repräsentanten des Weißen Hauses bei der Trauerfeier. Es wird zudem erwartet, dass die ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush an McCains Beerdigung teilnehmen werden.

Die Trauerfeierlichkeiten sollen am Mittwoch, dem 82. Geburtstag McCains, in dessen Heimatstaat Arizona beginnen, twitterte Gouverneur Doug Ducey am Sonntag. In der Ersten Septemberwoche werde McCain unter der Rotunde des US-Parlaments in Washington aufgebahrt, teilten die Führer der Kongressparteien mit. McCain soll schließlich in Annapolis im Staat Maryland begraben werden, an der Seite von Admiral Chuck Larson, eines Freundes aus der Marineakademie.

McCain starb am Samstag im Alter von 81 Jahren auf seiner Ranch in Arizona. Er litt an einem Gehirntumor. Als Pilot der US-Navy war McCain in Vietnam in Gefangenschaft geraten und von den Vietcong gefoltert worden. Der republikanische Senator aus Arizona zählte später als Fachmann in der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu den prominentesten Mitgliedern des US-Kongresses. Er erwarb sich über die Parteigrenzen hinweg große Achtung – nur nicht bei Trump.

  • ott
  • dpa
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