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Medienposse ORF macht Regierungsantritt unfreiwillig zur Lachnummer

Mit falschen, doch umso lustigeren Untertiteln bei der Vereidigung der neuen Regierung stiehlt der ORF Kanzler Kurz die Show. Ein Versehen – der Sender entschuldigt sich.
07.01.2020 - 18:58 Uhr Kommentieren
Regierungsmitglieder bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen (r.): Justizministerin Alma Zadic, Vizekanzler Werner Kogler und Kanzler Sebastian Kurz (v.l.). Quelle: AFP
Österreichs schwarz-grüne Koalition beim Bundespräsidenten

Regierungsmitglieder bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen (r.): Justizministerin Alma Zadic, Vizekanzler Werner Kogler und Kanzler Sebastian Kurz (v.l.).

(Foto: AFP)

Wien Vor den Bildschirmen dürften sich Tausende von Österreichern verwundert die Augen gerieben haben, als ihre neue Regierung vereidigt wurde. Der ORF-Streamingdienst untertitelte die Liveübertragung mit überflüssigen, aber dafür lustigen Untertiteln.

Als der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen beispielsweise vor der roten Seidentapete im Maria-Theresien-Zimmer der Wiener Hofburg sprach, war als Untertitel zu lesen: „Okay, ich taufe dich auf den Namen …“ Und als der alte und neue Bundeskanzler Sebastian Kurz seine Urkunde als Regierungschef unterschrieb, wurde der Schriftzug mit der Frage „Was war das denn jetzt?“ eingeblendet. Laut Untertitel sagte Kurz zu Van der Bellen statt „Ich gelobe“, wie es live der Fall war, andere Sätze wie „Es ist sehr schön hier“. Darauf antwortete das Staatsoberhaupt laut Untertiteln: „Gestern wäre hier fast meine Schwester ertrunken.“ Beim Abfilmen der neuen Regierungsmannschaft der konservativen ÖVP und der Grünen wurde den frischgebackenen Ministern beim Zeremoniell zudem: „Buon giorno. Boun giorno. Zwei Espressi bitte“ in den Mund gelegt.

Die ironische Untertitelung amüsierte das Netz. Lustige, aber auch hämische Kommentare machten die Runde in den sozialen Netzwerken. „Ja, es ist zum Totlachen!“, schrieb ein ORF-Zuschauer im Kurznachrichtendienst Twitter. „Am besten den Ton abdrehen“, empfahl ein anderer Nutzer seinen Followern, um das Sehvergnügen zu erhöhen.

Warum der ORF den Regierungsantritt zur Witznummer machte, ist unklar. Eine Erklärung könnte sein, dass sonst zu dieser Sendezeit die schnulzige Telenovela „Alisa – Folge Deinem Herzen“ läuft. Das legt zumindest der Untertitel nahe, der dem ORF-Anchorman Tobias Pötzelsberger in den Mund gelegt wurde: „Verdammte Scheiße. Was soll ich Alisa sagen?“ Ein User schrieb: „Der ORF verbreitet ja des Öfteren Unsinn, aber diesmal hat er übertrieben.“

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    Der komödiantische Fehler wurde vom ORF erst spät bemerkt. Noch am Dienstag entschuldige sich der ORF. Auslöser war ein Abwicklungsfehler, die Untertitel der vorhergehenden Sendung wurden versehentlich nochmals wiederholt. Mittlerweile sind die falschen Utnertitel gelöscht und ersetzt. Es war das Technologieportal „Futurezone“, das als Erste auf die Lachnummer im Fernsehen aufmerksam machte.

    Die exakte Ursache, warum und wie der ORF den Regierungsantritt zur Witznummer machte, konnten die Verantwortlichen nicht nennen. Quelle: Reuters
    Kanzler Kurz beim Eid

    Die exakte Ursache, warum und wie der ORF den Regierungsantritt zur Witznummer machte, konnten die Verantwortlichen nicht nennen.

    (Foto: Reuters)

    Medienpolitisch kommt der Fauxpas für den ORF ungelegen. Denn die ÖVP, in deren Kompetenz auch künftig die Zuständigkeit für die Medien in der schwarz-grünen Koalition fallen wird, hat traditionell ein kritisches Verhältnis zum ORF. Seit vielen Jahren wird der ORF vom heute 59-jährigen Sozialdemokraten Alexander Wrabetz – einst Bundesvorsitzender des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs – als Generaldirektor geführt. Der Anchorman des Nachrichten-Flaggschiffs „ZiB2“, Armin Wolf, nimmt gern Regierungsmitglieder vor laufender Kamera mit hartnäckigen Fragen in die Mangel.

    Die Partei von Kanzler Kurz ließ unterdessen in den neuen Koalitionsvertrag als Ziel eine gesetzlich verordnete Zusammenarbeit zwischen ORF mit den Privaten schreiben. Die Konservativen kamen damit dem Wunsch des österreichischen Pro-Sieben-Sat-1-Ablegers Puls 4 nach.

    Auch soll die „Anpassung des öffentlich-rechtlichen Auftrags an das digitale Zeitalter“ erfolgen. Vielen im ORF schwant angesichts der schwammigen Formulierung im Regierungsprogramm nichts Gutes für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich.

    Mehr: Ein österreichischer Medienmanager will die Sozialdemokratie retten.

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