Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Medienreaktion auf Johnson-Wahl „Im schlimmsten Fall könnte er der letzte Premierminister des Vereinigten Königreichs werden“

Die Wahl von Boris Johnson sorgt auch international für Aufmerksamkeit. Kommentatoren sehen den neuen Premierminister vor einer großen Aufgabe – und zweifeln an seiner Eignung.
24.07.2019 - 07:25 Uhr Kommentieren

„Werden am 31. Oktober aus der EU austreten – ohne Wenn und Aber”

New York Der nächste britische Premierminister heißt Boris Johnson. Nach seinem haushohen Sieg will der künftige britische Premierminister seine umstrittenen Brexit-Pläne durchsetzen und zugleich die tiefe Spaltung des Landes überwinden.

Die Ziele seien nun, den EU-Austritt zu vollziehen, das Land zu vereinen und Oppositionschef Jeremy Corbyn zu besiegen, sagte der neue Chef der britischen Konservativen nach seiner Wahl am Dienstag in London – genau 100 Tage vor dem geplanten Brexit. Er wolle den Wunsch nach Freundschaft mit Europa und die Sehnsucht nach demokratischer Selbstbestimmung vereinen.

Medien sehen den neuen Premierminister allerdings vor einer großen Mission – und stellen vor allem die Eignung Johnsons für den Posten in Frage:

„Financial Times“ – Johnson muss Verantwortung übernehmen

Die britische „Financial Times“ (FT) sieht durch die Ernennung von Johnson die Übernahme der Tory-Partei sowie der Regierung durch die Brexit-Befürworter abgeschlossen. Dem Mann, der so viel dafür getan hat, um das Land in das Minenfeld des Brexits zu führen, müsse nun Vertrauen geschenkt werden, um für dieses Problem eine Lösung zu finden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Wenn er seine Mission verpfuscht, riskiert er, seine Partei zu zerstören; im schlimmsten Fall könnte er, wie ein Vorgänger gewarnt hatte, der letzte Premierminister des Vereinigten Königreichs werden“, so die „FT“.

    „The Guardian“ – Mach dich bereit Großbritannien für eine lange Zeit unter schlechter Führung

    „Den 92.153 Parteimitgliedern, die für ihn gestimmt haben, bietet der neue konservative Führer ein Mittel gegen zwei Beschwerden: die anhaltende Mitgliedschaft in der EU und die geschrumpfte Popularität der Tories, schreibt der britische „Guardian“. Doch beide Probleme könnten durch Johnson nun gleichzeitig behoben werden.

    Und auch wenn Johnsons Zeit in der Downing Street im Chaos beginnen könnte, heiße dies nicht, dass sie von kurzer Dauer sein werde, so die britische Tageszeitung weiter. Die jüngste Geschichte biete reichlich Beweise dafür, dass inkompetente Führung durch die Unterstützung loyaler Anhänger sowie unorganisierte Gegner Bestand haben könne. So sei Jeremy Corbyn nach wie vor Vorsitzender der Labour-Partei – und Donald Trump könnte eine zweite Amtszeit als US-Präsident gewinnen.

    Handelsblatt – Ein weiterer politischen Zerstörer

    „Die Wahl des politischen Scharlatans Johnson zum britischen Premierminister markiert nach der kopflosen, selbstzerstörerischen Brexit-Entscheidung vor drei Jahren einen atemberaubenden Wandel in einem Land, das bislang als Hort des gesunden Menschenverstands galt“, kommentiert Handelsblatt-Redakteur Torsten Riecke (Lesen Sie hier seinen Kommentar in Gänze).

    Und weiter: „Der Brexit-Schlamassel ist schon schlimm genug, würde ein No-Deal-Austritt doch auch auf dem europäischen Festland wirtschaftliche Schäden anrichten. Mit Johnson bekommt der Westen nach Trump einen weiteren politischen Zerstörer hinzu.“

    „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ – Kein Anlass für Optimismus

    Die Entscheidung, Boris Johnson zum neuen britischen Premierminister zu machen, haben die Tories der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge vor allem aufgrund der Illusionen über britische Größe getroffen, mit denen Johnson die Parteimitglieder umgarnt hat.

    Johnson sei bislang nicht durch umsichtiges Handeln aufgefallen und müsse nun erst einmal beweisen, dass er verantwortungsvoll regieren könne. Sein Verhalten in der Vergangenheit gebe Anlass zur Sorge. Johnsons Verantwortungsbewusstsein für Großbritannien könnte laut „FAZ“ hinter seinem großen Ego zurückbleiben und dem Land einen gewaltigen Schaden zufügen.

    „New York Times“ – Johnson kollidiert mit der Realität

    Nach Ansicht der amerikanischen „New York Times“ ist Johnson ein Meister des politischen Theaters, der von Tory-Anhängern verehrt werde, die entschlossen seien, aus der Europäischen Union auszutreten, ungeachtet der Konsequenzen. „Doch seine Bilanz als Journalist, Gesetzgeber, Londoner Bürgermeister und Außenminister zeigt weitaus mehr Lärm als Leistung und eine konsequente Verachtung für harte Arbeit, Redlichkeit oder die Wahrheit“, schreibt die US-Tageszeitung weiter.

    Niemand glaube ernsthaft, dass Johnson, der in Brüssel weithin verachtet werde, insbesondere nach seiner Amtszeit als Außenminister, ein besseres Geschäft abschließen könne als Theresa May in zwei Jahren mühsamer Verhandlungen.

    „Rheinische Post“ – Johnson könnte der Premierminister mit der kürzesten Amtszeit werden

    Die Düsseldorfer Tageszeitung prognostiziert Boris Johnson keine lange Amtszeit – zumindest dann nicht, wenn er es nicht hinbekommt, Kompromisse einzugehen, um das Land aus der EU zu führen. Sollte Johnson tatsächlich an seinen eigenen Brexit-Plan glauben, so die „Rheinische Post“ weiter, drohe Großbritannien an Halloween ein Horror-Brexit.

    An den Finanzmärkten sei die Stimmung noch relativ gelassen. Aber auch nur, weil viele Experten darauf hofften, dass Johnson pokere und sich am Ende kompromissbereit zeige. Sollte ein ungeregelter Brexit drohen, dürften Johnson aber auch seine eigenen Parteifreunde sprichwörtlich aufs Dach steigen – und ein Misstrauensvotum gegen ihn anstrengen. Laut „Rheinischer Post“ könnte das eines der Szenarien sein, nach denen Boris Johnson, bevor er größeren Schaden anrichten kann, schon wieder für einen weiteren Nachfolger Platz machen müsste.

    „Neue Zürcher Zeitung“ – Großbritannien lässt sich auf ein riskantes Abenteuer ein

    Auch die Schweizer Tageszeitung ist der Meinung, dass ein hoffnungsvoller Neubeginn für Großbritannien anders aussehe. „Boris Johnson wird Premierminister eines zutiefst verunsicherten Landes, das sich in der schwierigsten Situation seit Jahrzehnten befindet. Der Mann, der bisher vor allen Dingen durch seinen nonchalanten Umgang mit Fakten, seine impulsive Persönlichkeit und seine gewagten Versprechungen aufgefallen ist, steht nun vor der Aufgabe, Letztgenannte in die Praxis umzusetzen“, kommentiert die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ). Wie dieser Zusammenstoß mit der Realität ausgehen wird, sei die große Frage.

    Johnson selbst habe drei Ziele formuliert: den Brexit durchführen, die eigene Partei wieder einigen und einen Wahlsieg von Labour unter deren Chef Jeremy Corbyn verhindern. „Wie Johnson das zu schaffen gedenkt, hat er bisher kaum verraten. Nun werden für den Neuen die ersten hundert Tage im Amt wegen des starken Zeitdrucks bis zum Brexit-Termin Ende Oktober tatsächlich entscheidend sein. Warum jedoch sollte diese komplexe Aufgabe ausgerechnet er – mit seinem höchst schwachen Leistungsausweis in einem Ministeramt – schaffen?“, schreibt die „NZZ“.

    Mehr: Großbritannien steht nach der Wahl Boris Johnsons zum Premierminister vor der Zerreißprobe. Johnson hat heute genauso wenig einen Plan, wie vor dem Brexit-Referendum.

    Startseite
    Mehr zu: Medienreaktion auf Johnson-Wahl - „Im schlimmsten Fall könnte er der letzte Premierminister des Vereinigten Königreichs werden“
    0 Kommentare zu "Medienreaktion auf Johnson-Wahl: „Im schlimmsten Fall könnte er der letzte Premierminister des Vereinigten Königreichs werden“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%