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Merkel bei Macron „Wir sind der Meinung, dass Europa seine Unabhängigkeit verteidigen muss“

An der Côte d ‘ Azur haben Angela Merkel und Emmanuel Macron viel zu besprechen. Der Erdgaskonflikt im Mittelmeer ist nur einer von mehreren Brennpunkten.
20.08.2020 - 22:16 Uhr 2 Kommentare

Merkel und Macron einigen sich auf eine engere Zusammenarbeit

Paris Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Türkei und Griechenland in ihrem Streit um Mittelmeer-Erdgas zu einer Lösung am Verhandlungstisch aufgerufen. „Wir brauchen dort Stabilität – und nicht Spannungen“, sagte Merkel am Donnerstag bei einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in dessen Residenz Fort de Brégançon. Merkel und Macron stimmten darin überein, sich auch in anderen internationalen Krisen noch enger abzustimmen.

Die Situation im östlichen Mittelmeer sei sehr kritisch, betonte die Kanzlerin. Deutschland und Frankreich seien sich einig, dass „Attacken auf die Souveränität von Mitgliedstaaten der Europäischen Union von uns nicht akzeptiert werden“. Sie sagte weiter: „Wir stehen dafür, dass man Probleme in Gesprächen löst und nicht durch Eskalation von Spannungen. Das gilt für alle Beteiligten.“

Macron betonte, es gehe auch um die Souveränität der EU. Er bekräftigte die Solidarität mit den EU-Mitgliedsländern Griechenland und Zypern. Zugleich gehe es um Stabilität in der Mittelmeerregion. „Wir wollen unsere gemeinsame Strategie entwickeln“, betonte Macron. „Wir sind beide der Meinung, dass Europa seine Unabhängigkeit verteidigen muss.“

Für die Bundeskanzlerin war es eine Ehre, im mittelalterlichen Fort de Brégançon, dem Sitz der französischen Präsidenten in der Nähe von Toulon, empfangen zu werden. Merkel ist zum ersten Mal dort und die dritte Staatschefin, die Präsident Macron hier trifft, nach der ehemaligen britischen Premierministerin Theresa May und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

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    Präsident François Mitterrand hatte 1985 auch Kanzler Helmut Kohl in das Fort eingeladen. Macron, der seit Ende Juli in Südfrankreich ist, erklärte scherzhaft über das Fort, es sei wie „Élysée, nur mit Sonne“. Was bedeutet, er arbeitet weiter so wie bisher. So war auch der Besuch der Bundeskanzlerin keineswegs Urlaub, sondern als kurzes Arbeitstreffen gedacht.

    Emmanuel Macron und Angela Merkel bei einer Pressekonferenz in der Sommerresidenz. Quelle: dpa
    Fort de Brégançon

    Emmanuel Macron und Angela Merkel bei einer Pressekonferenz in der Sommerresidenz.

    (Foto: dpa)

    Merkel kam am Donnerstagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von 30 Grad in Toulon an, nach einer Besprechung unter vier Augen und einer Pressekonferenz stand noch ein Arbeitsessen an, wonach die Kanzlerin zurückreisen sollte. Auf Englisch erklärte Merkel bei ihrer Ankunft: „Es ist der beste Platz in der Welt.“ Die beiden Staatschefs hielten wegen Corona gebührend Abstand.

    Inhaltlich ging es nicht nur um den Erdgasstreit im Mittelmeer, sondern auch um weitere internationale Themen wie die Proteste in Weißrussland, Libanon oder die Unruhen in Mali. Außerdem sprachen die beiden über die Coronahilfen für Europa und das weitere Vorgehen in der Coronakrise.

    Die Kanzlerin duzte Macron und dankte ihm für den Empfang in Brégançon. „Uns gelingt es, eine Einigung zu finden.“ Zum Thema Covid-19 müsse man an einem Strang ziehen. „Wir wollen auf jeden Fall vermeiden, dass wir wieder Grenzen schließen“, so Merkel. Ab 2021 solle schließlich der Corona-Hilfsplan in Aktion treten.

    „Europa ist nur stark, wenn es mit einer Stimme spricht“, so Merkel. Das betrifft Themen wie die Türkei, China, Weißrussland und Libyen. Merkel dankte Frankreich für das Engagement in Mali bei der Bekämpfung des Terrorismus.

    Macron betonte, dass Europa in Weißrussland den Dialog begleiten und mit Russland diskutieren muss. Europa sollte auch Einheit zeigen bei Themen wie China, Libanon und Mali.

    „Das deutsch-französische Paar existiert nicht mehr“, schrieb dagegen die Zeitung „Le Figaro“ zum Besuch. Merkels Weigerung, Griechenland und Frankreich im Mittelmeer gegenüber der Türkei zu unterstützen, sei der Beweis dafür.

    Der Staatssekretär für Europaangelegenheiten, Clément Beaune, betonte dagegen über Merkel, die „Beziehung zu Macron ist sehr stark geworden“. In den Europaverhandlungen um den Corona-Hilfsplan hätten sie ihre Einheit unter Beweis gestellt.

    Zum Thema Mittelmeer zeigt sich Macron offensiver gegenüber der Türkei als Deutschland. In einem Interview mit „Paris Match“ erklärte Macron, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan führe „eine expansionistische Politik, die Nationalismus und Islamismus mischt und nicht mit europäischen Interessen vereinbar ist“. Deutschland versucht, zwischen Griechenland und der Türkei zu vermitteln.

    In Brégançon ging es darum, trotz Differenzen das deutsch-französische Paar zu stärken. Aus dem Élyséepalast hieß es, die internationale Agenda sei sehr gefüllt. Berlin und Paris seien sich in vielem einig. „Wir müssen zusammen handeln“, betonte Merkel. Macron ist überzeugt: „Wir sind besser koordiniert.“ Nationale Interessen, wie sie zu Beginn der Coronakrise aktuell waren, sollen damit zurücktreten.

    Mehr: Die Türkei fordert Griechenland und das Seerecht heraus.

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    2 Kommentare zu "Merkel bei Macron: „Wir sind der Meinung, dass Europa seine Unabhängigkeit verteidigen muss“"

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    • Ein Europa, dessen Mitgliedsstaaten so viele Einzelinteressen haben, wie es eben Mitgliedsstaaten gibt, und das niemals "unabhängig" war, kann eine "Unabhängigkeit" verteidigen, die es niemals besaß auch nicht verteidigen.

      Es gibt keine europäische/EU- Außenpolitik, kein gemeinsames Heer kein dies und kein jenes. Die EU kann noch nicht einmal EU-Weit sich auf ein Format für Ladesäulen für Elektro-Autos einigen. Das einzige, worin sich alle einig sind, ist, dass alle weiterhin von Grenzkontrollen ungehindert Waren verkaufen können sollen, außer den Briten. Das führte dazu, dass eine Mio Araber in Aleppo ihren Reisepass wegwerfen und durch 8 Länder hindurch ohne jegliche Kontrollen "durchreisen" konnten und sich ihr Wunsch-Asyl/-Einwanderungsland aussuchen konnten. Einmal angekommen, durfte sich jeder auch seinen Wunschnamen/Wunschidentität usw. aussuchen und sich gemütlich einrichten.

      Wenn wir schon unfähig sind... dann sollten wir um Himmels Willen die Türken nicht auch noch so sehr provozieren, dass sie die nächste Mio rüberschicken. Und falls die Türkei selber in Konflikte gerät, Krieg, Embargo... hastenichgesehen... dann kommen zusätzlich zu den 3,5 Mio Arabern in Türkei auch noch mal 5 Mio Türken.
      Vielleicht... sollten sich Emmanuel und Angie etwas gründlicher VORAB überlegen ...
      was geht... und was in EU ... "nicht so gut" geht.
      Den intelligentesten Eindruck macht der gute Emmanuel dabei leider nicht und bei Angie reicht es gerade noch dazu weiteren Schaden abzuwenden. An "Zugewinnen" für EU-Interessen ist bei diesem Personal erstmal nicht dran zu denken.

    • Ein Kontinent, Frau Merkel, kann niemals seine Unabhängigkeit verteidigen. Ein Kontinent ist keine Person.
      Nur Menschen können ihre Unabhängigkeit verteidigen - oder z.B. auch ihre Freiheitsrechte, die Ihre Regierung immer mehr einschränkt.

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