Merkel lobt Italien Monti wehrt sich gegen die Büßer-Rolle

Italien will unbedingt verhindern, mit Griechenland in einen Topf geworfen zu werden: Rom spare aus Überzeugung, betont Regierungschef Monti. Zuviel Druck aus Paris oder Brüssel könne gefährliche Folgen haben.
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Ministerpräsident Mario Monti erklärt, Kanzlerin Angela Merkel gibt sich zufrieden. Quelle: dpa

Ministerpräsident Mario Monti erklärt, Kanzlerin Angela Merkel gibt sich zufrieden.

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BerlinItalien erlebt eine Finanzkrise, soviel räumt Regierungschef Mario Monti noch ein. Doch müsse sich niemand vor Italien fürchten - das Land sei "nicht ansteckend für die Eurozone", sagte Monti nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch in Berlin. Der italienische Regierungschef erwähnte Griechenland nicht direkt, machte aber immer wieder deutlich, dass das stolze Italien mit der Krise ganz anders umgehen.

Deutschland könne damit rechnen, dass Italien genauso wie andere Länder "seinen Beitrag zur Stabilität und Entwicklung Europas" leiste, versicherte Monti. Bei ihrem Gespräch habe er Merkel den "Seelenzustand der Italiener" erläutert. Die Reaktion seiner Landsleute auf die "teils sehr harten" Sparmaßnahmen der Regierung sei "ein Zeichen der Reife". Dafür wolle er jedoch keine Anerkennung: Italien spare nicht für Europa, sondern im eigenen Interesse.

Der Nachfolger von Silvio Berlusconi forderte die Märkte auf, die Fortschritte seines Landes anzuerkennen und niedrigere Zinsen zu akzeptieren. Italien, das Investoren zuletzt Rekordprämien bieten musste, will in den nächsten Tagen fast 20 Milliarden Euro frisches Geld an den Kapitalmärkten einsammeln.

Unmittelbar vor seinem Antrittsbesuch bei Merkel hatte Monti in einem Interview mit der „Welt“ einen noch härteren Ton angeschlagen und indirekt davor gewarnt, seine Regierung unter Druck zu setzen: „Wenn es für die Italiener in absehbarer Zeit nicht greifbare Erfolge ihrer Spar- und Reformbereitschaft gibt, wird in Italien ein Protest gegen Europa entstehen - auch gegen Deutschland, das als Anführer der EU-Intoleranz gilt, und gegen die Europäische Zentralbank.“ Deutschland und Frankreich sollten sich in punkto Haushaltsdisziplin „nicht allzu sehr erheben“.

Er fordere von den Italienern schwere Opfer, betonte Monti. „Ich kann aber mit meiner Politik keinen Erfolg haben, wenn sich die Politik der EU nicht ändert.“ Ansonsten könnte Italien „in die Arme von Populisten flüchten“.

Monti verlangte zudem eine wichtigere politische Rolle Italiens in der EU. „Die gute Kooperation des französisch- deutschen Tandems ist eine notwendige Voraussetzung für Europas Fortentwicklung. Aber das reicht nicht, schon gar nicht in einem Europa der 27.“ Den schlimmsten Fehler in den vergangenen zehn Jahren hätten Deutschland und Frankreich begangen, als sie 2003 die Maastricht-Kriterien missachtet hätten. „Europa muss mehrere Zentren haben. Und Italien ist eines von ihnen.“

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