Merkel trifft Putin Hauptsache, sie reden – Deutschland und Russland nähern sich an

Putin und Merkel reden miteinander. Die Kontroversen – vor allem um Syrien und den Ukraine-Konflikt – bleiben. Aber es gibt gemeinsame Interessen.
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Sie reden wieder. Doch abgesehen vom Smalltalk spricht jeder in seiner Muttersprache. Quelle: Reuters
Wladimir Putin und Angela Merkel

Sie reden wieder. Doch abgesehen vom Smalltalk spricht jeder in seiner Muttersprache.

(Foto: Reuters)

BerlinWladimir Putin spricht hervorragend Deutsch. Das hat er bereits 2001 bei seiner Rede vor dem Bundestag eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Und Angela Merkel beherrscht die russische Sprache. Wenn der russische Präsident und die Bundeskanzlerin sich treffen wie am Samstag in Schloss Messeberg, dem Gästehaus der Bundesregierung, sitzen dennoch Dolmetscher am Tisch. Das entspricht den Gepflogenheiten.

Insider berichten, dass Merkel und Putin – abgesehen vom Small Talk zu Beginn und am Ende solcher Runden – konsequent zweisprachig verhandeln. Sicher ist sicher.

Die Zweisprachigkeit spiegelt das ambivalente Verhältnis der beiden wider. Merkel traut Putin nicht über den Weg. Und Putin ist nie ein Merkel-Fan gewesen. Ihr Verhältnis war zuletzt von mehr Tiefen als von Höhen geprägt. Im Moment allerdings, so der Eindruck nach der dreistündigen Begegnung am Samstag, nähern sie sich wieder an. Nicht nur die Fotos aus dem idyllischen Meseberger Schlosspark, legen das nahe.

Auch die Tonlage ist eher entspannt als gereizt. Sie sei der Meinung, dass „auch kontroverse Themen nur im und durch das Gespräch gelöst werden können“, sagte Merkel bei ihrem gemeinsamen Auftritt mit Putin vor dem Portal des Schlosses. Während Merkel vor allem die Notwendigkeit von Diskussionen über internationale Krisenherde betonte, hob Putin die wieder intensiver werdenden wirtschaftlichen Kontakte beider Länder hervor. So seien die Handelsbeziehungen im vergangenen Jahr um 22 Prozent gewachsen, strich Putin heraus.

Im Streit um den Bau der Pipeline Nord Stream 2 knüpfte Putin die von Merkel geforderte weitere Lieferung von Gas durch die Ukraine an Bedingungen. „Hauptsache ist, dass dieser Transit durch die Ukraine den wirtschaftlichen Anforderungen entspricht“, sagte er. Der Bau der Ostseepipeline sei ein „ausschließlich wirtschaftliches Projekt“, sagte Putin. Merkel bekräftigte ihre Position: „Aus meiner Sicht muss die Ukraine – auch wenn es Nord Stream 2 gibt – eine Rolle im Gastransit nach Europa spielen.“

Die USA, Polen und die Ukraine lehnen den Bau der Pipeline durch russische und europäische Firmen unter Führung von Gazprom ab. Die Ukraine fürchtet vor allem den Verlust der Transitgebühren. Russland und die Ukraine verhandeln seit einigen Wochen unter Vermittlung der EU darüber, ob und in welchem Umfang auch nach der Fertigstellung der Ostseepipeline russisches Gas durch ukrainische Pipelines fließen soll.

Merkel und Putin betonten, dass eine Lösung des Konflikts in der Ostukraine nur auf Basis des Minsker Friedensabkommens denkbar sei. Deutschland sei weiter bereit, Verantwortung zu übernehmen, sagte Merkel mit Hinweis auf eine UN-Mission. „Ich bin verhalten optimistisch, dass es Chancen für eine Peacekeeping-Mission der Uno gibt“, sagte auch Außenminister Heiko Maas der „Welt am Sonntag“. Zugleich bekräftigte der SPD-Politiker, über ein Ende der Sanktionen gegen Russland könne erst verhandelt werden, wenn es gelinge, das Minsker Abkommen umzusetzen.

Bei Thema Syrien forderte Putin die Europäer auf, sich am Wiederaufbau zu beteiligen. „Es ist sehr wichtig, die humanitäre Unterstützung für Syrien zu stärken“, sagte er. In erster Linie sei dies in Gebieten nötig, in denen Flüchtlinge aus dem Ausland in ihre Heimat zurückkehren könnten. Ein Kreml-Sprecher sagte am Sonntag, Russland und Deutschland wollten an einem neuen Format mit Frankreich und der Türkei zur Stabilisierung des Landes arbeiten.

Die Wirtschaft zog eine positive Bilanz des Treffens. „Der Weg zu einer neuen Dynamik in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen führt nur über einen politischen Entspannungsprozess. Hier war Meseberg eine ganz wichtige Etappe“, sagte Michael Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, dem Handelsblatt.

„Auf dem Tisch liegt ein Paket von Themen, bei denen Russland und die EU sich wechselseitig brauchen. Kluge Diplomatie müsste daraus eigentlich etwas machen können. Der Bundesregierung kommt hier zweifellos eine Schlüsselrolle zu“, sagte Harms.

„Der sich jetzt intensivierende Dialog eröffnet die Chance, dass wir tatsächlich bald Fortschritte sehen, in Syrien, aber auch in der Ukraine“, sagte Harms. „Der sich abzeichnende Kompromiss bei Nord Stream 2 ist durch Meseberg bestätigt worden: Auch nach 2019 wird russisches Gas durch die Ukraine fließen. Dies ist auch notwendig, um den starken Rückgang der Eigenproduktion der EU und den wachsenden Bedarf auszugleichen“, sagte Harms.

„Thema Syrien von großer Wichtigkeit“ – Merkel trifft Putin zu Gesprächen

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