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Merkel und die Flüchtlinge Keine Selfies, die harte Wirklichkeit

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In Syrien hatte er keine Zukunft – und in Deutschland?

Seine Begeisterung für Deutschland ist aber getrübt. Er hätte nicht gedacht, dass alles so schwierig hier ist. Die Anforderungen an eine Arbeit oder, dass er noch viel besser Deutsch können müsste, um etwa in einer Reinigungsfirma zu arbeiten. „Für Saubermachen brauche ich doch nicht den Sprachkurs C1“, sagt er. C1 ist die zweithöchste von insgesamt sechs Deutschprüfungen des Goethe-Instituts. In seiner kleinen Heimatstadt Zabadani bei Damaskus habe er seinem Vater in der Landwirtschaft geholfen, Gemüse angebaut und verkauft.

Manchmal hat er Heimweh, findet seine Flucht sinnlos. „Ich hatte in Syrien keine Zukunft, aber in Deutschland habe ich vielleicht auch keine.“ Er darf jetzt bis zum 23. März 2019 in Deutschland bleiben. Er will unbedingt eigenes Geld verdienen. Geflohen sei er, weil er Angst hatte, in den Krieg ziehen und töten zu müssen. Oder getötet zu werden. 5.000 Dollar habe seine Flucht gekostet, 1.300 davon waren für die Schlepper, die ihn und 44 andere Flüchtlinge von der Türkei in einem Schlauchboot über die Ägäis nach Griechenland gebracht hätten.

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Fragen zu seinen Erinnerungen an Zabadani – einst ein Kurort und später Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Assads Truppen und Gegnern des Regimes - oder zu seiner siebenmonatigen Flucht nach Deutschland beantwortet der Sunnit äußerst knapp. Schnell wechselt er das Thema.

Christiane Beckmann von der Berliner Flüchtlingshilfe „Moabit hilft“ erzählt von ihren Erfahrungen, dass Syrer oft nicht sagten, welche Gräuel sie erlebt haben. Ein Massengrab sei für viele von ihnen gar nichts Außergewöhnliches. „Sie sagen einfach: Es wissen doch alle, was in Syrien los ist.“ Saouan sagt an diesem Tag: „Was in Syrien ist, weiß doch jeder.“ Er träumt von einem Job und davon, seine Eltern besuchen zu können - eben „von einem richtigen Leben“.

  • dpa
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