Mexiko legalisiert Cannabis Freies Marihuana gegen die Mafia

In Mexiko operieren die mächtigsten Drogenkartelle der Welt. Jetzt hat der Oberste Gerichtshof den Privatkonsum von Cannabis erlaubt. Das neue Gesetz soll im Kampf gegen die Mafia helfen.
Der private Konsum von Cannabis ist in Mexiko nicht mehr verboten, wohl aber noch der kommerzielle Anbau. Quelle: dpa
Mexiko legalisiert Marihuana

Der private Konsum von Cannabis ist in Mexiko nicht mehr verboten, wohl aber noch der kommerzielle Anbau.

(Foto: dpa)

Mexiko-StadtEs ist eine historische Entscheidung: Mexikos Oberster Gerichtshof hat das geltende Cannabis-Verbot grundsätzlich aufgehoben. Mit 4:1 Stimmen urteilte der erste Senat der Corte Suprema, dass Anbau, Ernte und persönlicher Gebrauch von Marihuana grundsätzlich nicht strafbar sind. „Das totale Verbot ist übertrieben und schützt nicht das Recht auf Gesundheit, verletzt aber das allgemeine Persönlichkeitsrecht“, begründete Richterin Olga Sanchez Cordero die mehrheitliche Auffassung des Gerichts.

Die Kommerzialisierung von Marihuana bleibt nach der Entscheidung allerdings verboten. Die Verfassungsbeschwerde angestrengt hatte die „Mexikanische Gesellschaft für den verantwortungsvollen und toleranten Konsum von Marihuana zum Eigenbedarf“ (Smart), eine Organisation, die 2013 von Anwälten und Unternehmern gegründet wurde. Das Urteil gilt als Präzedenzfall. Die Regierung missbilligte die Entscheidung.

In diesen Ländern ist Cannabis legal
USA
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In den US-Bundesstaaten Colorado, Oregon und Washington ist der Anbau und Konsum von Marihuana in begrenzten Mengen erlaubt. 2016 soll es auch in Alaska soweit sein.

USA
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Außerdem wird Cannabis in vielen weiteren Bundesstaaten zu medizinischen Zwecken angebaut, wie hier im „Ataraxia medical marijuana cultivation center“ in Illinois.

Ecuador
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In Ecuador ist der Besitz von 20 Gramm für den persönlichen Gebrauch erlaubt, der Anbau allerdings verboten.

Uruguay
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Uruguay war 2013 das erste Land weltweit, das den Anbau und Verkauf von Marihuana unter staatlicher Kontrolle legalisiert hat. 40 Gramm im Monat können Staatsbürger in Apotheken kaufen. Für Ausländer ist der Kauf allerdings verboten.

Mexiko
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Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs mit 4:1 Stimmen ist klar: Mexiko wird das dritte Land des amerikanischen Kontinents, das Cannabis legalisiert.

Spanien und Portugal
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Der Besitz von Marihuana ist in Portugal und Spanien zwar illegal, aber entkriminalisiert. Das heißt, wer mit geringen Mengen erwischt wird, muss keine Strafverfolgung fürchten.

Niederlande
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In den Niederlanden bekommen Konsumenten Marihuana in lizensierten Coffeeshops. Besitz, Produktion und Großhandel sind allerdings verboten.

Konsum und Besitz bis zur minimalen Menge von fünf Gramm Marihuana waren bereits seit 2009 nicht mehr strafbewehrt. Aber verboten war bisher gewissermaßen alles, was im Zusammenhang mit dem Konsum steht. Das ist nun aufgehoben.

Damit ist Mexiko in Lateinamerika nach Uruguay das zweite Land, das eine weitgehende Legalisierung von Cannabis verabschiedet hat. Das kleine südamerikanische Land hat vor zwei Jahren als weltweit erster Staat Anbau und Verkauf legalisiert und sogar einen staatlich kontrollierten Handel beschlossen. Cannabis wird dort vom kommenden Jahr an durch Apotheken abgegeben. Auch die US-Bundesstaaten Alaska, Colorado, Oregon und Washington haben Konsum und Anbau von Cannabis in unterschiedlichem Maße freigegeben.

In Mexiko hat die grundsätzliche Legalisierung jedoch eine wesentlich größere Tragweite. Das Land ist nach Angaben der Vereinten Nationen nach Marokko der zweitgrößte Cannabis-Produzent und zweitgrößter Heroinproduzent nach Afghanistan. Zudem ist Mexiko das Land mit den mächtigsten Drogenkartellen und die Heimat von Joaquín „Chapo“ Guzmán, dem meistgesuchten Verbrecher der Welt und Chef des „Sinaloa-Kartells“.

Daher bedeutet die Entscheidung des Gerichts vor allem auch ein politisches und soziales Signal, dass neue Wege im Kampf gegen den Rauschgifthandel beschritten werden müssen. Repression alleine taugt nicht, um das Problem zu lösen und die Gewalt und die Gewinne zu stoppen, die der Drogenkrieg mit sich bringt. Seit 2006 sind beim Kampf gegen die Mafias in Mexiko mindestens 100.000 Menschen ums Leben gekommen.

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