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Mexiko Plagiat oder Inspiration? Mexiko wirft Luxusmarken „kulturelle Aneignung“ vor

Luxus-Modehäuser bedienen sich immer wieder am geistigen Eigentum der indigenen Völker Mexikos. Ein Vorstoß der Kulturministerin soll das in Zukunft verhindern.
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Die Kulturministerin Mexikos setzt sich für das geistige Eigentum der indigenen Völker ein. Quelle: imago/ZUMA Press
Alejandra Frausto

Die Kulturministerin Mexikos setzt sich für das geistige Eigentum der indigenen Völker ein.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Mexiko-Stadt Alejandra Frausto und Graciela Márquez hatten jüngst eigens in den Nationalpalast geladen, um eine Vereinbarung zu präsentieren, die vor allem die Ureinwohner Mexikos freuen wird. Die Kultur- und Wirtschaftsministerinnen wollten so zeigen, wie wichtig ihnen das Abkommen ist, das die Indigenen des Landes künftig vor „kultureller Aneignung“ schützen soll. Also vor dem Ideen- und Musterklau durch große internationale Modelabels.

Die Übereinkunft soll den oft in Armut und Abgeschiedenheit lebenden 62 verschiedenen Ureinwohner-Ethnien erleichtern, ihr Kunsthandwerk zu vermarkten. Er sieht Weiterbildungsmöglichkeiten für die Indigenen und die Hilfe bei der Suche nach Fördergeldern vor. „Wir wollen dem Kultursektor unseres Landes künftig den Weg zur Wirtschaft leichter machen“, betonte Frausto.

Vor allem die Kulturministerin ist Vorkämpferin für die Rechte der Ureinwohner. Im Sommer legte sie sich mit zwei teuren Designerlabels an, denen sie vorwarf, Motive indigener Kunsthandwerker kopiert zu haben. Sie beschwerte sich beim Chefdesigner des Modelabels Carolina Herrera und dem französischen Modehaus Louis Vuitton. Dieses, so der Vorwurf der Ministerin, habe sich für einen edlen 14.000 Euro teuren Sessel aus der Kollektion „Dolls by Raw Edge“ bei Textilmustern aus dem zentralmexikanischen Bundesstaat Hidalgo bedient.

Das Design mit Tier- und Pflanzenmotiven beinhalte Elemente der Stickereien, welche in der Ortschaft Tenango de Doria gefertigt werden und zum geistigen Eigentum seiner Hersteller und der Gemeinde gehören, erläuterte Frausto dem Vertreter von Louis Vuitton in Mexiko.

In der Kollektion sei der „Sarape-Umhang“ abgekupfert worden. Quelle: Screenshot Carolina Herrera
Carolina Herrera

In der Kollektion sei der „Sarape-Umhang“ abgekupfert worden.

(Foto: Screenshot Carolina Herrera)

Diese Stickereien erzählten die Geschichte der Gemeinde und jedes Element habe eine „persönliche oder familiäre Bedeutung oder eine für die Gemeinde“. Wie die Produkte von Louis Vuitton zeichne sich auch Mexikos Kulturgut durch Originalität und Qualität aus. Frausto fragte das Label daher, ob sie für die „Herstellung des Stuhls die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und ihrer Künstlern gesucht und diese auch einbezogen“ hätten und schlug Gespräche zwischen Vuitton, Gemeinde- und Regierungsvertretern vor.

Dem amerikanisch-venezolanischen Modelabel Carolina Herrera warf die Ministerin vor, für die jüngste Kollektion „Resort 2020“, den klassischen „Sarape-Umhang“ abgekupfert zu haben, der aus der nordmexikanischen Stadt Saltillo stammt und den die bekannten bunten Blockstreifen auszeichnen. Die Ministerin bat das Modehaus deshalb öffentlich zu erläutern, wieso es kulturelle Elemente verwendet, deren Herkunft vollständig dokumentiert sei. Frausto fragte zudem, wie das Label die betroffenen indigenen Gemeinden honorieren werde.

Mexikos neue linke Regierung ist die erste, die das Thema des Schutzes geistigen Eigentums der indigenen Völker thematisiert. Dabei geht es um die Frage, ob sich die Modehäuser für ihre Kollektionen bei den Motiven lediglich inspiriert haben oder ob es sich schlicht um Plagiat handelt. Die 62 verschiedenen Ureinwohner-Ethnien leben weitgehend im Schatten, kaum ein Politiker setzte sich bisher für ihre Rechte ein.

Jenseits der rechtlichen Frage hat der Konflikt vor allem eine moralische und auch wirtschaftliche Dimension. Die Nachfahren der Maya, Otomi, Tarahumara, Mixtecos oder anderer Völker machen gut zehn Prozent der Bevölkerung des zweitgrößten Landes Lateinamerikas aus.

Der Pariser Modehaus soll die Motive indigener Kunsthandwerker kopiert haben. Quelle: Screenshot Louis Vuitton
Louis Vuitton

Der Pariser Modehaus soll die Motive indigener Kunsthandwerker kopiert haben.

(Foto: Screenshot Louis Vuitton)

Aber die 13 Millionen Ureinwohner gehören zugleich zu den ärmsten und marginalisiertesten Mexikanern. Der Verkauf ihres Kunsthandwerks ist für sie nicht nur eine Frage des Stolzes, sondern auch eine Einnahmequelle. Dementsprechend sieht Ministerin Frausto in der Auseinandersetzung mit den beiden Designerlabeln auch einen grundsätzlichen Aspekt. „Es geht hier um ein ethisches Prinzip, das uns dazu zwingt, ein unaufschiebbares Thema auf den Tisch zu bringen. Wir müssen die Unsichtbaren sichtbar machen“.

Denn schon seit mehr als zehn Jahren kopieren Luxuslabel oder Modeketten mexikanische Motive verschiedenster Ethnien. Betroffen waren Unternehmen wie Hermès, Isabel Marant, Zara und die argentinische Marke Rapsodia.

Louis Vuitton und Carolina Herrera reagierten unterschiedlich auf die Forderungen. Das Herrera streitet den mexikanischen Einfluss in der Kollektion nicht ab. Sie sei in der „Lebensfreude Lateinamerikas“ inspiriert und als Bewunderung für die handwerklichen Fähigkeiten der mexikanischen Indigenen zu sehen.

Aber auf die Frage nach finanzieller Beteiligung der geistigen Urheber wich das Unternehmen aus. Vuitton hingegen kündigte an, mit den Kunsthandwerkern aus der Stadt Tenango de Doria gemeinsam einen Stuhl für eine neue Möbelserie entwickeln zu wollen.

Mehr: Mittelständische Nobelmarken müssen heute ebenso sinnstiftende wie individuelle Produkte anbieten. Auch Nachhaltigkeit ist für Kunden immer wichtiger. Lesen Sie hier mehr.

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