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Michael Cohen

Über ein Jahrzehnt lang einer der engsten Vertrauten Trumps.

(Foto: AFP)

Michael Cohen „Trump ist ein Betrüger. Ein Hochstapler. Ein Rassist“

Vor Antritt seiner Gefängnisstrafe will der frühere Anwalt und Vertraute von Donald Trump seinen ramponierten Ruf retten – und rechnet mit seinem Ex-Chef ab.
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WashingtonAm Ende eines langen Tages wischte sich Michael Cohen Tränen aus den Augenwinkeln. Der langjährige Anwalt von Donald Trump hatte stundenlang Fragen von Abgeordneten beantwortet, das bereitgestellte Wasser kaum angerührt. Zum Abschluss seiner Zeugenvernehmung im US-Kongress ging es um die dreijährige Gefängnisstrafe, die er im Mai antreten wird. Cohen verlor die Fassung, er weinte.

Sein Auftritt in dieser Woche, den Millionen US-Bürger verfolgten, war emotional und außergewöhnlich. Er erzählte die Geschichte einer spektakulären Kehrtwende. „Ich würde mich für Donald Trump erschießen lassen“, meinte Cohen einmal. Inzwischen sagt er: „Trump ist ein Betrüger. Ein Hochstapler. Ein Rassist.“ Zahlreiche Enthüllungsbücher sind über Trump erschienen, doch kaum ein Mann kennt den Präsidenten so gut wie Cohen.

Geboren im wohlhabenden Long Island, machte er als Jurist in Manhattan Karriere. Der ganz große berufliche Durchbruch jedoch, kombiniert mit einem Millionengehalt, gelang Cohen erst mit dem Wechsel zu Trumps Immobilienkonzern. Der 52-Jährige arbeitete von 2006 bis 2018 für Trump, zunächst für seine Firma, später als persönlicher Anwalt. Er führte seinen Chef durch alle Krisen und verschickte mehr als 500 anwaltliche Drohungen, um ihn zu schützen.

Zum Bruch kam es, als Staatsanwälte im Zusammenhang mit Schweigegeld-Zahlungen an Trumps mutmaßliche sexuelle Affären zu graben begannen – und fündig wurden. Eine Kooperation mit Ermittlern war Cohens einzige Chance auf eine verkürzte Haftstrafe, Trump schimpft ihn seitdem einen Feigling. Im Dezember wurde Cohen für Verbrechen verurteilt, die er in seiner Zeit als Trumps Anwalt beging, etwa Steuerbetrug, Falschaussage und illegale Wahlkampffinanzierung.

Trump selbst will er nicht davonkommen lassen. Cohen beschrieb, wie der frühere Immobilienmagnat sein Vermögen frisierte, um an Darlehen und Versicherungen zu kommen. Bei seinem letzten großen Auftritt vor Beginn seiner Gefängnisstrafe tat Cohen alles dafür, seinen Ruf zu retten.

„Ich bin die Person, die man nachts um drei anruft, wenn man Hilfe braucht“, sagte er. Seine Charakterstärke habe er von seinem Vater gelernt, der den Holocaust überlebte. Seine Frau und zwei Kinder, die ihn fast immer ins Gericht begleitet haben, seien sein größtes Glück.

Auffallend häufig versuchte Cohen, sich von Trump zu lösen. „Mein Name ist Michael Dean Cohen“, sagte er mitten in der Anhörung. Als würde er darum flehen, ihn nicht auf seine Vergangenheit zu reduzieren. Doch immer wieder blitzte auch Stolz und Eitelkeit durch. So sei er es gewesen, der die Idee für Trumps Kandidatur gehabt hätte.

Trotz seiner damaligen Nähe zu Trump sind Cohens Aussagen mit Vorsicht zu genießen. Schon einmal belog Cohen den Kongress, im Zusammenhang mit einem Trump-Bauprojekt in Moskau. Und er blieb immerhin ein Jahrzehnt an der Seite des heutigen Präsidenten, verteidigte ihn bedingungslos. Trump selbst versuchte unmittelbar nach der Anhörung, dieses öffentliche Misstrauen weiter zu schüren. „Er hat viel gelogen“, lästerte er. Cohens Auftritt sei beschämend gewesen.

Eine plausible Erklärung, warum er sich nicht früher von Trump getrennt hatte, lieferte Cohen nicht. Nur so viel: Fasziniert sei er von Trump gewesen, berauscht. „Wenn man in seiner Gegenwart war, hatte man das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.“ Nun aber wolle er nur noch sein altes Leben zurück.

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