Migration in die USA Kubaner riskieren alles für Leben in den USA

Washington und Havanna normalisieren ihre Beziehungen. Das könnte bedeuten, dass illegale Migranten aus dem kommunistischen Staat bald keinen Vorzugsstaus in den USA mehr genießen. Da handeln manche lieber sofort.
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Die USA sind weiterhin Sehnsuchtsort vieler Kubaner. Quelle: dpa
US-Flagge in den Straßen Havannas

Die USA sind weiterhin Sehnsuchtsort vieler Kubaner.

(Foto: dpa)

Key WestDie Beziehungen zwischen Havanna und Washington erwärmen sich. So machen sich denn viele Kubaner noch rasch mit Flößen oder notdürftig zusammengezimmerten Booten auf die gefährliche Reise zur US-Küste: Sie fürchten nämlich, dass sich eine als „wet-foot, dry-foot“ (nasser Fuß, trockener Fuß) bekannte US-Regel ändern könnte.

Danach dürfen Kubaner, die sich aus ihrem Land absetzen und die USA erreichen, dort bleiben und nach einer gewissen Zeit die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragen. Ohne diese Regel würden sie wie jeder andere illegale Einwanderer behandelt: Sie könnten abgeschoben werden und hätten kaum eine Chance, einen US-Pass zu erhalten.

Wen die US-Küstenwache auf See erwischt, also auf dem Weg zwischen Kuba und den USA, wird zurückgeschickt. Allein seit Anfang Oktober wurden mehr als 2600 kubanische Migranten in Gewahrsam genommen oder abgefangen, im gesamten vergangenen Jahr waren es knapp 4000.

Ein Land zwischen Nostalgie und Aufbruch
Der Revolutionsplatz
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Er wirkt eher schmucklos und schlicht – dennoch ist er wohl einer der wichtigsten Plätze in Kuba: Der Revolutionsplatz im Zentrum der Hauptstadt Havanna. Dort halten die Castros ihre politischen Reden, die schon mal bis zu acht Stunden dauern können. Doch außerhalb solcher repräsentativen Momente ist der Platz meist menschenleer, nur der alte Revolutionär und Castro-Vertraute Camillo Cienfuegos wacht dann über den Asphalt. Wie viel revolutionärer Geist wohnt Kuba noch inne?

Che Guevara in der Hafenstadt Cienfuegos
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Auf den Straßen der Metropolen wie Havanna oder Cienfuegos an der Südküste der Insel sind die alten Revolutionäre um Che Guevara noch allgegenwärtig, dem toten Revolutionär wird gehuldigt: „Dein Vorbild lebt. Deine Ideen bestehen weiter.“ Sichtbar sind die Symbole aber vor allem dort, wo die Touristen vorbeigeführt werden. Sie sollen einen stolzen, sozialistischen Staat in Erinnerung behalten.

Der Malecón in Havanna
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Den Eindruck von Stolz und vor allem von Freiheit vermittelt etwa auch der Küstenboulevard Malecón. Dort brausen viele Oldtimertaxis mit Touristen umher, doch auch die Einheimischen entspannen abends an der Kaimauer. Die Atmosphäre ist lässig und unbesorgt.

Verfallene Straßen nahe des Malecóns
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Abseits der repräsentativen Plätze wird das Stadtbild Havannas dagegen nicht so sorgfältig gepflegt. Stolze Revolutionssymbole sucht man in den Seitenstraßen der Uferpromenade Malecón umsonst, kleine Pinbilder der Castros an den Wänden kleiner Läden sind das Höchste der Gefühle. Die Fassaden der alten Kolonialbauten bröckeln, Brachen bleiben lange Zeit ungenutzt. Denn Investitionen in Neubauten gibt es kaum.

Streetart in den Seitenstraßen von Havanna
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Stattdessen versuchen die Kubaner ihre alten, kaum instand gehaltenen Wohnbauten mit eigenen Mitteln möglichst wohnlich zu gestalten. Straßenkunst lockert die Atmosphäre des Verfalls etwas auf – da ist eben die eigene Kreativität gefragt, wie so oft im Alltag der Kubaner.

Warteschlangen vor den Boutiquen
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Denn in der staatlichen Planwirtschaft ist nicht immer sicher, ob man seine individuellen Pläne so umsetzen kann, wie man will. Welche Waren noch da sind, wenn man beim Samstagseinkauf vom Türsteher der Boutique eingelassen wird, ist vorab nie abzusehen. Deshalb bilden sich vor beliebten Geschäften dann schon mal kleine Menschentrauben wie hier in der Fußgängerzone in Cienfuegos. Ein Bild, das sich in Deutschland wohl höchstens noch in der Hysterie um die Neueröffnung eines Primark oder eines Appleshops bietet. Viele Kubaner hoffen, dass die Annäherung an die USA ein wenig mehr Planbarkeit bringt.

Höhepunkt für junge Kubanerinnen
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Schließlich gibt es Momente, in denen einfach nichts fehlen sollte: Hier wird eine junge Kubanerin in Trinidad auf ihre Quinceañera vorbereitet. In vielen lateinamerikanischen Ländern und auch in Kuba wird der 15. Geburtstag der Mädchen als Übergang ins Erwachsenenalter mit viel Pomp gefeiert. Wenn eine Familie es sich leisten kann, fährt sie an diesem Tag alle Geschütze auf, inklusive Make Up-Artist und Fotografenteam.

Es ist häufig zu hören - das Brummen von tief fliegenden, Schleifen ziehenden Flugzeugen der Küstenwache über der Meeresstraße zwischen Kuba und der Inselkette Florida Keys. Die Maschinen sind mit Sensoren ausgestattet, die Formen auf der Wasseroberfläche Kilometer weit entfernt ausmachen können.

Aus einer Höhe von etwa 450 Metern sehen Kreuzfahrtschiffe wie Kleckse am Horizont aus, Segelboote sind weiße Punkte mit langem Kielwasser, und Migrantenboote haben die Größe von Bojen. Die Piloten schauen nach etwas Verdächtigem aus - Wellen, die nicht ganz richtig brechen, einem dunklen Flecken im Schatten einer Wolke, dem Schimmer von etwas, das über Bord geworfen wurde oder dem Kräuseln einer blauen Plane.

Die Flugzeug-Crews werfen häufig Eimer mit Wasserflaschen und Nahrung ab oder auch Schwimmwesten und aufblasbare Flöße, damit sich Migranten in Seenot über Wasser halten können, bis ein Kutter der Küstenwache sie erreicht. Sehen die Kubaner eine Küste, versuchen viele von ihnen, in ihre Richtung zu schwimmen – in der Hoffnung, ihr Ziel doch noch zu erreichen, den Fuß auf US-Boden zu setzen. „Es muss wirklich frustrierend sein, die Freiheit zu sehen, aber nicht zu erkennen, wie weit sie wirklich entfernt ist“, sagte Pilot Hans de Groot kürzlich auf einem Patrouillen-Flug.

Die Macht der Motivation
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